Unser WK-III-Team bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft 2009

Bild Der zweite Auftritt eines Herder-Teams bei einer Deutschen Meisterschaft wurde zu einer sensationellen Erfolgsstory. Das neu formierte Team raufte sich vor Ort zu einer würdigen Mannschaft zusammen und zeigte ein konzentriertes Turnier an der Grenze des Möglichen. Am Ende steht eine nie erwartete Bronzemedaille nach begeisternden Kämpfen gegen hochkarätig besetzte Konkurrenz. Nur gegen den Meister wurde verloren, gegen den Vize gab es ein Unentschieden. Zum Schluss wurde die Nr. 1 der Setzliste bezwungen und die Minuten danach gruben sich tief in die Erinnerung ein.

Alle 5 Vertreter unserer Schule spielten ein hervorragendes Turnier, punkteten mannschaftsdienlich und engagiert. Wir haben diese Medaille gemeinsam errungen, doch Kevin sorgte mit seiner Super-Performance für zusätzliche Sicherheit. Wieder einmal war die große Ausgeglichenheit unser Trumpf. Bei vielen anderen Mannschaften gab es ein großes Leistungsgefälle, meist zwischen Brett 2 und 3. Wir haben hingegen an den beiden hinteren Brettern nur zwei Partien verloren – beide gegen den neuen Meister.

Das Bild von der Siegerehrung zeigt die stolzen Medaillengewinner mit der Hessischen Kultusministerin Frau Henzler.

Spieler Rd. 1 Rd. 2 Rd. 3 Rd. 4 Rd. 5 Rd. 6 Rd. 7 Punkte Einsätze
Margarita Kostré 1 0 0 ½ ½ ½ 0 7
Leon Rolfes 1 0 ½ 0 0 0 1 7
Kevin Song 1 1 1 1 0 1 1 6 7
Matthias Fluhr   1     0 1   2 3
Erik Nissen 1   ½ 1     ½ 3 4
"Ersatzspielerturnier"
Matthias Fluhr 1   ½ 0     1 Platz 4
Erik Nissen   +     1 0  

7. Runde am 11.05.2009 gegen das Max-Planck-Gymnasium Karlsruhe (Baden)
Herder-Gymnasium Berlin 2½ : 1½ Max-Planck-Gymnasium Karlsruhe
Margarita Kostré 0 1 Joshua Aarash Hager (DWZ 2200)
Leon Rolfes 1 0 Daniel Volz (DWZ 1889)
Kevin Song 1 0 Alexander Volz
Erik Nissen ½ ½ Dominik Schwingen

Die Geschichte der Herderschach-AG ist reich an emotionalen Höhepunkten. Heute erlebten wir einen Steigerungslauf der Gefühle, wie wir ihn noch gestern Abend nicht für möglich gehalten hätten.

Wir gingen ohne große Illusionen an die Bretter – zu überlegen erschienen die Badener als Nr. 1 der Setzliste. Einzige Angst war es, durch eine Niederlage noch unverdient weit durchgereicht zu werden.
Unsere Partien begannen recht ordentlich, so dass sich zumindest ein spannendes Spiel auf Augenhöhe abzeichnete. Nur Margarita kam mit etwas schlechterer Bauernstruktur aus der Eröffnung und unterlag nach engagierter Partie dem übermächtigen Gegner.
Aber wir hatten ja noch Kevin: Wieder sorgte er für das erste Achtungszeichen, gewann im Mittelspiel die Dame für Turm und Leichtfigur und konnte wenig später den sechsten Sieg dieser Tage verbuchen. Es stand 1:1.

Schwingen – Nissen
Bild
Die letzte Falle: Bei 1.f2–f3+!
hoffte Weiß wohl auf
1… Kxf3 2.a7 h1D?? 3.a8D+
Aber nach 1.… Kg4–g3!
war das Remis gesichert.

Blicken wir auf unsere Schwarzpartien: Leon steht ausgeglichen bei (wie immer) klar besserer Bedenkzeit, Erik hat einen Mehrbauern bei (wie immer) klar schlechterer Bedenkzeit. Erste leise Hoffnungen keimen auf: Wenn wir irgendwie ein 2:2 erreichen, ist Platz 6 gesichert.
Das gelingt dann schon Leon: Er kommt in ein Endspiel mit 3 Mehrbauern für die Qualität und lässt sich diesmal auch in gegnerischer Zeitnot nicht zum Mitblitzen verleiten – Klarer Sieg und Platz 6 gesichert.

Erik wird mit seiner Zeitnot diesmal besser fertig. Er hat nun zwar einen Bauern weniger, zieht aber zuerst ein. Kurz vor Schluss umgeht er eine tückische Falle – das muss man bei dieser enormen Anspannung erstmal schaffen. Dann ist das Remis unvermeidlich und der sensationelle Mannschaftssieg gesichert. Wir haben Karlsruhe überholt, sind mindestens Fünfter.

Erst jetzt geht der Blick an die übrigen Spitzenbretter – und was wir dort sehen, löst gleich weiteren Jubel aus: Großröhrsdorf führt gegen Darmstadt uneinholbar und wird Deutscher Meister. Doppelte Freude bei uns, denn wir gönnen den Sachsen den Titel. Sie haben uns die einzige Niederlage zugefügt und das war sehr überzeugend.
Wichtiger: Mit diesem Ergebnis überholen wir auch die Südhessen und sind nun schon Vierter.

Und was passiert zwischen Bayern und Sachsen-Anhalt? Ein 2:2 würde beiden Landesmeistern eine Medaille sichern. Gibt es dort aber einen Verlierer, überholen wir auch noch den…
Erlangen führt 2:1. Es sind 1 Stunde und 59 Minuten vergangen. An Brett 4 haben beide Spieler noch 30 Sekunden und sind im Endspiel König + Turm (Halle) gegen König + Springer (Erlangen). Aber der fränkische König ist schon auf der 1. Reihe festgenagelt. Irgendwann ging dann der Springer verloren…
Nun hat Schwarz also den Turm gegen den blanken König und wird schnell gewinnen, seine Mannschaft wird ausgleichen und aufs "Treppchen" springen. Für wenige Sekunden hält der Spieler aus Sachsen-Anhalt unsere Bronze-Medaille in der Hand – … – dann – … – stellt er den Turm ein.
Wir sind Dritter.

Am Sonnabend haben wir gelernt, dass die alten Römer über 500 Götter hatten. Mindestens 480 davon waren heute auf unserer Seite.


6. Runde am 10.05.2009 gegen das Sebastian-Münster-Gymnasium Ingelheim (Rheinland-Pfalz)
Herder-Gymnasium Berlin 2½ : 1½ Sebastian-Münster-Gymnasium Ingelheim
Margarita Kostré ½ ½ Michael Beck
Leon Rolfes 0 1 Manfred Faldum
Kevin Song 1 0 Daniel Grieb
Matthias Fluhr 1 0 Jakob Schlantz

Das war ein schwer erkämpfter Sieg, und das macht ihn um so wertvoller. Man merkt deutlich, dass die beiden anstrengenden Tage enorm Kraft gekostet haben. So wurde das heutige Abendspiel zu einer Zitterpartie mit buchstäblichem Happy-End.
Zunächst lief es nach bewährtem Muster: Kevin brachte uns wieder früh in Führung. Seine beiden Türme hielten auf der 7. Reihe reiche Ernte. Auch Matthias beherrschte seinen Gegner sicher und verdichtete seine Überlegenheit geduldig zu einer Gewinnstellung.
Unglücklich lief die Partie von Leon. Den schönen Angriff bei entgegengesetzten Rochaden konnte sein Kontrahent abwehren und viel Material tauschen. Danach waren Leons vorgepreschte Bauern zu schwach und gingen verloren.
So hing alles an Margaritas eigentlich unverlierbar ausgeglichener Stellung im Turmendspiel. Doch plötzlich eröffnete sich für Michael Beck die Chance zum Bauerndurchbruch. Er rechnete lange, fand aber nicht die richtige Lösung. So zogen beide Spieler gleichzeitig ein und Margarita kam zu dem erlösenden Dauerschach.


Kraft-Tanken vor dem Finale

Das Freizeitprogramm in Bad Homburg lässt keine Wünsche offen. Wir besuchten heute das Seedammbad, konnten uns nach Lust und Laune austoben und erfrischen. Nach der Rückkehr wurde auf der Terasse der Jugendherberge herzhaft gegrillt. Man wird sehen, dass uns Entspannung wie Stärkung gleichermaßen gut bekommen sind.


5. Runde am 10.05.2009 gegen das Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium Großröhrsdorf (Sachsen)
Herder-Gymnasium Berlin ½ : 3½ Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium Großröhrsdorf
Margarita Kostré ½ ½ Hans Möhn (DWZ 1905)
Leon Rolfes 0 1 Sebastian Lindner (DWZ 1768)
Kevin Song 0 1 Oliver Gerntke
Matthias Fluhr 0 1 Andreas Jurkin

Selten kann man eine Niederlage so entspannt hinnehmen. Das bisher dominierende Team aus Sachsen um den Dritten der Deutschen U12-Meisterschaft war heute noch eine Nummer zu groß für uns.
Margarita hielt ihre Partie gegen Hans Möhn problemlos ausgeglichen, doch an den übrigen Brettern kam der Gegner meist schon in der Eröffnung in Vorteil.


4. Runde am 10.05.2009 gegen das Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn (Württemberg)
Herder-Gymnasium Berlin 2½ : 1½ Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn
Margarita Kostré ½ ½ Philipp Wenninger (DWZ 1912)
Leon Rolfes 0 1 Enis Zuferi (DWZ 1888)
Kevin Song 1 0 Jannick Samietz
Erik Nissen 1 0 Dai Tanaka

Unser Team schwimmt weiter auf der Erfolgswelle, gewinnt gegen die bislang ungeschlagenen Württemberger.
Ganz oben auf dieser Welle surft Kevin: Vierter Sieg in Folge.
Was ein sicherer Punktegarant für das Team wert ist, war heute sehr deutlich zu spüren. Kevins früher Sieg und die souveräne Partie von Erik setzten Heilbronn an Brett 1 und 2 zusätzlich unter Druck. Auch wenn Leons Gegner aus zwischenzeitlich schlechterer Position das Blatt noch wenden konnte, hatten wir um Margarita nie Sorgen. In schon besserer Stellung, aber bei leichter Zeitnot sicherte sie mit dem Dauerschach den nie erwarteten Mannschaftssieg.


3. Runde am 09.05.2009 gegen das Justus-von-Liebig-Gymnasium Darmstadt (Hessen)
Herder-Gymnasium Berlin 2 : 2 Justus-von-Liebig-Gymnasium Darmstadt
Margarita Kostré 0 1 Constantin Göbel (DWZ 1969)
Leon Rolfes ½ ½ My Linh Tran (DWZ 1715)
Kevin Song 1 0 Eric Anders
Erik Nissen ½ ½ Mirza Mujovi

Erneut ein ganz starker Auftritt unseres Teams: Kevin läuft hier zu großer Form auf, gewinnt auch seine dritte Partie problemlos. Ein starker Kampf von Leon aus zunächst nachteiliger Stellung wird mit dem Remis gegen die Dritte der Deutschen U14-Meisterschaft belohnt.
Dennoch schien das Happy-End diesmal auszubleiben. Nach Margaritas Niederlage hatte Erik in völlig ausgeglichener Stellung große Zeit-Probleme. Man kann nur mutmaßen, ob 3 Minuten Restbedenkzeit genügt hätten, das Remis wasserdicht zu machen. In dieser Situation war die gegnerische Mannschaft so sportlich, von sich aus die Punkteteilung anzubieten – verdientes 2:2 gegen ein weiteres Spitzenteam.


Erlebnisreiche Pause

Am Nachmittag besuchten wir die Saalburg, ein Kastell aus der Römerzeit am Limes. Matthias traf sich hier mit seinem Patenonkel und als ortsansässiger Latein-Lehrer war Herr Wagner ein idealer Fremdenführer für alle interessierten Zuhörer. Herzlichen Dank für dieses tolle Zusatz-Schmankerl.


2. Runde am 09.05.2009 gegen das Ohm-Gymnasium Erlangen (Bayern)
Herder-Gymnasium Berlin 2 : 2 Ohm-Gymnasium Erlangen
Margarita Kostré 0 1 Eduard Miller (DWZ 1924)
Leon Rolfes 0 1 Hanna-Marie Klek (DWZ 1954)
Kevin Song 1 0 Anne Harder
Matthias Fluhr 1 0 Marvin Harder

Highlight des Deutschen Schulschachs: Bei unseren Gegnern saß an Brett 2 eine Schülerin, die vor wenigen Monaten bereits in der Deutschen (B-)Nationalmannschaft der Damen bei der Schacholympiade spielte. Gegen Leon verteidigte sie den Mehrbauern aus dem Skandinavischen Gambit souverän bis ins Endspiel.

Unser sensationelles Unentschieden sicherten die Bretter 3 und 4:
Matthias zeigte in seiner ersten DSSM-Partie ein lehrbuchreifes Bauernendspiel und Kevin verwertete seinen Mehrbauern ebenso gekonnt.


1. Runde am 09.05.2009 gegen die Kurt-Schumacher-Schule Karben (Hessen)
Herder-Gymnasium Berlin 4 : 0 Kurt-Schumacher-Schule Karben
Margarita Kostré 1 0 Sebastian Rössel
Leon Rolfes 1 0 Kevin Burzig
Kevin Song 1 0 Marius Schülke
Erik Nissen 1 0 David Edel

Dass man schon nach wenigen Minuten bei einer Deutschen Meisterschaft den Schiedsrichter um eine zweite Dame bitten kann, hat sicher Seltenheitswert. Leon brachte heute dieses Kunststück fertig und gewann wenig später. Auch die übrigen Spieler kamen früh auf die Siegerstraße und konnten den insgesamt klar überforderten Gastgeber an allen Brettern sicher bezwingen.