Abrafaxe-Turnier 2010

Am gefühlt ersten Sommertag des Jahres 2010 lud der SC Borussia Friedrichsfelde zum 14. Abrafaxe-Turnier. Dem Ausrichter möchten wir ganz herzlich für ein wiederum großartiges Schacherlebnis danken. Ein riesiges Helferteam sorgte für reibungslosen Ablauf, bestmögliche Termintreue und viele gute kleine Ideen, die uns den Tag angenehm machten. Die Starterfelder sind insgesamt etwas geschrumpft, doch den Ruf als renommiertestes Kinderschachturnier weit über Berlin hinaus haben die Abrafaxe souverän gerechtfertigt.

Wir brachten wieder ein starkes Team an den Start, gaben dabei erprobten Turnierspielern ebenso eine Chance wie Newcomern im ersten ernsthaften Schachjahr. Am Ende des Tages kann der Trainer bilanzieren, dass keiner unserer Spieler enttäuscht hat. Die Punktzahlen spiegeln weitgehend unseren gegenwärtigen Leistungsstand im Vergleich mit meist deutlich erfahreneren Spielern wider. Guten Gewissens kann man auch feststellen, dass einige Zähler mehr verdient gewesen wären. Recht viele Partien gingen durch Zeitüberschreitung verloren – und oft war das buchstäblich Sekundensache. Gerade in Zeitnot fehlte uns manchmal noch das entscheidene Fünkchen Cleverness.

Drei Spieler vorn dabei

Bild Bild Dreimal 4½ Punkte für unsere Delegation. Dabei schillert diese Zahl bei Mario (im linken Foto links hinter Julian) noch ein klein wenig edler, hatte er doch in der Schlussrunde mit Emil Schmidek einen der Top-Favoriten sicher "im Griff". Aber dieser zeigte dann seine ganze Routine: Als er nichts mehr zu verlieren hatte, schaltete er auf Blitztempo um, holte den großen Zeitrückstand auf und gewann schließlich mit 2 Sekunden "Vorsprung".
Ähnliche Herzschlag-Finals gab es heute gleich reihenweise – und oft waren unsere Spieler in diesem Moment die etwas Unglücklicheren.

Top-Ergebnisse für Maxi und Anton. Von Maximilian ist man gute Ergebnisse in anspruchsvollen Turnieren ja schon gewohnt. Auch mit der knappen Bedenkzeit kam er diesmal gut zurecht. Anton (Foto rechts) spielte ein großartiges Turnier. Was er kann, hat er schon oft angedeutet, dann aber meist nicht über die volle Distanz durchgehalten. Heute war das anders: Auch nach Niederlagen war kein Nachlassen seines Kampfgeistes zu bemerken. Ein Schritt nach vorn, dem wir im Herbst den nächsten folgen lassen sollten.

In breiter Front in der oberen Hälfte

Bild Für die Spieler mit 4 Punkten ist das Turnier auf jeden Fall ein toller Erfolg gewesen. Linus, Moritz und Khai Liem (Foto links) machten gegenüber der Vorjahrestabelle riesige Sprünge nach vorn. Gegen die starke Konkurrenz des A-Turniers konnten sie sich hervorragend in Szene setzen. Zum Schmunzeln gibt dabei die Bilanz von Moritz Anlass: 3 Niederlagen gegen eigene Klassenkameraden und 4 Siege gegen die "auswärtige" Gegnerschaft…
Starker Auftritt auch für Tim: Nach zuletzt durchwachsenen Ergebnissen ist ihm seit 2 Wochen wieder das Durchstarten nach oben gelungen. Toll, wie er heute die "Niederlage" in Runde 5 wegsteckte: Er hatte seinen fast 600 DWZ-Punkte "stärkeren" Gegner klar überspielt, besaß Turm, Figur und mehrere Bauern gegen ein einsames, zuverlässig blockiertes Bäuerlein. In dieser Situation durch Zeitüberschreitung zu verlieren (und nicht wenigstens ein Remis zu bekommen) ist schon bitter… Zum Glück blieb das Verhalten seines Gegenspielers einer der ganz wenigen Missklänge des Tages.

Starker Auftritt der "Ersttäter"

Bild Bild Sechs unserer Spieler waren Debütanten im Feld der Abrafaxe. Gerade ihnen hat es riesigen Spaß gemacht. Von Pablo kam schon während des Turniers die dringende Bitte, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen – Versprochen, du darfst.
Aus dieser Gruppe möchte ich Lukas (Foto rechts) hervorheben. Er hat erst vor kurzem mit dem ernsthaften Schachtraining begonnen und zeigt eine schöne Mischung von spielerischer Phantasie und optimistischem Kampfgeist. Drei Siege gegen wesentlich erfahrenere Turnierspieler und ein beachtliches Remis im internen Duell gegen Julian waren der Lohn. Mit starkem Schlussspurt arbeitete sich Jan (Foto links) noch ins Mittelfeld vor.
Florian agierte etwas wechselhaft, insgesamt aber mit einer Bestätigung seines Aufwärtstrends. Vielleicht gehört er ja zu den (gar nicht so seltenen) Spielern, die gegen erwachsene Gegner erfolgreicher spielen als in Kinderturnieren.

Ein sehr ordentliches Ergebnis erreichte auch unser jüngster Teilnehmer. Felix kann nämlich ordentliche Schachpartien abliefern, wenn er sich zu Ruhe und Ernsthaftigkeit zwingt. Leider konnte ich seine Partien nicht beobachten, da der Schiedsrichter der C-Gruppe die von vielen Seiten mit Unverständnis quittierte Entscheidung traf, "sein" Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen.

Jeder ist ein Sieger

Bild Wer an diesem buchstäblich "heißen" Tag sieben anstrengende Runden überstanden hat, darf sich als Sieger fühlen. Keiner unserer Spieler enttäuschte die Erwartungen der Trainer. Freilich war bei dem einen oder anderen zu spüren, dass die Kräfte und die Konzentration gegen Ende des Tages etwas nachließen. Das ist ganz normal, gerade wenn man eben noch nicht die ganz große Turniererfahrung hat. Doch auch bei diesen Spielern waren viele gute Partien zu sehen. Stellvertretend seien Jonathan und Niko genannt, die Siege gegen Spieler der oberen Tabellenhälfte einfuhren. Jonathan (Foto rechts) hatte zudem die Berliner U12-Meisterin am Rand der Niederlage. Auch Julian und Vincent spielten weit vorne mit. Sie sind Spieler, die mit vollem Einsatz in jede Partie gehen und hatten am Ende dann keine Kraftreserven mehr.
Arda und Julius mussten sich zum ersten Mal in der A-Gruppe beweisen. In vielen guten Partien – wenn auch noch nicht in allen sieben Runden – ließen sie ihr Können aufblitzen.

Wer heute noch etwas von sich enttäuscht war, kann aus einem Blick auf die Tabellen der Vorjahre neuen Mut schöpfen, gelang doch vielen unserer Spieler von Jahr zu Jahr eine schöne Steigerung.

Bericht und Fotos: Thomas Binder