Schüler-Schnellturnier 2011

Das Einzel-Schnellturnier ist in jedem Schuljahr der Saisonhöhepunkt für diejenigen Schüler, die (noch) keinem Schachverein angehören. Immer wieder sind es für den Trainer wunderschöne Tage, wenn Spieler unserer "zweiten" und "dritten" Reihe zeigen, wie sie voran gekommen sind und wie sie im Wettkampf gegen gleichstarke Konkurrenz aufblühen. Unsere Kids werden mit diesem Turnier für die konzentrierte und kontinuierliche Arbeit der letzten Monate belohnt.

Der Turnierjahrgang 2011 reiht sich würdig an die erfolgreichen Starts früherer Jahre. Sieht man zudem darauf, wo unsere seinerzeit weit vorn platzierten Spieler inzwischen angekommen sind, berechtigt das heutige Ergebnis zu schönen Hoffnungen für die Zukunft.

Bild Zwei auf dem Treppchen

Bild Was "LuGu" und Firat heute gezeigt haben, hat schon den Anstrich von Sensation. Medaillenplätze im Gesamtturnier und jeweils der Klassensieg in den Stufen 8 und 5 – Super!

Lukas Gunsam (rechts) zeigte einmal mehr, wie man im Schach mit mentaler Stärke erfolgreich sein kann. Es ist schon phänomenal, wie ihn scheinbar aussichtslose Stellungen überhaupt nicht stören. Mehr als einmal geriet er heute früh auf die Verliererstraße. Doch mit äußerlicher Ruhe wehrte er die gegnerischen Angriffe ab, suchte versteckte Ressourcen, die ihm noch eine Chance bieten können. Fast immer wurde Lukas heute für diesen Kampfgeist belohnt. Nur in Runde 2 gegen den verdienten Turniersieger Maximilian Müller (Sophie-Scholl-Schule) reichte es nicht mehr.

Firat Soman (links) hatte an gleicher Stelle schon im Mannschaftsturnier (4 aus 4) überzeugt. Auch heute legte er mit vier Siegen los – man war versucht die ehrwürdige Aula in Firat-Soman-Arena umzubenennen. Erst der große Favorit und verdient überlegene Turniersieger Leon Feyer (Käthe-Kollwitz-Gymnasium) setzte dann ein Stopsignal. Leon hatte sich vor wenigen Wochen schon als Stütze seines Teams erwiesen, das bei der Deutschen Meisterschaft der Schulen eine phänomenale Bronzemedaille gewann. Hier gab es in Runde 5 eine würdige Spitzenpartie: Großmeister Robert Rabiega lobte sie als eine der besten Schulschachpartien, die er je gesehen habe – und dieses Urteil galt ausdrücklich beiden Spielern.
Firat verdaute die Niederlage gut und war dann auch dem Druck der Schlussrunde gewachsen, als er einen Sieg brauchte um die Klasse-5-Wertung zu gewinnen.

Bild Zwei im Gleichschritt

Von Runde zu Runde hatten Björn und Marian die gleichen Resultate zu vermelden. Am Ende des Tages können beide stolz auf ihre Ergebnisse sein.

Björn Daase (links im Bild) hat auch bei seinem dritten Start wieder zugelegt und ist in der Spitzengruppe der Schulschach-Einzelturniere angekommen. Wenn man seine Entwicklung in drei Herderschach-Jahren begleitet hat, freut man sich mit ihm über den steten Aufschwung der Ergebnisse. Diesmal gab es einen Fehlstart mit Doppel-Null. In früheren Jahren hätte dies Björn aus der Bahn geworfen – heute setzte er zu einer eindrucksvollen Aufholjagd an, die in der Schlussrunde bis ans Spitzenbrett zur Partie gegen den überlegenen Turniersieger führte.

Marian Hauser (rechts im Bild) ging von einer (noch nicht ganz) überstandenen Krankheit geschwächt an den Start. Er wollte heute unbedingt dabei sein, und das hat vielleicht sogar geholfen, dass er etwas schneller wieder gesund wurde. In den beiden ersten Runden war ihm die konditionelle Schwäche noch anzumerken. Jeweils schon klar besser stehend, reichte es schließlich doch nicht, um fehlerfrei durchzuspielen. Doch Marian hatte die Kraft, sich aufzuraffen. Mit den ersten Siegen kamen auch Selbstvertrauen und Spielfreude wieder. So gab es gleich vier Punkte in Folge und erst in der letzten Runde die knappe Niederlage gegen einen starken Gegner.

Bild Zwei weitere Spieler im oberen Drittel

Bild Auch die Turnier-Neulinge Tim und "Adi" können auf ihre 4 Punkte und viele gute Partien stolz sein. Beide holten in der zweiten Hälfte des Turniers viele Siege und platzierten sich verdient in der erweiterten Spitzengruppe.

Atheenan Kumaran (rechts) hat bei 4 Punkten eine sehr hohe Buchholz-Wertung. Er unterlag also nur gegen Top-Gegner. Seine Gewinnpartien waren überlegen geführt. Gerade bei "Adi" – aber eigentlich bei unserem gesamten Team – hat mir heute gefallen, wie souverän und überzeugend die "Grundaufgaben" – also z. B. die elementaren Mattsetzungen und Bauernumwandlungen – gelöst wurden. Das hat man unter dem Druck der Turnieratmosphäre oft schon ganz anders gesehen.

Tim Riese (links) startete – wie auch Marian – überhaupt zum ersten Mal außerhalb der heimatlichen Mauern in einem Turnier. Jederzeit konzentriert, blieb er immer auf Tuchfühlung mit den Besten, saß zum Schluss sogar am dritten Brett. Die vier Siege spiegeln passend wider, was er im ersten Herderschach-Jahr gelernt hat. Wie einige andere Starter dieses Tages auch, profitierte er sehr von der Erfahrung aus den anstrengenden Partien im Finalturnier der Herder-Meisterschaft.

Zwei Spieler im Mittelfeld

Bild Wenn 3½ bzw. 3 Punkte unsere "schlechtesten" Ergebnisse darstellen, kann man für das gesamte Team von einem großartig gelungenen Tag sprechen. Yannic und Daniel werden genau analysieren, wo noch Reserven nach oben geblieben sind.

Yannic Wahren absolvierte sein bislang höchstwertiges Turnier. Seine Bilanz ist schwer zu beurteilen. Nach Niederlage und Sieg in den Auftaktrunden folgten zwei Schlappen gegen eigene Teamgefährten. Dann gab es ein etwas glückliches Remis und einen kampflosen Punkt. Mit dem zweiten "echten" Sieg arbeitete sich Yannic noch auf 50% und einen achtbaren Platz vor. Lässt man die internen Duelle aus der Rechnung, hat er sogar eine klar positive Bilanz.

Daniel Lewin (links) hat das Potential, bei diesem Turnier ganz vorn mitzuspielen. Und weil dies auch sein und unser Anspruch für den heutigen Tag war, ist sein Ergebnis wohl eine kleine Enttäuschung. Vielleicht hatten wir uns die Aufgabe auch etwas zu leicht vorgestellt.
Daniel muss noch lernen, sich aufzuraffen, wenn es mal nicht perfekt läuft. Dann wären auch heute – quasselnder Gegner hin, eigene Kopfschmerzen her – ein paar Pünktchen mehr zu holen gewesen. Wie man aus einem kleinen Tief noch im selben Turnier herauskommt, haben Björn und Marian eindrucksvoll vorgemacht. Daniel hat schon bald Gelegenheit, zu zeigen, was er wirklich kann.


Text und Bilder: Thomas Binder