Unser WK-II-Team bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft 2012

Sportliches Fazit

Zum sechsten Mal konnte ein Herder-Team das Land Berlin bei einer Deutschen Meisterschaft vertreten. Erneut blieben wir deutlich über unserer Position in der Setzliste, erreichten sogar einen einstelligen Tabellenplatz. Das sportliche Ziel wurde erreicht.
Der 8. Platz ist mehr als verdient. Unter unseren Gegnern befanden sich zwei Medaillengewinner. Wir besiegten den Tabellensechsten und eine weitere vor uns gesetzte Mannschaft. Auch die Buchholz-Wertung sieht uns in der erweiterten Spitzengruppe.

In Bad Homburg präsentierten sich unsere Spieler als ein perfekt harmonierendes Team, erlebten ein phantastisches Wochenende und wuchsen schachlich zum Teil über sich hinaus. Wenn man beim wertvollsten Schulschach-Wettkampf – zudem in der Königsklasse WK-II – so souverän über den Erwartungen bleibt, dann haben sich wieder einmal die typischen Herderschach-Qualitäten bewährt, die weit über rein schachliche Überlegungen hinaus gehen.

Und hier noch das Fazit aus der Feder von AG-Leiter Thilo Steinkrauß:
"Aus meiner Sicht war es eine rundum gelungene Reise, von der Leistung her sowieso, dieses Mal aber auch besonders von der Stimmung her: Die Mannschaft ist stets geschlossen aufgetreten, ob es am Brett, unterm Basketballkorb, am Kartentisch oder vor der Glotze in der Kneipe für die Hertha war.
Organisatorisch lief es perfekt, selbst solche heiklen Dinge wie Zimmer(auf)räumen. Die Führungsspieler haben geführt, der eine hier, der andere dort.
Yang wird dreimal aus Frankfurt angekarrt nach anstrengenden Klausurtagen oder kurzen Nächten. Seine Einsätze gehen auf Kosten der Ersatzspieler, die aber nicht meckern, sondern an den Tischen mitfiebern und sogar auf das Ersatzspielerturnier verzichten.
So hat's richtig viel Spaß gemacht. Schade, dass diese Herder-Mannschaft in Zukunft so nicht mehr zusammenspielen kann…"

Einzelkritiken

Bild Raphael Lagunow

Zum zweiten Mal bereits durfte sich unser Youngster in der WK-II bewähren, war aber ans Spitzenbrett aufgerückt. Auch wenn eine DSSM ja "kein richtiges Schach" (O-Ton Raphael) ist, bekam er es hier mit sehr starken Gegnern zu tun. Dass er dabei bereits unser produktivster Spieler war, nur eine Partie verlor, zeigt wie Raphael im letzten Jahr gewachsen ist. Mit je drei Siegen und Remisen war er ein Garant des erfolgreichen Abschneidens.
Insgesamt zeigte Raphael gegenüber dem Vorjahr einen gewissen stilistischen Wandel, spielte angriffsfreudiger und mutiger.

Bei seiner Haltung am Brett frage ich mich zwar oft: "Denkt er noch oder schläft er schon?" – aber so langsam wächst mein Vertrauen in die dabei ausgeheckten Pläne…

Bild Yiyang Huang

Yiyang absolvierte an diesem Wochenende parallel die Deutsche-Mathematik-Olympiade und die Deutsche Schulschachmeisterschaft. Geht das? Hat das schon mal jemand gemacht?
Es ging – weil beide Wettbewerbe nur gut 25 Kilometer voneinander entfernt ausgetragen wurden. So konnten wir unsere Nummer 2 für immerhin drei Partien nach Bad Homburg "einfliegen". Der enorme logistische Aufwand hat sich gelohnt. Yiyang gab der Mannschaft in wichtigen Spielen Sicherheit und blieb ungeschlagen.

DANKE an Yiyang! DANKE auch an die Kollegen von der mathematischen Fraktion für die problemlose Zusammenarbeit.

Aber gewiss hätte Yiyang diese Herkulesaufgabe nicht auf sich genommen, wenn er nicht gespürt hätte, mit welchem Engagement das gesamte Team um den Erfolg kämpft und – wie dringend es ihn dabei braucht.

Tilman Brämick

Ein Rekord für die Ewigkeit? Tilman bestritt am Sonntag seine 100. Partie in offiziellen Mannschaftsmeisterschaften für das Herder-Gymnasium. Die AG-Leitung hatte eine kleine Überraschung vorbereitet und so gab es im Turniersaal großen Applaus für Tilman und allenthalben ungläubiges Staunen über dieses Jubiläum.

Am Brett war Tilman neben Raphael unser zweiter ganz großer Trumpf. Mit einer eigenen DWZ von 1333 besiegte er einen 1800er und zwei 1600er, spielte gegen einen 1700er Remis. Seine Partien gaben dabei reichlich Analyse-Zündstoff und werden mir auch in späterer Aufbereitung noch Freude machen.

Jonas Brenck

Auch als Remiskönig kann man einer Mannschaft Stabilität und Sicherheit verleihen. Jonas präsentierte sich schachlich und menschlich enorm gereift. Er war seinen Kameraden ein vorbildlicher Mannschaftskapitän. Vielleicht – nur so ein Gedanke – sollte man Erfahrungen aus anderen Sportarten zum Eignungskriterium eines Schach-Captains machen…

Bild Bild Bei seinem zweiten DSSM-Einsatz gönnte sich Jonas nach vielen Remisen in der allerletzten Partie (die Altersgrenze verhindert weitere DSSM-Starts) seinen ersten Sieg. Dieser katapultierte die Mannschaft weit nach vorn. Schöner kann man sich aus dem Abenteuer "Deutsche Schulschach-Meisterschaften" kaum verabschieden.

Sorry Jonas: Diesmal ohne Foto – da war irgendwie immer die Frisur im Wege…

Julian Rausch und Lukas Eichner

Für beide Ersatzspieler ist die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft der Höhepunkt von bislang sieben Herderschach-Jahren. Sie ist der Lohn für Zuverlässigkeit, Konzentration und Beharrlichkeit. Es hat uns immer Riesen-Spaß gemacht, mit euch zu trainieren.

Vor Ort wirkte es sich dann doch aus, dass Julian und Lukas kaum Wettkampferfahrung auf diesem Niveau mitbrachten. So blieb es bei einem Achtungszeichen. Dieses setzte Lukas genau im richtigen Moment – als in Runde 2 der Rest der Mannschaft ein wenig schwächelte.


Text und Fotos: Thomas Binder