Einzel-Schnellturniere 2012 – Klassen 5 und 6

Am ersten Tag der Einzel-Schnellturniere des Berliner Schulschachs konnten unsere jüngeren Spieler großartig überzeugen. Bei diesem Turnier sind keine Vereinsspieler am Start, so dass sich für viele unserer Schüler die Gelegenheit ergibt, erste Erfahrungen zu sammeln und auch bereits Erfolgserlebnisse zu bejubeln. Was gerade die AG-Neulinge in diesem Jahr gelernt haben, ist schon toll und schafft Vorfreude auf die nächsten Schuljahre.

Lässt man die beiden internen Duelle außer Acht, so stehen 36 Siegen nur 15 Niederlagen gegenüber. Ein einziges Remis steuerten Yannik und sein Gegner der letzten Runde bei, als am Ende nur noch beide Könige auf dem Brett standen.

Viermal auf Spitzen-Plätzen

Johanna belegt im Mädchen-Turnier Platz 4. Dabei ist die 11jährige(!!) beste Spielerin außerhalb der Oberstufe. Wenn es schon dafür keine eigene Wertung gibt, sei es zumindest an dieser Stelle erwähnt. Schade auch, dass für das Feld von 33 Schachspielerinnen nur 3 Medaillen vorgesehen waren, während tags darauf in der höchsten Altersklasse bei nur 12 Teilnehmern gleich 7 Preise vergeben wurden.
Im Maxi-Turnier holt Firat die Bronzemedaille, Severin liegt ganz knapp dahinter auf Platz 4. In der Wertung der Klassenstufe 6 gibt es für beide die Plätze 2 und 3. Moritz kommt als Achter der Gesamt-Tabelle auf Platz 3 in Klasse 5.

Bild Bild Herder-Girls ganz vorn dabei

Durch die Einrichtung eines eigenen "Girls"-Turniers gelang es den Organisatoren, die Hemmschwelle für schachspielende Mädchen erfreulich zu senken. So wurden sie dann von einem großen Starterfeld selbst überrascht, hätten ansonsten eine Einteilung in Altersgruppen vorgenommen.
Im Wettstreit über alle Klassenstufen konnten unsere beiden Vertreterinnen großartig mithalten. Beide sind engagierte Sportlerinnen, bringen also eine wichtige Voraussetzung für den schachlichen Wettkampf mit.
In der ersten Runde gab es noch Niederlagen gegen starke Gegnerinnen, dann drehten Johanna und Annika auf und waren kaum noch zu stoppen. Sie agierten jederzeit konzentriert, hielten einmal erarbeitete Vorteile schön fest und nutzten sich bietende Chancen sehr konsequent aus. Oft war noch die Zeitnot ihr Begleiter, doch auch damit gingen beide Schülerinnen schon recht gut um.

In der Endabrechnung steht Johanna auf einem phantastischen 4. Platz – hinter drei Spielerinnen, die mindestens 6 Jahre älter sind. Annika bleibt mit vier Siegen in der oberen Tabellenhälfte und schuf nebenbei das vielleicht schönste Matt des Tages (siehe Bildergalerie).

Spannung pur im Maxi-Turnier

Bild Bild Im Riesenfeld der Schüler aus Klassen 4 bis 6 dominierten drei Berliner Schachschulen in beeindruckender Weise. Das Kollwitz-Gymnasium, die Kästner-Grundschule und das Herder-Gymnasium sind so breit aufgestellt, dass sie auch bei diesem Turnier den Ton angeben. Heute machten diese Schulen sage und schreibe 17 der ersten 19 Plätze – das vordere Drittel des Feldes – unter sich aus. Nur auf den Plätzen 9 und 14 konnten andere Schulen diese Phalanx stören.

Das Turnier begann für unsere sechs Jungs mit einer makellosen Startrunde. In der Folge setzten sich vor allem Moritz, Firat, Kristoffer und Severin in der absoluten Spitzengruppe fest. Immer enger rückte die Spitze des Feldes zusammen und immer spannender wurde der Kampf um die Medaillen. Zeitweise saß mindestens an jedem der ersten vier Bretter ein Herder-Schüler.
Avetis und Yannik hatten meist Tuchfühlung zu dieser Gruppe, rangierten im gehobenen Mittelfeld.

Besonders hat sich der Trainer gefreut, dass unsere Spieler das Einzelturnier als einen Mannschaftswettkampf gestalteten. Vor jeder Runde wünschten sie sich gegenseitig Erfolg und Moritz stellte fest: "Als Teamarbeit ist Schach irgendwie noch schöner."

In der 5. Runde bezwang Moritz den bis dahin als Favoriten geltenden Dominik Gauck von der Erich-Kästner-Grundschule. Danach attestierte ihm kein Geringerer als Großmeister Robert Rabiega, dass er das klar beste Schach des Feldes spiele. Das Urteil aus solch berufenem Munde ist vielleicht sogar aussagefähiger als die Zahlen in der Abschlusstabelle…

In den beiden letzten Runden scheiterte Moritz dann gewiss nicht am schachlichen Können, sondern eher an der physischen Kondition – ein Aspekt, der auch im Schachturnier nicht zu unterschätzen ist. Die Niederlage gegen den schließlich verdienten Turniersieger Lennart Lohe (ebenfalls Kästner-GS) entschied über Platz 1.

Bild Vor der Schlussrunde standen gleich vier unserer Cracks bei 5 Punkten aus 6 Runden. Schade, aber unvermeidlich, dass sie dann gegeneinander spielen mussten. Dabei zeigten die beiden Sechstklässler Firat und Severin, dass eben ein zusätzliches Herderschach-Jahr doch den kleinen Unterschied ausmacht und siegten sicher gegen Moritz und Kristoffer.

Avetis und Yannik fühlten sich im Mittelfeld munter wie die Fische im Wasser. Hin und wieder mischten sie an den vorderen Brettern mit. Wenn es eine Niederlage gab, wurde diese fast im Handumdrehen gleich wieder kompensiert. In den letzten Runden merkte man auch ihnen an, dass ein solches Schachturnier enorm Kraft kostet. Beide platzierten sich in der oberen Tabellenhälfte und rechtfertigten damit ihre heutige Aufstellung.

Schachlich möchte ich hervorheben, dass alle unsere Teilnehmer sehr solide aus der Eröffnung kamen und ihre Figuren ins Spiel brachten. Wenn sich die Chance zu einem Gewinnmanöver ergab, wurde sie fast immer beim Schopfe ergriffen. Natürlich bleiben in der Aufregung eines Schnellturniers auch ein paar grobe Patzer nicht aus, aber sie blieben ganz klar in der Minderheit. Gegnerische Fehler wurden hingegen recht konsequent bestraft.
Sehr gefallen hat mir die Zeiteinteilung unserer Spieler(innen). Mehr als einmal wurden die 15 Minuten bis zur Neige ausgeschöpft, das Matt aber eben gerade noch rechtzeitig zusammengebastelt. Dass wir ein ganzes Turnier ohne Patt überstehen, dürfte auch ein Novum sein.

Bild Bild Bild
Kristoffer Sturm Avetis Navasardyan Yannik Waetzmann

Bericht und Fotos: Thomas Binder