Einzel-Schnellturniere 2012 – Klassen 7 und 9

Es ist schon ein wenig verhext: Ähnlich wie beim Abrafaxe-Turnier vor 5 Tagen und beim Schnellschach der Jüngeren gestern, können wir uns heute über ein geschlossen positives Auftreten unserer Mannschaft freuen.
Der befreiende Jubel aber bleibt wieder aus, weil wir den ganz großen Erfolg erneut um eine Winzigkeit – und diesmal ausgesprochen tragisch – verpasst haben.
Auf der Habenseite stehen erneut ein 3. Platz in der Gesamtwertung und zweimal Rang 2 in den Altersklassen. Erneut platzieren sich alle Herder-Schüler in der oberen Tabellenhälfte, erneut sind wir zu dritt in den Top-Ten.

Bild "LuGu" – soooooo knapp am ganz großen Sieg

Lukas ging sicher als einer der Favoriten ins heutige Turnier und er erfüllte diese Rolle buchstäblich bis zum vorletzten Zug. Fünf meist hart erkämpfte Siege und ein Remis zierten das Tableau vor der Schlussrunde. OK – das einzige Remis kam etwas glücklich zustande.
Dann also das echte Finale gegen Simon Boisseree von der Katholischen Schule St. Marien, der bis dahin alle sechs Partien gewonnen hatte. "LuGu" spielte eine konzentrierte Partie, kam besser aus der Eröffnung und nutzte dann eine Fesselung in der offenen e-Linie gegen den König zum Figurengewinn. Der Turniersieg schien bereits sicher und der Beobachter wandte sich anderen Partien zu, als ein hörbares "Oh Nein" ertönte. Lukas war in ein Grundreihenmatt geraten.
Statt Goldmedaille (im Gesamtturnier) und Pokal (für den Klassensieg) bleiben Bronze und ein zweiter Platz. Dass bei Lukas darüber nicht die ganz große Freude aufkam, ist nur zu verständlich.
Zunächst war jedes Wort des Trostes fehl am Platze und es dauerte bis zur Rückreise, dass er seine gewohnt optimistische Stimmung wieder fand. Die Kampfansage für das nächste Jahr ist bereits ausgesprochen.

Bild Entdeckung Lazar

Bild Unter den Debütanten im Einzelschnellturnier hat Lazar seine Chance am besten genutzt. Nach einer frühen Niederlage arbeitete er sich immer weiter nach vorn, konnte mit den Besten mithalten und erreichte einen sensationellen 5. Platz. In der Klassenwertung der Klasse 7 bleibt "Laser" der Vizetitel. Auch hier konnte bis zuletzt gehofft werden, doch der direkte Konkurrent gewann seine Schlusspartie, auch weil der Gegner ein Matt ausließ.

Höhepunkt in Lazars Siegesserie war die letzte Runde, mit dem nebenstehenden Gewinn. Über den bisherigen Verlauf der Eröffnung will man mal gnädig hinweg schauen, jedenfalls beendete unser Spieler die Partie nun mit 1… Se4-c3+ und unweigerlichem Matt auf e2.

Malte ganz stark

Starker Auftritt auch von Malte, der uns bisher nur selten in externen Einzelturnieren vertreten konnte. Im Feld der bis zu zwei Jahre älteren Spieler mischte er immer in der Spitzengruppe mit, verlor nur zwei Partien und nutzte die sich bietenden Chancen souverän. Nur ganz knapp verpasste er einen Podestplatz in der Wertung der Klasse 7.

Bild Moritz und die Schachuhr

Dass Moritz hier zu den besten Schachspielern gehörte, stand eigentlich außer Zweifel. Sollte es solche noch gegeben haben, räumte er sie in Runde 2 mit dem souveränen Sieg gegen Titelverteidiger Maximilian Müller aus. Aber Moritz und die Schnellschach-Uhr werden nun mal keine Freunde mehr. Der Konflikt zwischen beiden brach schon eine Runde später aus, als es die erste Niederlage nach Zeitüberschreitung gab. Noch kurz zuvor hätte Moritz ein – allerdings gut verstecktes – einzügiges Matt geben können.
Nach dem gleichen Muster verlief für ihn das ganze Turnier: Beim ersten Blick des Trainers auf sein Brett hatte Moritz schon gefühlte 10 Minuten Zeitrückstand. Wenn die schachliche Überlegenheit groß genug war, genügte es zum Mattsetzen. War sie zwar vorhanden, aber nicht ganz so deutlich, rettete sich der Gegner durch Zeitüberschreitung. Immerhin hatte Moritz viermal das bessere Ende für sich, sein schachliches Können hätte indes wohl zu einem Top-Ten-Platz gereicht.

Chance genutzt – Julius

Julius gehört für mich zu den wichtigsten Spielern der Schach-AG. Man braucht solche Spieler, die seit Jahr und Tag mit Einsatz und Spielfreude dabei sind, auch wenn sie mit Blick auf unser riesiges Potential starker Spieler nur selten die Chance erhalten, sich für eine Mannschaft zu qualifizieren. Schon mehr als einmal konnte er auch im Team-Schach einspringen und bewährte sich dort vorbildlich – nur um beim nächsten Mal klaglos die Reservistenrolle zu akzeptieren.
Das Einzelschnellturnier ist genau die richtige Gelegenheit sein Können zu präsentieren. Das ist Julius auch heute gelungen. Mit vier Siegen rangiert er klar in der oberen Tabellenhälfte. Den Partien merkte man hin und wieder die fehlende Routine an, aber letztlich wurden die Fehler der Gegner konsequent ausgenutzt.

Freud' und Leid für Arman

Bild Blickt man auf die Tabelle, wird Arman mit seinem 50%-Ergebnis nicht ganz zufrieden sein. Nach sehr starkem Start gelang ihm in der zweiten Hälfte nicht mehr viel. Da merkte man auch, dass er sich an die enorme Anstrengung von sieben Schnellschach-Partien erst gewöhnen muss. Armans Leistungs- und Lernwille geben dabei freilich zu guter Hoffnung Anlass.

Was er "drauf" hat, zeigt das nebenstehende Bauernendspiel aus der ersten Runde. Arman hat mit einem Minusbauern die Chance erkannt, den Gegner in der Ecke einzusperren. Nun folgte das sehenswerte Zugzwangspiel 1… Kb6-c7 – 2.c3-c4 b5xc4 – 3.g2-g4 f4-f3 – 4.g4-g5 f3-f2 – 5.g5-g6 f2-f1D – 6.g6-g7. Jetzt wäre es zwar mit Damenzügen nach f3, g2 oder h1 sofort matt gewesen, doch Arman ließ sich die sehr hübsche Zugzwang-Krönung 6… Df1-f7!?!? nicht nehmen…. Nach dem erzwungenen Umwandlungszug wird die neue Figur mit Matt geschlagen.

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Malte Radde Julius Rußmann

Bericht und Fotos: Thomas Binder