Abrafaxe-Turnier 2012

Erneut garantierte das eingespielte Team des SC Borussia Friedrichsfelde ein großartiges Schach-Erlebnis bei Berlins renommiertestem Kinderschach-Turnier. Die Starterfelder waren den letzten Jahren vergleichbar, wenn auch einige Vereine offenbar die Prioritäten ein wenig verschoben haben. Damit kehrt das Abrafaxe-Turnier zu seinen Wurzeln zurück, bietet einer breit aufgestellten Gruppe schachbegeisterter Kinder unterschiedlichen Leistungs- und Erfahrungsstandes eine anspruchsvolle Turniermöglichkeit.

Das Haus "Herderschach" war nun schon zum achten Mal am Start. Es sind immer sehr intensive Erlebnisse für Spieler und Betreuer. Der heutige Tag aber gehört zu den Highlights der AG-Geschichte. In selten erlebter Geschlossenheit wuchsen unsere Spieler (und erst recht unsere Spielerin) über sich hinaus und fuhren die besten Ergebnisse seit vielen Jahren ein.
Die 3. Runde mit sieben Siegen wird in die Reihe der legendären Herderschach-Sternstunden eingehen.

Allen voran feiern wir natürlich den Sieg von Rachela in der C-Gruppe. Dem steht Florian kaum nach. Platz 4 in der Top-Division – zudem erst nach zweiter Feinwertung aus den Pokalrängen gedrängt – ist das beste Ergebnis, dass wir hier je erreicht haben. Khai Liem und Daniel kamen in die absolute Spitzengruppe. Marian rangiert ganz dicht dahinter.
Jonathan mischte bei seinem ersten externen Einzelturnier großartig mit und Pablo war über sein – na sagen wir mal "normales" – Ergebnis sogar etwas enttäuscht.

Bild Rachela gewinnt in ihrer Altersklasse

Als Favoritin ging unsere Jüngste in das Turnier der C-Klasse. Platz 1 in der Setzliste ist das eine – zu Platz 1 in der Abschlusstabelle ist es meist ein ganz weiter Weg. Doch mit der ihr eigenen Souveränität reihte Rachela Sieg an Sieg. Kritisch wurde es in Runde 6 gegen den letzten verbliebenen Konkurrenten. Mit zwei gegen vier Bauern kam unsere Spielerin ins Bauernendspiel. Mit genauer Ausnutzung der typischen Geometrie eines solchen Endspiels rettete sie das Remis.
So schien also alles auf eine Buchholz-Lotterie in der letzten Runde hinaus zu laufen – und da hätte Rachela das schlechtere Los gezogen. Sie erledigte ihre Aufgabe mit dem 6. Sieg recht schnell und konnte nun nur noch hoffen und bangen. Diese emotionale Zuspitzung musste ich sozusagen stellvertretend für sie beobachten, denn die Spieler wurden nach Beendigung ihrer Partie aus dem Spielraum verwiesen… Letztlich war es Rachelas Klubkamerad Nicholas Chung, der sich mit einer tollen Partie Platz 2 sicherte und Rachela den Weg zu Platz 1 frei räumte.

Florian auf Platz 4 der "Königsklasse"

Bild Ein vierter Platz in der höchsten Altersklasse ist das beste Ergebnis der Herderschach-Geschichte. Die jetzt drei Turniersiege (zuvor durch Robin Toebs und Yiyang Huang) gab es in jüngeren Gruppen.
Florian spielte mit der ihm inzwischen eigenen Ruhe und Gelassenheit ein fast schon "erwachsenes" Schach und verlor nur eine Partie. Zum Schluss saß er am Spitzenbrett und kämpfte sogar um einen der drei begehrten Pokale. Nach dem Remis gegen den Zweitplatzierten blieb am Ende ein toller vierter Platz, der sehr, sehr bronzen schimmert. Bei Punkt- und Buchholz-Gleichheit entschied erst die zweite Feinwertung gegen Florian.

Zwei weitere Spieler ganz vorn dabei

Bild Khai Liem und Daniel hielten sich das gesamte Turnier über in der Spitzengruppe auf. Daniel verlor nur zwei Partien, darunter gegen den hoch verdienten Turniersieger Anh Van Nguyen aus Potsdam. Khai Liem unterlag nur dem schon bei der BJEM-Vorrunde stark auftrumpfenden Franzosen Alois Quetin. Beide zeigten sich heute ohne Schwächen und dokumentierten ihren Leistungsstand eindrucksvoll.

Für die kuriose Einlage des Tages sorgte allerdings Khai Liems Gegner in der dritten Runde. Er erschien 14 Minuten verspätet am Brett. Bei nur 15 Minuten für die ganze Partie wäre das doch ein gewisses Handicap gewesen. So gab ihm der Schiedsrichter mit "KLT"s und meinem Einverständnis gnädigerweise noch 5 Minuten Bedenkzeit. Davon verbrauchte er allerdings nur 4 – bis sein Handy klingelte…

Riesenturnier auch für Marian, Jonathan und Pablo

Auch Marian kam mit zwei Niederlagen aus, von denen eine auch noch einem vereinsinternen Duell entsprang. Nur gegen Floyd Schmidt von Empor Berlin hatte er keine Chance. Das ging aber auch anderen so, denn Floyd hatte seinen ganz persönlichen Herder-Tag mit Siegen gegen Florian, Marian und Pablo sowie einem Remis gegen Khai Liem. Ebenso wie sein Klassenkamerad Daniel gehörte Marian hier zu den Jüngsten in der A-Gruppe und hat noch zwei Gelegenheiten, dieses Ergebnis zu bestätigen.

Jonathan hat uns in letzter Zeit mit vielen guten Partien überzeugt. So war es nur folgerichtig, dass er die Chance zu seinem ersten großen Einzelturnier bekam. Wie er auch heute im Konzert der vereinserfahrenen Spieler mithielt, war sensationell. Nach einer Auftaktniederlage und der in Zeitnot zum Remis abgewickelten Gewinnstellung gegen Marian folgten drei Siege und plötzlich saß Jonathan in der Spitzengruppe des Berliner Jugendschachs. Selbst zwei Niederlagen zum Schluss konnten sein tolles Turnierdebüt nicht schmälern.

Pablo war über seine Bilanz ein wenig enttäuscht. OK – es ging wohl um eine Partie, wo er aus klarem Vorteil ein Grundreihenmatt zuließ. Wem ist das noch nicht passiert? Jedenfalls sind 3 Punkte in der höchsten Altersklasse ein Ergebnis, an dem sich viele Herderschach-Spieler in den letzten Jahren die Zähne ausgebissen haben.

Bild Bild Bild
Marian Hauser Pablo Schlesselmann Jonathan Kaatz

Bericht und Fotos: Thomas Binder