Jugend-Sommer-Open 2012

Mit einem Riesenaufgebot von 15 Herder-Schülern waren wir beim Jugend-Sommer-Open dabei. In einem nach Alter, Turniererfahrung und Leistungsniveau sehr heterogenen Feld konnten sie sich beweisen und für "höhere" Aufgaben empfehlen. Am Ende von zwei aufregenden Tagen steht ein phantastisches Gesamtergebnis, gekrönt von Arman und Severin auf den Plätzen 1 und 2. Weitere drei Herder-Schüler auf Platz 4, 5 und 7 – 10 Spieler bis Platz 17. Gerade auch unsere Turnierdebütanten haben sich hervorragend geschlagen.
Die vielleicht eindrucksvollste Zahl: Rechnet man die internen Duelle heraus, holten unsere Spieler gegen "fremde" Konkurrenz über 73% der möglichen Punkte.

1. Tag

Drei mit makelloser Bilanz

Bild Drei Runden sind gespielt und ein Herder-Trio liegt ohne Verlustpunkt in der Spitzengruppe. Das ist aber erst die halbe Miete, denn bei 60 Teilnehmern und nur sechs Runden wird man sich keinen Ausrutscher erlauben dürfen, um am Ende auf dem Treppchen zu stehen.
Den überzeugendsten Eindruck dieses Trios hinterließ Herderschach-Neuling Julius Wolff (Foto rechts). Man merkt, dass er schon Erfahrung aus dem Vereinstraining mitbringt. Sehr abgeklärt und souverän wirken die Partien unseres Jüngsten. Der Weg zum Turniersieg führt nur über Julius.

Drei Siege auch für Arman. Er gehört hier zu den älteren Spielern und bringt ganz andere Qualitäten mit: Kondition und Belastbarkeit sind in einem solch harten Turnier – drei Runden täglich ohne wesentliche Pausen – unerlässlich. Arman spielte in allen drei Runden eine der längsten Partien und beendete sie nach konzentriertem Auftritt ohne große Wackler jeweils siegreich. Vor allem in der Zeiteinteilung hat er seinen Gegnern viel voraus: Zum Ende der Partie standen meist nur noch 10 Minuten auf der Uhr – genau das richtige Maß für überlegtes Spiel ohne Zeitnotgefahr.

Severin komplettiert unser 100%-Team. Dass er den ersten Tag erfolgreich abschloss, war allerdings keine Selbstverständlichkeit. Ausgerechnet Herder-Teamgefährte Avetis setzte einen unüberhörbaren Warnschuss und hatte den Favoriten am Rande der Niederlage. Doch aus solchen Partien, zumal mit Happy-End, geht Severin sicher gestärkt hervor.

Bild In breiter Front vorn dabei

Ganz groß ist die Zahl unserer Spieler, die mit 2 oder 1½ Punkten dicht hinter der Spitzengruppe liegen. Besonders bemerkenswert ist aber, dass Malte, Simon, Lazar, Avetis und Johanna ihre bislang einzigen Niederlagen gegen Spieler aus dem eigenen Team einsteckten – die Punkte also im Hause Herder blieben. Am dichtesten war dabei "Avo" (Foto links) dem Überraschungserfolg. Bei seiner tollen Partie gegen Severin fehlte am Ende noch etwas die Routine. Die spannendste und vielleicht auch qualitativ beste Auseinandersetzung lieferten sich Arman und Malte. Letzterer ließ erst im Bauernendspiel die Übersicht vermissen, sich mit einem Remis zu begnügen.
Auch von Kristoffer und Firat wird es morgen sicher noch einen Angriff auf die vorderen Ränge geben.
Besonders hat sich der Trainer mit Julian und Marvin gefreut, die bei ihrem allerersten auswärtigen Schachturnier mitspielen, als wären sie schon "alte Hasen".

2. Tag

4. Runde – aus Sechs mach' Drei

Sechs Spieler gingen mit makelloser Bilanz in den zweiten Tag, drei davon aus unserem Lager. Das Los meinte es gut mit uns, paarte jeweils einen Herderschach-Spieler gegen einen der drei anderen Top-Leute. Arman und Severin gewannen ihre Partien, wobei natürlich Arman wieder zu den Marathon-Spielern der Runde gehörte. Julius konnte an diesem zweiten Tag die perfekte Ausgangsposition noch nicht verwerten. Er unterlag gegen Adrien Moulard, den wir als stärksten Rivalen um Platz 1 einschätzten. Im Schatten der Spitzengruppe holten vor allem jene Spieler auf, die am ersten Tag nur gegen eigene Teamgefährten verloren hatten.

Bild 5. Runde – Arman und Severin am Spitzenbrett und ein neuer Sieganwärter

In der Spitzenpartie zwischen unseren stabilsten Spielern hätte eine Vorentscheidung über den Turniersieg fallen können. Lange sah es so aus, als werde Arman dies auch erzwingen. Doch Severin bewies einmal mehr, wie er sich in eine Aufgabe hinein knien kann. Er kämpfte sich in die Partie zurück, hatte zeitweise sogar Gewinnchancen. Arman blieb cool genug, sich auch bei großer Zeitnot in das Endspiel K+T gegen K+T+L zu retten. Mit dem letzten Zug vor Blättchenfall erzwang er Turmtausch und Remis.
Das hat Kraft gekostet und Nerven (der Zuschauer) und man musste skeptisch sein, was die Schlussrunde betraf. Für diese hatte sich nämlich ein weiterer Bewerber um Platz 1 angemeldet: Der – unglaublich – erst 6jährige Bao Anh Le Bui vom Treptower SV spielte eine großartige Partie und bezwang Adrien. Vor der Schlussrunde waren Arman, Severin und Bao punktgleich.

Firat, Lazar und Kristoffer arbeiteten sich mit weiteren Siegen an die Spitze heran. Es war schon klar, dass wir hier in breiter Front vorn dabei sind. Aber – schon oft sind wir kurz vor dem Ziel gestrauchelt, mussten mit vielen guten Plätzen unmittelbar hinter den Preisträgern vorlieb nehmen. Passiert das heute wieder?

6. Runde – Endlos langes Bangen lohnt sich, Schlussrunde nach Maß

Bild Die größte Herausforderung für Arman und Severin war es wohl, sich nach ihrer langen und wechselhaft verlaufenen Partie noch einmal voll zu konzentrieren. Dass ihnen das gelungen ist, verdient großen Respekt.
Arman eroberte gegen Bao bald eine Figur und stellte sich dann sicher auf, ließ dem Gegner keine echte Chance. Überraschend früh gab der junge Vietnamese auf, zeigte auch darin sein Schachverständnis. Am Nebenbrett lieferten sich Severin und Firat einen spannenden Kampf. Diesmal waren sie es, die für die längste Partie der Runde sorgten. Schließlich setzte sich Severin mit einem schön auf Zugzwang ausgelegten Endspiel durch.
Das Bangen ging allerdings noch bis zur Siegerehrung weiter. Dort erst lüftete sich das Geheimnis: Arman lag einen Buchholz-Punkt vor Severin.

Mit einem großartigen zweiten Tag (je drei Siege) schoben sich Lazar und Kristoffer noch auf die Plätze 4 und 5 der Gesamtwertung, Malte auf Rang 7.
Auch unsere übrigen Spieler zeigten in der Schlussrunde tolle Partien – allen voran die Matt-Kombination von Avetis.

Fazit

Wir haben eindrucksvoll gezeigt, dass unser Konzept, möglichst viele Spieler zur Turnierreife zu bringen, Früchte trägt. Die rein rechnerische Bilanz ist schon weiter oben ausgeführt. Unsere fünf Spieler in der absoluten Spitzengruppe waren eine Klasse für sich. Im vorderen Mittelfeld platzierten sich mit Julian, Simon und Marvin u.a. drei Schüler, die das Herder-Gymnasium erstmals außerhalb der eigenen Mauern vertraten.
Arman und Severin blieben ungeschlagen. Lazar, Malte, Simon, Avetis und Johanna verloren nur gegen Spieler aus dem eigenen Team.

In der separaten U14-Wertung belegen wir die ersten 5 Plätze. Johanna wird zweitbestes der sieben Mädchen und gewinnt hier ebenfalls die U14-Konkurrenz.

Die spielerische Leistung streute natürlich noch erheblich. An den vorderen Brettern wurde jedoch schon beachtliches Schach gezeigt und auch die Bedenkzeit sehr überlegt eingesetzt. Im Mittelfeld gelang es unseren Spielern immerhin die gegnerischen Fehler gut auszunutzen und ihre eigene Patzerquote in erträglichen Grenzen zu halten.

Diese zwei Tage waren für uns alle ein herrliches Erlebnis. Die Trainer bedanken sich bei einem tollen Team für Einsatz und Spielfreude. Viele interessierte Eltern begleiteten uns und schnupperten Turnierluft. Danke, dass Sie uns so tatkräftig unterstützt haben.


Bericht und Fotos: Thomas Binder