Jugend-Winter-Open 2013

Nach dem 1. Tag: Drei Herderschach-Spieler ganz vorn dabei

Bild Drei unserer Spieler sind mit der maximalen Ausbeute ins Winter-Open gestartet.

Bild Den besten Eindruck hinterließ dabei Pablo (Foto rechts). Er besiegte in langen und anstrengenden Partien zwei DWZ-1100er, also jeweils deutlich vor ihm gesetzte Spieler. Dabei ist vor allem das – für Gegner und Beobachter – überraschende Mattbild der zweiten Partie sehenswert (siehe Foto), sozusagen ein Rasenmäher-Matt mitten auf dem Brett. Bis dahin musste man auch mit Mehrqualität angesichts der schwarzen Bauernmasse noch um den Punkt bangen.

Zwei schnelle und sichere Siege gelangen Daniel. Beide Gegner konnten ihn nicht voll fordern, auch wenn immerhin ein vorjähriger U10-Finalist darunter war. Gegen stärkere Konkurrenz muss Daniel nun unbedingt in einen konzentrierteren Modus umschalten.

Doppelsieg am ersten Tag auch für Arman. Einer recht guten Leistung am Morgen folgte eine schwache Eröffnung gegen den ältesten Turnierteilnehmer – das Open ist als "U25" ausgeschrieben. Doch im Laufe der Partie erwies sich Arman dann bald als der bessere Spieler.

Severin und Julian mussten in der Auftaktrunde ausgerechnet gegeneinander antreten. Nachdem Severin schon klar auf der Siegerstraße war, kostete eine Unachtsamkeit den ganzen Punkt – Freude bei Julian, der auf gutem Weg zur angestrebten Erst-DWZ ist.

Am Nachmittag musste Julian dann gegen eine der stärkeren Gegnerinnen kapitulieren. Severin hingegen packte die richtige Trotzreaktion aus. Er erkannte die Chance, das im Training besprochene "passive Läuferopfer" zu spielen: Man lässt den angegriffenen Läufer auf g4 stehen und "deckt" ihn mit dem h-Bauern. Nachdem die Gegnerin das Geschenk angenommen hatte, konnten Severins Dame und Turm über die h-Linie eindringen und die Partie schnell entscheiden. Selbst wenn das in diesem Falle vielleicht nicht ganz korrekt war, ist der Trainer von der Idee zu dieser Kombination begeistert und freut sich, dass Severins Mut belohnt wurde.

Einzig Jonathan konnte am ersten Tag noch keine Punkte verbuchen. Er greift ab morgen wieder an.

3 x 3 in der Spitzengruppe

Unsere drei Doppelsieger vom ersten Tag kamen heute jeweils zu Sieg und Niederlage. Mit 3 Punkten mischen sie in der sich nun formierenden Spitzengruppe kräftig mit. Vor allem bei Pablo und Arman gehen die Ergebnisse in Ordnung.
Pablo unterlag in der Partie am Vormittag, gewann dann eine weitere Skandinavisch-Partie. Beide Gegner hatten schon Erfahrung aus Erwachsenen-Turnieren aufzuweisen. Vor allem bei dem Schach-Unioner Frederick Dathe darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein.
Arman setzte seine Siegesserie zunächst fort und unterlag erst in Runde 4 gegen den an Nr. 2 gesetzten Ulrich Pixa.

Daniel verdarb durch zu schnelles Spiel am Vormittag seine Gewinnstellung gegen einen klar unterlegenen Gegner noch. Am Nachmittag ließ er dann einen schönen Gambitangriff folgen und brachte sich so wieder in Stellung für die verbleibenden drei Runden.

Freud und Leid für Severin. Er kopierte die Ergebnisfolge des ersten Tages und steht weiter auf 50%. In welche Richtung geht es morgen?
Julian unterlag heute zwei erfahreneren Spielern. Die angestrebten fünf DWZ-Gegner sollten kein Problem sein – jetzt darf wieder gewonnen werden.

Jonathan verschlief den Beginn der 3. Runde. Das darf natürlich nicht passieren und wurde prompt mit einem Freilos am Nachmittag bestraft. Da könnte am Ende ein DWZ-Gegner schmerzlich vermisst werden.

Ärgerliche Niederlagen am dritten Tag

Bild Beginnen wir auch diesen Tag mit einer Erfolgsmeldung: Nach dem so unglücklichen Verlauf gestern, hat sich Jonathan (Foto links) als Kämpfer bewiesen und heute zweimal das Brett als Sieger verlassen.

Bei seinen Teamkameraden überwog aber heute die Ernüchterung über verpasste Chancen. Ganz besonders hart traf es Pablo. Nach zwei sehr langen Partien steht er mit leeren Händen da. Am Vormittag verrechnete er sich bei einer mehrzügigen Kombination, kämpfte noch lange mit einer Minusfigur – jedoch letztlich erfolglos. Ähnlicher Verlauf in Runde 6: In einer komplizierten Stellung übersah Pablo eine Springergabel und brachte sich so um die Früchte der Arbeit. Dennoch dürfte er noch klar im DWZ-Plus stehen und kann morgen auf einen weiteren Sieg hoffen.

Bild Arman (Foto rechts) zeigte am Vormittag gegen den sehr überzeugend spielenden Frederick Dathe eine starke Partie. Mit Albins Gegengambit führte er Freddi in ungewohnte Stellungsgefilde und erarbeitete sich mit Geduld ein wohl sogar gewinnbares Endspiel. Doch eine krasse Fehlbewertung beim letzten Abtausch verdarb den Ausgang der Partie völlig. Ein leichter Sieg am Nachmittag sorgte für Schadensbegrenzung und hält die Top-10 im Blick.

Ein Platz in der Spitzengruppe bleibt auch das Ziel für Daniel. Heute gewann er am Vormittag mit konzentriertem Auftritt – es geht also – eine anstrengende Partie. Nachmittags fiel die Niederlage gegen Mitfavorit Ulrich Pixa etwas zu schnell und deutlich aus.

Severin holte zunächst ein achtbares Remis gegen Johanna Alcer. Mit zeitweise zwei Mehrbauern war aber sogar mehr möglich. In der 6. Runde war dann gegen einen U10-Finalisten des Vorjahres nichts zu holen.
Hier unterlag auch Julian. Er hatte früh eine Qualität gewonnen, als seine Dame auf a8 schlagen konnte. Leider vergaß er dann, die Dame wieder ins Spiel zurück zu holen… Am Morgen hatte er recht flott gewonnen. Der anschließende telefonische Spielbericht nach Hause dauerte länger als die ganze Partie.

Licht und Schatten in der letzten Runde

Bild Bild Nach dem Blick auf die Ansetzungen des Tages hatte der Trainer sechs Siege aus sechs Partien als Ziel für die Schlussrunde ausgegeben. Diese Vorgabe war keinesfalls vermessen – jeder einzelne unserer Spieler hätte seinem Gegner deutlich überlegen sein sollen. Leider reiften aber heute nicht alle Träume.

Vor allem Arman, Pablo und Daniel versäumten es ihren guten Start auch in akzeptable Endplatzierungen umzusetzen. Armans König geriet schnell unter Beschuss und die Partie war bald nicht mehr zu retten. Daniel spielte eine ruhige Partie, kam aber gegen den besten DWZ-losen Spieler des Feldes nicht zu echten Gewinnchancen. So war das Remis ein logisches, aber unbefriedigendes Ergebnis.
Leider ist auch Pablo in der zweiten Turnierhälfte die Puste ausgegangen und auch Jonathan konnte den guten Eindruck von gestern nicht abrunden.

Deutlich besser lief es heute bei unseren Spielern in der unteren Tabellenhälfte. Julian (Foto rechts innen) gewann gegen einen fünf Jahre älteren Spieler sicher und kommt so auf 3 Siege. Sein Fazit, es habe Spaß gemacht und er habe viel gelernt, freut uns besonders. Auch Severin (Foto rechts außen) gewann in der Schlussrunde und schraubte sich noch auf 50%. Sein Turnierstart hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Dass er heute das Blackmar-Diemer-Gambit auspackte, kam auch für den Trainer überraschend. Entscheidend war dann wohl doch mehr der gegnerische Dameneinsteller.

Fazit

Bild Es war für unsere sechs Spieler ein interessantes und lehrreiches Turnier. Das beste Ergebnis hat schließlich Daniel (Foto links) vorzuweisen. Doch gerade bei ihm überwiegt die Enttäuschung, nicht alle Chancen genutzt und eine bessere Platzierung durch zu oberflächliches Spiel verschenkt zu haben. Sein schachliches Können hätte sicher für eine Top-5-Platzierung gereicht.

Auch Arman hatte sich mehr ausgerechnet. Ihm gelang eine Reihe guter Partien. Schließlich war es wohl der Endspielfehler in Runde 5, der ihm das Genick brach. Das Tabellenbild täuscht etwas darüber hinweg, dass Pablo in den ersten Tagen ein sehr starkes Turnier spielte. Ein deutlicher DWZ-Gewinn ist der verdiente Lohn. Bei den beiden Niederlagen nach sehr langem Kampf am dritten Tag hätte man ihm das "Glück des Tüchtigen" gegönnt.

Severin und Julian haben die Vorgabe des Trainers erfüllt und können mit ihrem Ergebnis zufrieden sein. Für Julian waren Partien auf diesem Niveau und mit Turnierbedenkzeit Neuland. Er wird dort sicher in nächster Zeit anknüpfen. Severin zeigte gute schachliche Ansätze, schöne Ideen. Wenn sein Spiel "erwachsener" wird und er die Fehlerquote minimieren kann, ist noch wesentlich mehr drin.
Jonathan brauchte bei seinem ersten Start auf diesem Spielniveau eine längere Anlaufphase, kam dann aber immer besser in Fahrt und steht nun ebenfalls auf dem Sprung nach vorn.


Text und Fotos: Thomas Binder