Unser WK-IV-Team bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft 2013

Mit 8:6 Punkten haben wir in Bad Homburg das langjährige Standardergebnis der Herderschach-Teams erreicht.
Es ist kein Geheimnis, dass wir uns etwas mehr vorgenommen hatten. Doch dieser Traum war schon ausgeträumt, als unsere Mannschaft am ersten Turniertag irgendwie komplett neben sich stand.

Das Nicht-4:0 in der Auftaktrunde hätte schon Warnung genug sein müssen. Es folgten zwei unerwartete Niederlagen, und diese Hypothek war dann nicht mehr zu tilgen.
In der Folge steigerte sich das Team deutlich und konnte einige schöne Siege einfahren – eine Serie, die nur vom überlegenen Meister unterbrochen wurde.

Wenn Platz 7 nicht ganz unseren Erwartungen entspricht, dann kann man sicher mit den Widrigkeiten des Schweizer Systems hadern.
Man muss aber auch anmerken, dass unsere Spieler einige Feinheiten des Schachs als Mannschaftssport noch nicht so ganz verinnerlicht haben.

Die Spieler im Kurz-Überblick

Bild Bild Unsere vier Stammspieler haben im Großen und Ganzen die Erwartungen erfüllt.
Raphaels Niederlagen kamen durch einzügige Patzer – im zweiten Fall in Zeitnot – zustande.
Rachela (Foto links) bekam es an Brett 2 mit besonders starken Gegnern zu tun und blieb sogar deutlich über der zahlenmäßigen Erwartung. So gesehen spielten Daniel und Konstantin etwa standesgemäß und punkteten in der zweiten Turnierhälfte ansehnlich.

Severin hatte einen fulminanten Start ins Einzelturnier, konnte dann aber im Meisterschaftsteam leider nicht überzeugen. Ihm blieb mit drei Siegen der Löwenanteil an dem 50%-Ergebnis unserer Vetreter im Ersatzspielerturnier.
Marian punktete immerhin bei seinem einzigen Team-Einsatz, scheiterte in den Einzelpartien aber an ärgerlichen taktischen Aussetzern.

Bild Schweizer System = Glück + Pech … + Fair Play ?

Das Turnier war durch die große Überlegenheit des Dresdner Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums geprägt. Dass damit ein Kampf um Platz 1 praktisch nicht stattfand, musste und konnte man hinnehmen.

Aber leider hatte diese Konstellation einige Nachteile für das weitere Ergebnisbild.
So waren jene Teams im Vorteil, die nicht gegen den Meister antreten mussten. Zwei Mannschaften aus diesem Kreis haben sich schließlich um wenige Brettpunkte vor uns platziert.
OK – das sind die Tücken des Schweizer Systems und so gelang es selbst der Nr. 2 der Setzliste, dem Favoriten aus dem Wege zu gehen.

Mit sportlicher Überlegenheit muss man freilich auch verantwortungsvoll umgehen.
Wir haben das auf Landesebene oft genug selbst bewiesen. Den Dresdnern war dieser Gedanke offenbar nicht vertraut.

Sie traten nur einmal – und zwar ausgerechnet gegen uns – in nomineller Bestbesetzung an. Solange damit noch klare Siege (23½ Punkte aus 24 Partien) zustande kommen, mag man das gerne akzeptieren.
Doch ausgerechnet in der Schlussrunde lief der Meister ohne seine beiden besten Spieler auf, die dafür das Ersatz(!)spielerturnier aufmischten. Auch dort dominierte Dresden deutlich.
So hatten wir gegen eine Dresdner Mannschaft mit DWZ-Schnitt 1820 gespielt, während unser direkter Platzierungsrivale gegen einen Durchschnitt von 1517 antreten durfte und sich dabei den entscheidenden Brettpunkt holte.
Schade – hier hätten wir uns etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.


Text: Thomas Binder, Fotos: u.a. von der Homepage des Ausrichters