Abrafaxe-Turnier 2013

Wieder waren wir sehr gern bei diesem tollen Turnier dabei, das von Borussia Friedrichsfelde mit Unterstützung benachbarter Vereine und der Berliner Schachjugend professionell organisiert wurde. Dank des bewährten Teams klappte alles wie am Schnürchen und so gab es für die Schachkids aus Nah und Fern ein tolles Erlebnis.
Dass es auch für das Haus Herderschach ein denkwürdiger Tag wurde, ist vor allem einem Spieler zu danken.

Duc Anh gewinnt in seiner Altersklasse

Bild Jaaa – wir haben wieder einen Abrafaxe-Pokal: Nach Robin Toebs (2006) und Yiyang Huang (2007, jeweils B-Gruppe) sowie Rachela Rosenhain (2012, C-Gruppe) gibt es mit Duc Anh Tran erneut einen Turniersieger aus unserem Hause. Mit 7 Siegen in 7 Runden gewann er das B-Turnier.
Vorab sei gesagt, dass wir Ducs Triumph nicht allein für uns reklamieren. Er ist Ergebnis seiner soliden Schachausbildung in der Grundschule. Dank und Anerkennung auch an seine dortigen Trainer.

Gewonnen hat Duc Anh das Turnier wohl vor allem dank seiner enormen Abgeklärtheit und Sicherheit. Selbst nach dem Turniersieg war dem ruhigen Jungen kaum ein Freudenausbruch zu entlocken. Am Brett wirkt er jederzeit als Herr der Lage und bemerkenswert "erwachsen".
Nach drei sicheren Siegen kam die erste Bewährungsprobe in Runde 4 gegen Toni Reitmaier (DWZ knapp 1100). Duc kam mit einer Mehrfigur ins Endspiel und hätte den Turmtausch erzwingen und damit die Lage klären können. Doch leider wurde der Vorteil noch "verdaddelt". Duc ließ sich aber nichts anmerken und provozierte wohl auch damit den entscheidenden Fehler.
Es folgte ein weiterer Sieg und dann die Vorentscheidung in Runde 6 gegen Niclas Hommel (DWZ 1327). Niclas hatte zuletzt bei der Deutschen Meisterschaft einen Freiplatz bekommen – und dafür muss man richtig gut sein – den er auch mit einem starken Ergebnis bestätigte. Die Partie verlief ausgeglichen – bis Duc die Chance bekam, dank einer Fesselung einen Turm zu gewinnen.
Nach diesem Sieg stand Duc praktisch als Turniersieger fest. Er hatte einen ganzen Punkt und reichlich Buchholz-Wertung Vorsprung.
Die letzte Runde gegen Tom Engelmann (DWZ 1053) brachte dann noch einmal richtig großes Schach. Ducs Eröffnungsbehandlung war suboptimal und Tom spielte einen starken Angriff mit Läuferopfer. Bei richtigem Spiel hätte er wohl auch verdient gewonnen. Doch in solchen Situationen ist dann Ducs ausstrahlende Ruhe und Souveränität einfach ein zusätzlicher Gewinnfaktor. Nach und nach kippte die Partie zu Gunsten unseres Spielers und so steht am Ende sogar eine 100%-Bilanz.
Noch einige kleine Details aus der Abschlusstabelle: Duc besiegte den Zweiten, Dritten, Vierten, Fünften und Siebenten. 34 Buchholz-Punkte holt man auch nicht alle Tage – zumal wenn man selbst die höchste Einzelpunktzahl mitbringt.

In Runde 1 zweimal an Brett 1

Bild Normalerweise zieht das Spitzenbrett in der 1. Runde wenig Aufmerksamkeit auf sich. Hier spielt der Turnierfavorit gegen die Nummer 1 der "unteren Hälfte". Das ist üblicherweise ein Leistungsunterschied, bei dem wenig Spannung aufkommt. Heute war es anders – mit einer bemerkenswerten Duplizität der Ereignisse.
An Brett 1 der A-Gruppe traf Severin (Bild rechts) auf Topfavorit Bennett Schnabel (DWZ über 1700). Severin spielte vielleicht seine bisher beste Partie und erarbeitete sich nach langem Kampf ein verdientes Remis – Super.
Am Spitzenbrett der Gruppe B spielte Marvin gegen Bennetts jüngere Schwester Luise (DWZ 1156). Auch Marvin zeigte sein bestes Schach. Er beherrschte die Gegnerin sicher. Am Ende hatte er zwei Türme und reichlich Bauern gegen einen einzigen Bauern. Er stand gerade bereit, diesen letzten Bauern vom Brett zu nehmen – als sein Blättchen fiel. Kommentar einer sachkundigen Beobachterin: "Ich weiß nicht, wann zuletzt jemand so gut gegen Luise gespielt hat." Die Enttäuschung bei Marvin währte nicht lange, viel mehr war diese Partie der Auftakt zu einem ganz starken Turnier.

Severin und Marvin auch in den Folgerunden gut dabei

Bild Hinter dem Turniersieg von Duc Anh dürfen unsere weiteren Ergebnisse nicht verblassen. Da ist zuerst Marvin zu nennen. Nach der unglücklichen Auftaktniederlage folgten fünf Siege. Nur einmal noch wurde diese Serie unterbrochen. Dabei wurde auch der Umgang mit der (fast schon obligatorischen) Zeitnot immer besser. Am Ende steht ein phantastischer Top-Ten-Platz.
Marvin (Foto links) hat sich beständig verbessert und bekommt auch in genau richtiger Dosierung die passenden Turnierangebote. Man darf gespannt sein, wohin die Reise im nächsten Schuljahr geht. Eigentlich kann es nur auf noch anspruchsvollere Aufgaben – und längere Bedenkzeiten – hinauslaufen.

Unser Bester im A-Turnier war etwas überraschend Severin. Deutete er in Runde 1 an, was er sich heute vorgenommen hat, folgte dann bis zur Mittagspause ein kleiner Durchhänger. Drei Siege zum Schluss brachten ihn aber noch nach vorn und eben an die Spitze der internen Rangliste.

Vier Punkte können höchst unterschiedlich ausfallen

Nicht weniger als 5 weitere Spieler rangieren mit je 4 Zählern über der wichtigen 50%-Marke. Die Wertung dieser Bilanz fällt allerdings recht unterschiedlich aus. So hatten sich wohl vor allem Arman und Herder-Vizemeister Pablo etwas mehr vorgenommen. Firat kam mit drei Niederlagen zum Auftakt gehörig "ins Schwimmen" – um mal an seine Zweit-Sportart zu erinnern. Danach ließ er vier Siege folgen. Nur der Schlusspfiff stoppte seine Serie.
Julius Wolff dürfte mit den vier Punkten etwa im Bereich der Erwartungen seiner Vereinstrainer geblieben sein.
Besonders gefreut hat sich Moritz. Nach einer längeren Durststrecke spielte er sein bestes Turnier. Der eigenen Einschätzung "… das Turnier, das mir bisher am meisten Spaß gemacht hat." kann man nicht viel hinzufügen. Moritz hat den Spaß am Schachspielen wiedergefunden und das ist das Wichtigste.

Licht und Schatten – und Zeitnot

Nicht alle unsere Spieler konnten in den Kampf um die vorderen Plätze eingreifen. Bei den Spielern, die heute die 50%-Marke nicht übertrafen, fällt vor allem auf, dass sie mit der kurzen Bedenkzeit nicht klar kamen. Ganz besonders ärgerlich erwischte es Kristoffer und Julius. Beide verloren gleich mehrfach aus klar überlegener Stellung durch Zeitablauf. Da fehlte dann oft noch die Cleverness, rechtzeitig in einen schnelleren Modus umzuschalten, oder das Selbstvertrauen, mit einfachen Mitteln den Gewinn zu realisieren. Das kann man freilich nur durch noch mehr Wettkampfpraxis mit unterschiedlichsten Zeitvorgaben verbessern.

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Firat Soman Moritz Nadolny Kristoffer Sturm

Bericht und Fotos: Thomas Binder