Einzel-Schnellturnier 2013

Weit über 200 Schulschach-Kids der jüngeren Altersklassen strömten heute in die Aula des Max-Planck-Gymnasiums. Die Organisatoren hatten alles perfekt vorbereitet. Leider ließen aber Pünktlichkeit und Meldedisziplin einiger Schulen zu wünschen übrig. Die dadurch eingetretene Verzögerung konnte nicht mehr aufgeholt werden. Das führte dann nach drei gespielten Runden zu der Entscheidung, die Turniere entgegen der Ausschreibung auf sechs Runden zu verkürzen.
Abgesehen davon, dass die Verkürzung eines bereits laufenden Turniers sicher einen Regelverstoß darstellt, war diese – gleichwohl alternativlose – Entscheidung für die sehr großen Starterfelder völlig unbefriedigend. Zudem fühlt man sich als externer Betreuer, der für solche Turniertage bei seinem Arbeitgeber Urlaub beantragen muss, schon etwas brüskiert. Auch unsere Spieler äußerten spontan ihre Enttäuschung über die fehlende Partie.

Unsere Mädchen ganz stark

Bild Bild Der heutige Turnierverlauf war gerade aus unserer Sicht geeignet, alle Vorurteile gegen Mädchen- und Frauenschach ad absurdum zu führen. Was Lisa und Johanna geboten haben – und vor allem, was sie den Jungs voraus hatten – war ganz, ganz stark.
Lisa (Foto links) spielte bei ihrem ersten externen Turnier selbstbewusst und schachlich einfach stark auf. Als wäre sie eine routinierte Turnierspielerin mischte sie immer in der Spitzengruppe mit. Sie unterlag nur einer der deutlich erfahreneren Medaillengewinnerinnen. Gegen die Gruppensiegerinnen der Klassenstufen "Klasse 1 bis 3" und "Klasse 4 bis 6" siegte sie sicher. Ihre Partien wirkten souverän, ließen einen gesunden Stellungsaufbau und ideenreiche Pläne erkennen. Dabei strahlte unsere Spielerin bemerkenswerte Ruhe aus und kam auch mit der für sie völlig neuen Bedenkzeit problemlos zurecht. Das war einfach in jeder Hinsicht vorbildlich. Am Ende fehlte Lisa ein halber Buchholzpunkt zum Sieg in der Wertung "Klasse 7 bis 10", so dass sie als Fünfte eines Riesenfeldes von 45 Spielerinnen ärgerlicherweise ohne jede Ehrung blieb. Hier gibt es noch etwas Verbesserungsspielraum im Preismodell. Der nach dem vorjährigen Desaster eingeschlagene Weg ist aber zu begrüßen.

Schachlich stand Johanna (Foto rechts) kaum im Schatten der ein Jahr älteren Lisa. Auch sie spielte sehr gute Partien, vielleicht noch nicht immer mit der gleichen Konsequenz beim Umsetzen der erspielten Vorteile. Ihre stärkste Gegnerin hieß heute allerdings "Silver" und war eine Schachuhr. Mindestens zwei deutlich vorteilhafte Partien gingen durch Zeitnotfehler verloren. Das Umschalten auf den "echten" Schnellschachmodus geschah oft noch zu spät. So hat das zahlenmäßige Ergebnis am Ende nur bedingt mit Johannas gezeigter Spielanlage und ihrem Spielvermögen zu tun. Da sie ja aber eine echte Sportlerin ist, wird sie das richtig einordnen und aus dem heutigen Tag viel lernen.

Die Jungen im Schatten der Mädchen

Bild Bild Was im Mädchen-Turnier so gut lief, klappte heute bei den "Maxis" – das sind die Jungen der Klassen 5 und 6 – nicht nach Wunsch. Nach gutem Start ließ schon die unmittelbar folgende "Nullrunde" Böses ahnen, und da später noch eine weitere Fast-Nullrunde folgte, waren die Spitzenbretter meist nur aus großer Distanz zu bestaunen.

Zu oft wurde durch viel zu schnelles und vor allem unüberlegtes Ziehen eine Partie sehr früh auf die falsche Bahn gebracht. Durchdachtes, planvolles Spiel war nur selten zu sehen. Hier hatten die gleichaltrigen Schüler einiger anderer Schulen deutliche Vorteile.
Für uns gingen durchweg Spieler an den Start, die den Sprung in die Schul-Teams noch nicht geschafft haben oder im ersten Herder-Jahr noch nicht schaffen konnten. Die Chance, sich für künftige Aufgaben zu empfehlen, haben sie heute leider nur in Ansätzen genutzt.

Am besten lief es noch für Avetis (Foto rechts). Er startete zwar mit zwei Niederlagen, ließ dann aber vier Siege folgen. Damit gelang ihm sogar noch der Sprung in die Top-Ten. Bei einigen der Gewinnpartien hatten allerdings die jeweiligen Gegner kräftig mitgeholfen.
Ein achtbares Ergebnis ist auch von Yannik (Foto links) zu vermelden. Wegen der Verkürzung des Turniers sind seine 50% wenig aussagekräftig. Gerade bei ihm hätte man gern gesehen, wohin der Weg in Runde 7 noch geht. Eine seiner Partien zählt für mich immerhin zu den Lichtblicken des Tages. Yannik war – eigentlich unnötig, denn zuvor hatte er größeren Vorteil – in das Endspiel "König + Turm gegen König + Läufer" geraten. Hier fand er dann nach einigem Nachdenken selbständig den Gewinnweg mit Zugzwang am Brettrand. Das hatten wir im Training noch nicht besprochen.

Gerade unseren drei Jüngsten war anzumerken, dass sie in der Anspannung der Turnieratmosphäre noch nicht die notwendige Konzentration aufbringen, ihr Leistungsvermögen in ordentliche Schachpartien umzusetzen. Wir haben heute gesehen, wo wir im Training ansetzen müssen, um künftig erfolgreicher spielen zu können.

Bild Bild Bild
Alec Dücker Felix Schuster Tom Kirstein
Bild Bild
Selbstbewusst geht Lisa in die letzte Partie. Nur wo "Alec" drauf steht, ist auch Alec drin.
In der IT ist das als "Nutella-Prinzip" bekannt,
aber das kennen die Kids heute nicht mehr…
Bild Bild
Bitte öfter mal an Johannas Brett vorbeischauen! "Avo" und Felix freuen sich auf die nächste Runde.

Bericht und Fotos: Thomas Binder