Einzel-Schnellturnier 2013

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Am zweiten Tag der Einzel-Schnellturniere konnten unsere Spieler überraschend stark auftrumpfen. Im Blickpunkt stand das Turnier der 7. bis 9. Klassen, wo immerhin 54 Schüler antraten und in der Spitzengruppe auch beachtliches Schach boten. Traditionell klein war hingegen das Feld der Klassen 10 bis 12. Hier kam nur ein Dutzend Spieler zusammen, weshalb man sich mit 5 Runden begnügen konnte.

Den Sieg im Turnier der Nicht-Vereinsspieler holte heute – ein gestandener Vereinsspieler. Simon Baevski vom Jüdischen Gymnasium war schachlich eine Klasse für sich. Er hat viele Jahre für den TuS Makkabi gespielt, schaffte 2008 den Sprung in die Finalrunde der Berliner Jugendmeisterschaft seiner Altersklasse und wurde dort sensationell Fünfter. Auch wenn er inzwischen schachlich etwas kürzer tritt, war er heute nicht zu bezwingen. Seine Schule konnte ein Schlupfloch in der Turnierausschreibung nutzen und damit den eigentlichen Sinn dieses Einzel-Schnellturniers etwas konterkarieren. Seit einigen Jahren wird nämlich das Kriterium der Vereinszugehörigkeit nur auf das laufende Schuljahr angewendet.

Bild Die kleine aber feine Herderschach-Delegation kehrt mit einer tollen Erfolgsbilanz zurück. Brian (Foto links) machte das Unmögliche wahr und gewann die Wertung der Klassenstufe 7 nach einem sehr überzeugenden Turnierverlauf. Seine Klassenkameraden Jannik und Patrick standen ihm kaum nach und landen ebenfalls sehr weit vorn. Nimmt man noch Lisas starken Auftritt am Vortag hinzu, ist die 7d ganz klar die Herderschach-Klasse der Woche.
Ein gelungenes Turnier gibt es auch aus der ältesten Wettkampfklasse zu vermelden, wo uns Moritz vertrat.

Spannender Kampf um den Klassensieg

Unsere Spieler konzentrierten sich auf den Kampf um den Sieg der Wertung für die 7. Klasse. Ganz früh war zu merken, dass sie mindestens als geschlossenes Trio ein Wörtchen mitreden konnten. In Runde 1 wurden alle Partien sehr sicher gewonnen. In Runde 2 folgte dann das erste deutliche Achtungszeichen: Jannik (Foto rechts) gewann gegen Maximilian Müller, den Gesamtsieger dieses Turniers von 2011. Es sollte Maximilians einzige Niederlage (bei zwei Remis) bleiben.

Bild Ab Runde 3 kristallisierte sich dann Vu Dao vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium als stärkster Rivale in der Klassenwertung heraus. Jannik prüfte den jungen Vietnamesen als Erster. Unser Spieler hatte zwei Leichtfiguren gewonnen, doch dann war ihm der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach – Jannik erzwang eine dreifache Stellungswiederholung, statt weiter auf Gewinn zu spielen. Nach drei Runden lagen somit drei unserer Spieler mit je 2½ Zählern ganz hervorragend im Rennen.

Bild Kleiner Rückschlag in Runde 4: Nur Patrick (Foto links) konnte die Siegesserie fortsetzen. Brian unterlag gegen Vu Dao und auch Jannik musste zum ersten Mal die Segel streichen.
Oft genug haben wir uns von solchen Enttäuschungen nicht schnell genug erholt – heute war das anders. Das Trio kam in Runde 5 wieder geschlossen zum Sieg, wobei vor allem Patricks Erfolg gegen Vu ganz wichtig war.
Mit 4½ Punkten aus 5 Runden hatte er sich bis ans Spitzenbrett vorgearbeitet. Dort wartete mit Simon Baevski der erklärte Turnierfavorit. Patrick spielte eine großartige Partie, hielt den Kampf lange ausgeglichen. Eine Fehlberechnung zu Beginn des Endspiels kostete dann die Dame gegen einen Turm. Später aber war sich Simon wohl des Sieges einen Moment lang zu sicher und musste nach einer Fesselung die Dame gegen Patricks Turm zurück geben. Das verbleibende Endspiel mit einem gegen zwei Bauern war dann für unseren Spieler auch wegen der Zeitnot dennoch nicht zu halten.

Nach einem weiteren Sieg von Brian hatten nun zwei unserer Spieler vor der Schlussrunde einen halben Punkt Vorsprung auf die Verfolger. Platz 1 in der Klassenwertung war für Brian und Patrick aus eigener Kraft möglich. Die typische Anspannung einer letzten Runde lag wieder einmal über der Aula des Max-Planck-Gymnasiums. Wir oft haben wir das schon erlebt…

Für Patrick war es eine ärgerlich schwere Schlussphase. Er traf nach dem Turniersieger nun auf den Zweitplatzierten. Die schwere Partie aus Runde 6 noch in den Knochen, konnte er sich nicht mehr steigern.
Eine Steigerung gelang hingegen nochmals Jannik. Mit einem weiteren sicheren Sieg schob er sich ganz weit nach vorne.

Das Meisterstück lieferte Brian. Auch in der letzten Runde blieb er ruhig und souverän, ließ nie Zweifel an seinem Sieg aufkommen. 5½ Punkte und der Klassensieg in Klasse 7 sind verdienter Lohn für ein erstes Herderschach-Jahr mit engagiertem Einsatz im Training und jederzeit beeindruckendem Lernwillen. Sein Pokalgewinn reiht sich würdig in die Liste unserer größten Erfolge der letzten 10 Jahre.

Moritz im Junioren-Turnier vorn dabei

Bild Es gibt sie noch, die running gags der Herderschach-Geschichte. Moritz (Foto links) ist im sechsten Jahr in unserer Schach-AG und unseren Teams dabei. Immer wenn ich über seine Turnierstarts berichten durfte, kam unweigerlich das Thema Zeitnot zur Sprache. Die Partien, die durch diesen Umstand einen letztlich widersinnigen Ausgang nahmen, sind nicht zu zählen. Wohl noch nie konnte man nach einem Turnier bilanzieren, dass Moritz das Ergebnis erreicht hätte, welches zu seinem schachlichen Vermögen und dem gezeigten Spielniveau passte.
Auch heute musste man solche Dramen befürchten. Zwei der ersten drei Partien gingen durch Zeitüberschreitung in ausgeglichener Stellung verloren. Gerade in dem kleinen Feld durchweg erfahrener Turnierspieler konnte man kaum hoffen, dieses Manko auszugleichen. In Runde 4 folgte wieder ein Sieg und so begann vor der Schlussrunde das Orakeln, wohin der Weg wohl diesmal führen würde. Die Gegnerin war als etwa gleich stark einzuschätzen und also ein langer ausgeglichener Kampf zu erwarten. Diesen gab es dann auch, und so kam es, wie es kommen musste: In Zeitnot unterliefen Moritz einige kleine Fehler, die sich zu einer völlig aussichtslosen Stellung summierten. Der Beobachter wendete sich schon zum spannenden Kampf der anderen Gruppe, als völlig überraschend von Moritz das Siegeszeichen kam: Er hatte gewonnen – und zwar durch gegnerische Zeitüberschreitung…
Mit Platz 5 erreicht er endlich ein Ergebnis, das seinem schachlichen Potential nahe kommt, wenn auch das Zustandekommen des letzten Sieges in die Kategorie "Treppenwitz" fallen dürfte.

Nikita und Simon haben viel gelernt

Bild Bild Für Nikita (Foto rechts) und Simon (Foto links) war es heute (wie auch für Brian und Jannik) der erste externe Turnierauftritt. Beide starteten mit einem Sieg ins Turnier. In der Folge gab es dann doch noch eine Reihe von Partien, die nicht ganz dem im Training gezeigten Können entsprachen. Da geriet man oft allzu schnell in nachteilige Stellungen. Vor allem bei Simon habe ich mehrfach beobachtet, dass gute Angriffspartien nur daran scheiterten, dass nicht alle Figuren rechtzeitig entwickelt wurden. Also – wenn man die gleichen Ideen besser vorbereitet, werden sie auch von Erfolg gekrönt.
Das Turnier war für beide Spieler eine wertvolle Lehrstunde, sowohl rein schachlich als auch in Sachen Kondition, Turnierstress und Zeiteinteilung. Beim ersten Start darf das Ergebnis auch mal etwas unter der 50%-Marke bleiben, wenn man für die nächste Saison viel daraus mitnimmt. Heute kann euch vor allem die ungeschlagen überstandene Schlussrunde Mut machen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder