"Großes" Jugend-Herbst-Open B 2013

Im "Großen Jugend-Herbst-Open B" starten die Altersklassen U12 und U14 sowie einige ältere Spieler mit einer DWZ-Obergrenze von 800 Punkten. Für unsere jüngeren Schulschach-Kids ist dies genau die richtige Bewährungsprobe. Gleich 11 Herderschach-Zwerge waren am Start.
Eine sinnvolle Regelung der offenen Turniere besagt, dass sich die jeweiligen Sieger künftig größeren Herausforderungen stellen sollen und in die offiziellen Meisterschaften "aufsteigen". Zuletzt schafften zahlreiche unserer Spieler diesen Sprung und nun stand die nächste Generation bereit, ihnen nachzueifern.

Bild 1. Tag

Reihenweise positive Ergebnisse sind am ersten Tag dieses Turniers zu vermelden. Dabei hat einer der Jüngsten am nachdrücklichsten auf sich aufmerksam gemacht. Tom (Foto links) spielte sich heute in einen richtigen Schach-Rausch und verließ in allen drei Runden das Brett als Sieger. Lediglich in der mittleren Runde gab es einige kritische Worte der Trainer über zu schnelles Ziehen – auch wenn es noch einmal gut gegangen war.

Bild Etwas – aber nur etwas – ruhiger ließen es die älteren Herren angehen. Patrick (Bild rechts) und Brian haben mit je 2½ Punkten noch alle Optionen für den zweiten Tag im Blick.
Der Trainer konnte nur die Remispartie von Brian beobachten. Hier hätte etwas mehr Besonnenheit in der "gefühlten Zeitnotphase" – es waren aber noch fast 5 Minuten – den ganzen Punkt verdient.

Ganz breit ist unser Feld der Spieler mit zwei Punkten aus den ersten drei Runden. Dazu gehört Lisa, die natürlich um den Mädchenpreis mitspielen möchte ebenso wie unsere schon etwas erfahreneren Cracks um Avetis, Julian und Calvin. Bei zwei Punkten stehen auch Jannik und Alec. Beide stellen sich erstmals der Herausforderung eines solchen Turniers, waren bisher nur im Schnellschach am Start. Yannik liegt noch ein wenig zurück. Wir wissen, dass er seine Stärken immer besonders am zweiten Tag ausspielt – das wird auch morgen so sein.

Bild Dass die Herderschach-Trainer einen Fünftklässler nach gut zwei Monaten in der Schach-AG zu einem Turnier einladen, ist bisher nur ganz selten geschehen. Da müssen die Eindrücke im Training enorm überzeugt haben. So ist es bei Ferdinand (Bild links). Schon am ersten Tag hat er diese Erwartungen bestätigt, liegt mit 50% in der Mitte des Feldes bei seinem allerersten Schachturnier.

4. Runde

Im Blickpunkt dieser Runde stand zunächst die Partie der beiden Klassenkameraden Patrick und Brian. Als die Ansetzungen bekannt wurden, kam von beiden ein angstvoller Aufschrei – fast unisono mit den Worten "Gegen den verliere ich doch immer." Merkwürdig, wie unterschiedlich da doch die Wahrnehmung der bisherigen Duelle war. Heute jedenfalls behielt Patrick Recht, denn Brian gewann die Partie – wenn auch die Umsetzung des klaren Vorteils etwas zögerlich vonstatten ging.

Tom setzte seinen Siegeszug gegen den späteren Vierten der Gesamtwertung fort. Nach beiderseits unorthodoxer Eröffnung baute er "aus dem Nichts" eine unparierbare Mattdrohung gegen den im Zentrum von eigenen Figuren eingekesselten König auf.
Im zweiten internen Herderschach-Duell nutzte Lisa einen Blackout von Julian zum Sieg. Gewinnpunkte gab es auch für Jannik, Calvin (nach großer Zeitnotschlacht) und Ferdi. Alec spielte remis. Bei fast vollem Brett fühlten sich wohl beide Spieler so unsicher, dass ihnen der halbe Punkt genügte.

5. Runde

5 Runden = 5 Siege: Tom ist einfach nicht zu stoppen. Im Duell zweier Spieler mit 100% gewann er auch gegen Jannis Hering von der SG Lasker. Lange verlief die Partie fast symmetrisch, einschließlich beidseitiger Springereinschläge auf a8 bzw. a1. Auf dem Rückweg nutzte Toms Gaul dann aber die erste Gelegenheit zu einem Gabelbissen mit Figurengewinn. Das Endspiel mit Mehrfigur bei zwei Minusbauern forderte dann noch einmal höchste Konzentration. In dieser Phase zeigte Tom sein ganzes Können und gewann souverän.
Am Nachbarbrett ließ Brian dem dritten 100%-Spieler des Feldes keine Chance. Sein schon sensationell sicherer Sieg sorgte für klare Fronten:
Schon vor der letzten Runde war Platz 1 für das Haus Herderschach sicher.

Im weiteren Feld gab es leider erneut zwei interne Duelle: Jannik und Lisa remisierten recht schnell. Patrick und Ferdinand lieferten sich eines der längsten Duelle der Runde. Unser Jüngster hielt die Partie gegen den drei Jahre älteren Patrick lange Zeit völlig ausgeglichen, fand dann nicht den richtigen Weg zum Dauerschach und verlor noch.

Eine überzeugende Partie gelang in dieser Runde Julian. An den übrigen Brettern stand diesmal etwas zu oft die Null auf unserer Seite des Formulars. Besonders ärgerlich war das für Avetis: Zweimal in Folge hatte er durch Zeitüberschreitung bzw. Zeitnotfehler verloren.

6. Runde

Bild Bild Für den Showdown war alles angerichtet. Während im fernen Indien zwei andere Spieler, deren Namen mir gerade nicht einfallen wollen, um die Weltmeisterschaft spielten, ging es für Brian und Tom um den Turniersieg im Prenzlauer Berg. Am Brett zeigte der deutlich ältere Brian seine Überlegenheit sehr bald und gewann ohne große Probleme. Für Tom stand praktisch schon vor der Partie fest, dass er die U12-Wertung gewinnen wird.

Brian (Foto links) hat nicht nur ein phantastisches Turnier ohne jeden Wackler gespielt – er hat auch zum zweiten Mal(!) bewiesen, dass er ein Turnier dieser Klasse gewinnen kann. Das einzige Remis wäre bei etwas souveränerem Umgang mit der Zeitnot gar nicht nötig gewesen. So steht er am Ende völlig verdient auf dem Spitzenplatz.
Tom ist für uns die Riesen-Entdeckung dieser beiden Tage. Gegenüber dem Schnellturnier vom Juni gelang ihm eine sensationelle Steigerung. Er ist von gestern auf heute ein richtiger Schachspieler geworden. Solide Eröffnungen (ok – da ist noch Potential) wurden von ideenreichen Angriffen gefolgt. Sich bietende Chancen wurden meist konsequent genutzt. Besonders sicher wirkt Tom schon im Endspiel – sonst bei Spielern mit wenig Turniererfahrung noch der große Schwachpunkt. Das weckt Vorfreude auf die nächsten Turniere.

Im Sog unserer beiden Top-Spieler konnten sich Jannik, Calvin und Julian (gegen einen renommierten Gegner) mit abschließenden Siegen noch ins obere Tabellenviertel schieben. Solche Plätze in der erweiterten Spitzengruppe sind ganz stark und waren bisher immer ein sehr guter Fingerzeig für das nächste Open. Yannik beendete das Turnier mit einem Remis und war etwas von seinem Abschneiden enttäuscht. Das wird bei nächster Gelegenheit ganz sicher wieder aufgeholt.

Tragische Schlussrunde für Lisa: Nach einem sehr starken Open-Debüt war der Sieg in der Mädchenwertung zum Greifen nahe. In der letzten Runde ließ sich Lisa dann leider vom Blitztempo ihres Gegners anstecken und "verdaddelte" eine klar vorteilhafte Stellung noch. So bleibt mit positivem Punktkonto und Platz 2 unter allen Mädchen immer noch eine sehr gute Bilanz.

Patrick, Avetis (sicherer Sieg zum Schluss) und Alec konnten am zweiten Tag ihre guten Ausgangspositionen nicht ganz verteidigen und landen ebenso wie Ferdinand im breiten Mittelfeld. Unser Fünftklässler musste ganz am Ende der hohen Belastung Tribut zollen. Seine Partien dauerten meist recht lange, so dass er kaum Pausen hatte. Aber das Durchhalten eines solch anstrengenden Turniers ist eine tolle Erfahrung und wird ihn gestärkt in die nächsten Wettkämpfe ziehen lassen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder