Jugend-Weihnachtsturnier 2013

Schachspieler trotzen jedem Wetter. Unwetterwarnung und Aufhebung der Schulpflicht sorgten für viel Wirbel im Vorfeld – fast für mehr Wirbel als das Orkantief "Xaver", das sich schließlich als halbwegs normaler Herbststurm präsentierte. Als um 14:30 Uhr die Häupter gezählt wurden, hatten sich trotz aller Wetterkapriolen 50 Spieler in den Räumen unseres Partnervereins eingefunden. Dort sorgten neben den beiden AG-Leitern Herr Schilly und Herr Arndt für einen reibungslosen Turnierablauf mit vielen schönen Ideen.
Sehr gefreut haben wir uns, dass erneut eine große Zahl von Eltern, Großeltern und (ganz artigen) kleinen Geschwistern für den würdigen Rahmen der Siegerehrung sorgten. Sie konnten ein wenig von der Begeisterung ihrer Kinder, Enkel und großen Geschwister einatmen, die unsere AG und vor allem dieses Weihnachtsturnier seit vielen Jahren prägt.

Bild Bild Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg

Die Überschrift des Vorjahresartikels kann stehen bleiben, denn auch diesmal blieb der Kampf um Platz 1 bis zur letzten Runde enorm spannend. Bald zeichnete sich ab, dass Top-Favorit Raphael mindestens zwei ambitionierte Konkurrenten bekam. Ein Trio rettete sich ohne Punktverlust in die 5. Runde. Dort trotzte Jonas der Nummer 1 der Setzliste nach einer der stärksten Partien des Turniers ein Remis ab. Daniel gewann gegen Florian, der sich mit der zweiten Niederlage aus dem Kreis der Siegesanwärter verabschiedete.
So führte also Daniel mit fünf Punkten vor Raphael und Jonas.

In den Schlussrunden musste der Spitzenreiter aber gegen beide Konkurrenten ans Brett und wurde noch auf Platz 5 abgedrängt – natürlich immer noch ein Top-Ergebnis.
Als man vor den letzten Paarungen auf den Zwischenstand blickte, rieb man sich doch etwas erstaunt die Augen: Jonas hatte gegenüber Raphael einen sehr deutlichen Buchholz-Vorsprung und konnte aus eigener Kraft Turniersieger werden.

Pl. Name Turniere Punkte
1. Jonas Brenck 8 38
2. Yiyang Huang 7 37½
3. Tilman Brämick 7 34½
4. Julian Rausch 8 32½
Insgesamt bisher 208 Teilnehmer
Der Showdown und ein bisschen Geschichte

Raphael erfüllte die Pflicht mit dem Sieg gegen seinen Freund und Klassenkameraden Daniel sicher. Doch der 1. Platz schien unerreichbar fern, hatte doch Jonas gegen Pablo zwei Mehrfiguren auf dem Brett. Dafür hatte er allerdings viel Bedenkzeit investiert und fand bei ablaufender Uhr keinen klaren Gewinnplan. So kam es zum Remisschluss und Platz 2.
Für Jonas Brenck endet im Abitur-Jahr eine tolle Serie von Weihnachtsturnieren und später dann auch eine der schönsten Schulschach-Karrieren, die ich als Trainer begleiten durfte.
Dicht an der Krönung vorbei geschrammt, bleibt ihm die Freude, dass er nun die Gesamtführung in der Weihnachtsturnier-Historie übernommen hat – auch weil sich Titelverteidiger Yiyang heute auf den Job als Foto-Reporter beschränkte.

Die Verfolger in breiter Front

Bild Jenseits des Kampfes um Platz 1 wurde vor allem im Raum der Bretter 1 bis 8 gutes Schach geboten. Abseits des ganz großen Turniertrubels konnte sich die Spitzengruppe in knisternder Wettkampfatmosphäre auf ihre Partien konzentrieren. Für viele jüngere Spieler war es ein lohnendes Ziel, zumindest zeitweise in diese Phalanx einzudringen.

Vom Spitzentrio war schon die Rede, doch konnten sich im Endspurt noch zwei Spieler an Daniel vorbei schieben. Platz 3 geht verdient (nur eine Niederlage) an Pablo (Foto rechts). Der letztjährige Vizemeister des Herder-Gymnasiums hat also einmal mehr seine gewachsene Spielstärke bewiesen. Schon im fünften Schachjahr stehend, gelang ihm heute eines seiner Glanzstücke, die in letzter Zeit erfreulich oft zu sehen sind – leider immer mal wieder durch einen völlig gebrauchten Tag unterbrochen…
Konstantin erholte sich von einer frühen Niederlage gegen den Vorjahres-Dritten gut und schob sich noch ganz dicht an die Medaillenplätze heran. Freilich sprach dann der unerbittliche Herr Buchholz das Urteil gegen ihn.

An dieser Stelle sei allen Fragen vorgebeugt und noch einmal die Feinwertung bei Punktgleichheit erläutert:

  1. Buchholz-Wertung: Summe der Punkte aller 7 Gegner. Der Grundgedanke: Wer bei gleicher Punktzahl die stärkeren Gegner hatte, soll weiter vorn platziert sein.
  2. mittlere Buchholz-Wertung: analog zur Buchholz-Wertung, aber unter Streichung des stärksten und schwächsten Gegners.
  3. Sonneborn-Berger-Wertung: Summe der Punkte der Gegner, gegen die man gewonnen hat. Bei Remis werden die Punkte halbiert. Der Mathematiker würde sagen: "Summe über die Produkte aus gegnerischer Punktzahl und eigenem Ergebnis aus den Runden 1 bis 7". Diese Formel funktioniert übrigens sogar mit den Verlustpartien.

Vorn dabei: Vereinsspieler und solche, die es werden wollen

Bild Bild Bis Platz 10 gab es bei der Siegerehrung Extra-Applaus und genau fünf Punkte waren erforderlich, um in diese illustre Gruppe vorzudringen. Letztlich tummeln sich hier die Spieler mit großer Turniererfahrung aus anspruchsvollen Wettkämpfen. Es kann also nicht ganz falsch gewesen sein, sich immer wieder herausfordernden Aufgaben zu stellen. In diesem Sinne sind vor allem Arman, Malte und Tim zu erwähnen, die im letzten Jahr auch den Sprung in die BMM-Teams ihres Vereins gewagt und geschafft haben.
Die Tabelle spricht hier eine deutliche Sprache. Noch deutlicher wurde die gewachsene Spielstärke der Top-Elf (da beziehen wir also mal die 4½ Punkte von Marian mit ein) beim Beobachten der Partien. Hautnah konnten die jüngeren Spieler heute erleben, was ihnen die Spitzenleute noch voraus haben und wohin sie sich selbst in den nächsten Jahren entwickeln können.

Und dann gibt es noch einen Fingerzeig mit großem Symbolwert: Ganz vorn liegt ein Feld aus elf Spielern mit Vereinserfahrung – und unmittelbar dahinter folgen mit nahezu identischem Ergebnis Jannik und Brian (Fotos links). Mehrfach in diesem Jahr haben beide ihre tolle Leistungsentwicklung gezeigt, so beim Einzelschnellturnier der Berliner Schulen und bei den Jugend-Opens des BSV. Wenn man jetzt so dicht an der Phalanx der Vereinspieler dran ist, weiß man wohl, wohin der Weg sehr bald führen sollte…

Die Klassensieger

Klare Sachen hier…

Dass Raphael die Wertung der Klasse 8 gewinnen würde, war wohl irgendwie zu erwarten. Da er aber unter die Top-3 der Gesamtwertung kam, geht der Klassentitel an Daniel. Damit lassen sich dann auch die beiden Schluss-Niederlagen problemlos verschmerzen.

Auch in Klasse 6 gibt es den erwarteten Einlauf. In Abwesenheit seines gefährlichsten Konkurrenten – Duc Anh hatte den Meldeschluss verpasst – setzte sich Konstantin sicher durch. Dabei konnte Konsti diesmal immer in der Spitzengruppe mithalten und anspruchsvolle Partien zeigen. Mit respektablem Abstand von 1½ Punkten folgt Julius, der wiederum klar vor den übrigen Klassenkameraden bleibt.

… spannender Kampf dort

Bild In den Klassenstufen 5 und 7 musste die Buchholz-Wertung helfen, jeweils ein Trio punktgleicher Spieler zu trennen. Bei den Großen gab es ein Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Julian (Foto links) und Kristoffer. Beide haben im letzten Jahr eine tolle Entwicklung genommen und zeigten auch außerhalb der eigenen Reihen schöne Turnier-Ergebnisse. Über ihre ersten Schritte im Vereinsschach freuen wir uns besonders. Die Feinwertung sprach knapp für Julian, der seinen Vorjahreserfolg wiederholte.
Beide bestätigten so den Eindruck des Trainers, dass sie in dieser Leistungsgruppe eben schon die "vollständigsten" Schachspieler sind, die mit wechselnden Bedenkzeiten und Gegnern unterschiedlichsten Kalibers am besten klar kommen.

Bild Die spannende Frage, welcher Fünftklässler nach wenigen Monaten Schachtraining schon am weitesten voran gekommen ist, steht für die AG-Leiter bei jedem Weihnachtsturnier ganz weit vorn. Oft war dieser erste kleine Turniererfolg ein wichtiger Schritt ins Rampenlicht und Sprungbrett für die nächsten Turnierstarts.
Für Furore sorgte heute zuerst Emilio. In den beiden ersten Runden gewann er gegen ältere Spieler. In Erinnerung bleibt vor allem das Matt gegen Julius. Dann gab es nur noch ganz schwere Aufgaben für ihn, so dass keine weiteren Punkte mehr dazu kamen. Als Nächster übernahm Ferdinand das Zepter innerhalb dieser Wertung. Er hat ja in den ersten Trainingsmonaten schon die besten Eindrücke hinterlassen und konnte uns bereits mit einem starken Auftritt beim Jugend-Herbst-Open überzeugen. Doch ähnlich wie dort ging "Ferdi" gegen Ende des Turniers etwas die Puste aus. – Kein Problem, das lernen wir noch.
Letztlich konnten noch drei Fünftklässler an ihm vorbeiziehen und mit je 3 Zählern ein Ergebnis erreichen, das in diesem bärenstarken Feld für "Rookies" wirklich hervorragend ist. Mit der besten Feinwertung holt sich Theo (Foto rechts) den Klassensieg vor Bjarne und Nikolas. Alle drei haben Spieler geschlagen, die zwei Jahre älter sind. Blickt man auf die gezeigten Partien und das Auftreten der Klasse-5-Spitzengruppe, sind alle Voraussetzungen für eine solide Schachausbildung erkennbar. Immerhin durfte Theo bei der Siegerehrung schon mal kurz die Urkunde des Gesamtsiegers in der Hand halten. Das weckt doch wohl Vorfreude…

Lesen Sie weiter im zweiten Teil unseres Berichts.


Bericht und Fotos: Thomas Binder