Bild Einzel-Schnellturnier 2014

Bild Zum Abschluss des Schuljahres erwiesen sich unsere Spieler im besten Sinne des Wortes als "Fit fürs Finale". Das Einzel-Schnellturnier ist der ideale Platz, die Erfolge des Trainings auch bei denjenigen Schülern zu messen, die nicht bei den ganz großen Meisterschaften dabei sind oder in unseren medaillenträchtigen Auswahl-Mannschaften stehen.
Diese Chance wurde heute eindrucksvoll genutzt. Mit drei Klassensiegen und drei Medaillen in der jeweiligen Gesamtwertung konnten wir ein Ergebnis erzielen, das auch vor dem hohen Anspruch der Herderschach-Geschichte einen neuen Rekord darstellt.
Die Erfolge wurden – wie nicht anders zu erwarten – nach dramatischen Schlussrunden unter Dach und Fach gebracht. Sie sind umso wertvoller, weil das spielerische Niveau des heutigen Schnellturniers gegenüber den Vorjahren deutlich zugelegt hat.

Klassensiege für Lukas und Jonathan nach überzeugendem Auftritt

Bild Im Junioren-Turnier ging es heute eigentlich nur um Platz 2. Titelverteidiger Shawn Maple vom Beethoven-Gymnasium war erwartungsgemäß eine Klasse für sich. Mit dem heutigen Tag ging seine für das Konzept "Schulschach" sicher beispielhafte Karriere zu Ende und man freut sich, zu hören, dass sich eine ambitionierte Karriere im Vereinsschach anschließen wird.
Bild Seinen letzten Schulschachtitel holte der Lankwitzer Abiturient mit sieben Siegen. Die Gegner machten es ihm nicht leicht, doch seine schon in ersten großen Opens erprobte Routine setzte sich jeweils durch. Dabei lieferte Lukas dem Favoriten in Runde 4 wohl die stärkste Partie des ganzen Turniers. Beide Spieler waren sich hernach einig: "Diese Partie hätte man mitschreiben sollen."
Unser Spieler blieb auch nach der Niederlage auf Medaillenkurs – bis ihn in Runde 6 ausgerechnet ein eigener Teamkamerad aus allen Träumen riss. Jonathan gewann das interne Duell nach beiderseitigen Fehlern und fand sich zum Schluss am Spitzenbrett wieder.
Doch zurück zu Lukas (Bild links): Seine siebente Partie war wieder ein echter Krimi und fand in letzter Sekunde die Krönung im Matt. Der folgende Jubelschrei war ein Gefühlsausbruch, wie man ihn auf Schachturnieren nur selten erlebt – verständlich als Summe enormer Emotionen, die Lukas nicht nur heute sondern an gleicher Stelle schon in den Vorjahren durchleben durfte bzw. musste.

Starkes Turnier auch von Jonathan (Bild rechts): Nach zwei Remisen (darunter gegen einen früheren Turniersieger) kam er gut in Schwung und spielte sein bestes Turnier seit langer Zeit. Selbst die obligatorische Niederlage gegen den Spitzenreiter konnte ihn nicht mehr aus den Medaillenrängen und von der Pool-Position seiner Klassenstufe verdrängen.

Etwas unglücklich verlief das Turnier für Moritz. Mit der höchsten Buchholz-Zahl aller Teilnehmer und 50% der Punkte wurde er noch weit durchgereicht. Unglücklich war das vor allem, weil das kleine Teilnehmerfeld auch noch unter einer ungeraden Spielerzahl litt und somit mehrere Spieler dank eines kampflosen Zählers vor Moritz landeten. Er hat z.B. gegenüber dem Tabellenachten fast die doppelte Zahl an Buchholz-Punkten – da kann man die Leistung nicht wirklich an der Platzierung messen. Moritz unterlag dem Erst- und Zweitplatzierten, schlug den Dritten und haderte eigentlich nur mit einer nicht "eingeplanten" Verlustpartie. Sein Spiel ist auf jeden Fall weiter gereift und das früher allgegenwärtige Zeitnot-Schreckgespenst zeigt sich nur noch selten.

Patrick macht sein Meisterstück

Bild Der Wettkampf der Klasse "Jugend" nahm einen turniertaktisch sehr interessanten Verlauf. Wir hofften auf vordere Plätze für Patrick und Jannik. Schon im Vorjahr hatten beide hier sehr gut mitgehalten. Als stärkste Rivalen erwiesen sich recht bald Philipp Otto im Kampf um den Gesamtsieg und Leander Scheid im Ringen um Platz 1 in der Klassenwertung.

Bild Mit je drei Siegen legten unsere Spieler das Fundament für ein starkes Abschneiden. In Runde 4 gab dann Jannik etwas übervorsichtig ein Remis ab, während Patrick gegen Philipp Otto keine echte Chance hatte. Zu dieser Zeit lobte Großmeister Robert Rabiega dessen überlegte und fundierte Spielweise: "Der ist hier eine Klasse für sich." Damit sollte er zwar schließlich Recht behalten, doch mein Einwand "Warte ab, bis Jannik gegen ihn gespielt hat." war ebenso prophetisch.
Jannik (Bild rechts) lieferte dem späteren Turniersieger einen großartigen Kampf. Nachdem der erste Angriff überstanden war, erarbeitete sich unser Spieler nach und nach drei Mehrbauern. Schließlich ergab sich das Endspiel mit Turm + Bauer gegen den alleinigen Turm bei zudem klar besserer Königsstellung für Jannik. An dieser Stelle war der Respekt vor dem selbstbewusst auftretenden Philipp wohl noch zu groß und Jannik willigte in die Punkteteilung ein. Man hätte hier sehr aussichtsreich – und vor allem ohne jede Verlustgefahr – weiterspielen können.

In Runde 6 gewann Patrick (Bild links) recht schnell das klassen-interne Duell und brachte sich in Position für den Kampf um die Medaillen. Gegen Leander Scheid lag er zu diesem Zeitpunkt um einen halben Buchholz-Zähler zurück – eigentlich eine ungünstige Ausgangsposition für das direkte Duell. Doch ich erklärte ihm vor der Partie, dass nach meiner Erfahrung solche Wertungen in der letzten Runde oft noch umkippen. Warum das so ist, mögen die Mathematiker oder die Verschwörungstheoretiker ergründen – jedenfalls stimmte diese Ahnung auch heute: Obwohl die Partie remis ausging, machte Patrick zwei Punkte in der Feinwertung gut und überholte Leander damit deutlich. Jannik beendete das Turnier mit 5 Punkten auf einem tollen 7. Platz.

Die Siebtklässler mit ordentlichen Ergebnissen im Mittelfeld

Bild Bild Gespannt waren wir vor allem auf das Auftreten von "Navi" und Truc. Beide haben bei ihrem ersten externen Einzelturnier sehr achtbare Ergebnisse erzielt und sich in der oberen Tabellenhälfte eingereiht. Sie haben enormen Spaß am Schachspiel und sind "heiß" auf anspruchsvolle Startmöglichkeiten.
Navenan (Bild links) legte mit zwei Siegen und einem Remis ganz stark los. Dann hatte er eine Durststrecke zu überwinden. Mit wachsender Turniererfahrung wird ihm das sicher künftig nicht mehr passieren. Zum Ende des Turniers steigerte er sich wieder und kam auf 50% der möglichen Punkte.
Noch ein halber Punkt mehr war es am Ende für Truc Lam (Bild rechts). Dabei kann man seine Partien auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Wenn Truc rochierte, wurde die Partie gewonnen. Vergaß er, den König in Sicherheit zu bringen, setzte es eine Niederlage. Deutlicher und wirksamer kann es kein Trainer vermitteln…

Etwas ratlos blicken wir auf das Ergebnis von Yannik. Ich habe mehrere gute Partien gesehen, doch angesichts der Spielstärke der Gegner genügte heute jeweils ein Patzer, um sich noch um den verdienten Lohn zu bringen. Yanniks ungebrochene Spielfreude und sein Kampfgeist bescherten ihm zum Schluss zwei weitere Siege und ein versöhnliches Ergebnis mit 3 Zählern.

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Immer wieder gern gesehen: Unsere Spieler bei der Siegerehrung
Jonathan und Lukas rahmen Junioren-Sieger Shawn Maple ein. Patrick mit Silbermedaille und Pokal neben den direkten Rivalen

Bericht und Fotos: Thomas Binder