Jugend-Herbst-Open A 2014

Bild Das A-Turnier des Jugend-Herbst-Opens läuft nur über vier Runden. Daher geht es nicht um Pokale und Platzierungen, sondern um anspruchsvolle Partien mit DWZ-Wertung. Sechs Nachwuchsspieler der Schachfreunde Siemensstadt und zugleich Schüler des Herder-Gymnasiums stellen sich dieser Herausforderung.

1. Runde

Strahlender Sieger des ersten Tages ist aus unserer Sicht Pablo. Am Vormittag besiegte er einen jüngeren Spieler nach zähem Kampf mit einer hübschen Finte. Ein Turmzug, der scheinbar nur einen Bauern decken sollte, hatte ganz nebenbei auch ein Rasenmähermatt aufgebaut. Das war dem Gegner entgangen. Auf seine zweite Partie werfen wir später einen gesonderten Blick.

Brian traf in der Auftaktrunde das undankbare Freilos, alle weiteren Herderschach-Spieler bekamen es mit mehr oder weniger klar überlegener Konkurrenz zu tun. Waren da vier Niederlagen vorgezeichnet? Nicht ganz – Lazar (Foto links) kämpfte in einer weitgehend ausgeglichenen Partie mehr als drei Stunden und verdiente sich ein Remis.

Aus den Verlustpartien der Runde ist eine vergebene Chance von Severin zu erwähnen. Mit einem Sperrzug des Bauern hätte er gedeckte und deckende Figur gleichzeitig angreifen können. In Erinnerung bleibt auch die Partie von Firat. Er traf auf eines der zahlreichen Berliner Mega-Talente der Altersklasse U8. Lange schien es so, als habe Firat sogar leichte Vorteile, doch es war recht beeindruckend, wie genau der junge Gegner die Abwicklung in ein gewonnenes Bauernenspiel vorausberechnet hatte.

2. Runde

Bild Beim Blick auf die Ansetzungen des Nachmittags stöhnte der Trainer enttäuscht auf: Freilos für Firat und zwei interne Duelle – dafür möchte man eigentlich nicht quer durch Berlin reisen.

Die einzige "richtige" Partie ging dann auch noch recht drastisch verloren. Trotz solider Eröffnung schaffte es Brian nicht, seine Figuren zu aktivieren.

Severin und Lazar spielten eine der längeren Partien dieser Runde. Severin setzte sich recht sicher durch und liegt nun wieder planmäßig auf Kurs.

Dass die Runde dann doch sehenswert wurde, verdanken wir dem internen Duell von Pablo (Foto rechts) und Arman. Fast dreieinhalb Stunden lang lieferten sich die Freunde ein gutklassiges Duell, das in allen Partiephasen sehenswert war.
Erster Kulminationspunkt war eine Fesselung auf einer langen Diagonalen, mit der Arman scheinbar einen Turm gewann. Doch Pablo schickte einen Bauern ins Rennen, der sich bis zur zweiten Reihe durcharbeitete. Um dessen Umwandlung zu verhindern, musste Arman seinerseits den Turm opfern.
Wir fanden uns in einem Endspiel aller vier Läufer bei je fünf Bauern wieder. Pablos schwarzer Freibauer auf d2 lähmte Armans Spiel, aber es war noch lange nicht Feierabend. Im Endspiel sahen wir viele aus dem Training gut bekannte Motive. Pablos aktiver König drang in die gegnerische Stellung ein. Arman stellte mehrfach versteckte Mattdrohungen auf (ja, im Läuferendspiel). Man belagerte Bauernschwächen auf der jeweils passenden Felderfarbe und schließlich entschied die Endspiel-Allzweck-Waffe Zugzwang den Tag für Pablo.
Auf den Ausgang dieser Partie am frühen Abend haben wir gerne gewartet, und die Diskussionen auf der S-Bahn-Heimfahrt kreisten noch lange darum.
Bezeichnend: Selbst der Verlierer war begeistert. Pablo darf zur Belohnung morgen – Fluch und Segen des beschleunigten Schweizer Systems – an Brett 1 gegen einen mehr als 1000 DWZ-Punkte stärkeren Gegner antreten.

2. Tag

Bild Die Geschichte des zweiten Tages ist schnell erzählt. Gegen meist deutlich besser eingestufte Konkurrenz – darunter zwei sieben- bzw. achtjährige Super-Talente – war leider nicht viel zu holen.
Auf der Habenseite steht fast nur ein Freilos für Arman in der Schlussrunde, nachdem er in Runde 3 ganze dreieinhalb Stunden letztlich vergeblich gekämpft hatte.
Das einzige interne Duell des Tages gewann Brian gegen Lazar, der im Endspiel mit dem Springer gegen zwei weit voneinander entfernte Bauern die falsche Strategie wählte, mit der dann eben nicht beide Bauern aufzuhalten waren.
Ach ja – ein klitzekleines Erfolgserlebnis gab es noch: Firat ließ sich von einem fast 400 DWZ-Punkte stärkeren Gegner patt setzen…
Auf dem Foto rechts: Severin und Brian

Bild Fazit

Blickt man auf die zahlenmäßigen Ergebnisse, ist die Einstufung als "nicht so toll" noch sehr geprahlt. Der Trainer hat dennoch vor Ort eine ganz andere Wahrnehmung gehabt. Das Ziel des Starts bestand darin, unseren Spielern anspruchsvolle Wettkampfpraxis zu verschaffen. Das ist – trotz zum Teil nur drei Partien – sehr wohl gelungen.
Es gab mehrheitlich sehr lange Kämpfe zu sehen, in denen unsere Schüler engagiert und konzentriert auftraten. Das galt diesmal auch für die internen Duelle. Aber genau die fehlende Wettkampfpraxis (selbst gegenüber Spielern, die ca. halb so alt sind) war dann eben auch meist der Grund der Niederlagen.
Wenn am Ende im Saldo über alle unsere Spieler sogar noch ein leichtes DWZ-Plus steht, dann hilft das, die Ergebnisse etwas ins rechte Licht zu rücken. Es zeigt allerdings auch, dass der Weg nach oben noch weit ist und nur über die manchmal schmerzhafte Erfahrung solcher Turniere führt.

Zufrieden geht vor allem Pablo aus dem Wochenende. Spielpraxis gegen einen 2100er, satter DWZ-Zuwachs und ein Platz im Mittelfeld – das ist ok!
Ein nennenswertes DWZ-Plus gibt es noch von Brian zu vermelden. Bei Firat führt die provisorische Berechnung auf ±0. Severin und Lazar verlieren im niedrigen zweistelligen Bereich an Punkten. Tragisch lief es für Arman: Nur drei Partien, diese allesamt sehr lang und auch durchaus vorzeigbar gespielt. Am Ende steht er dennoch mit leeren Händen und wohl gut 50 Punkten DWZ-Verlust auf der Verliererseite. Seine Verlustpartie gegen Pablo gehörte zu den Höhepunkten dieser zwei Tage – und dabei hatte Arman seinen Freund doch erst zur Teilnahme überredet…

Das Herbst-Open A wird in seiner jetzigen Form mit nur 4 (für einige Spieler eben auch nur 3) Runden und dem hohen Gefälle an Spielstärke und Altersklassen wohl keine Zukunft haben. Der BSV denkt über Veränderungen nach – Ideen sind gefragt.


Bericht und Fotos: Thomas Binder