Abrafaxe-Turnier 2015

Bild Bild Man läuft Gefahr, sich zu wiederholen, doch auch bei unserer 11. Teilnahme am (19.) Abrafaxe-Turnier sind wir voll des Lobes für die Organisatoren von Borussia Friedrichsfelde und einigen befreundeten Vereinen. Mit riesigem Aufwand bereiteten sie erneut fast 300 Schach-Kids aus Nah und Fern einen unvergesslichen Turniertag.

Unvergesslich bleibt der Tag natürlich auch für das Haus Herderschach. Daniel Sulayev hat mit 6½ Punkten die Top-Gruppe gewonnen! Auch seine Klassenkameraden Hakob und Minh platzierten sich weit vorn.
Unsere weiteren Vertreter können zufrieden und stolz auf das Turnierergebnis blicken. Niemand blieb unter 50%, und in vielen Partien konnten wir mit Spielern mithalten, die in eine wesentlich größere Trainingsintensität investieren.

Klitzekleine Anmerkung: Das Spielmaterial war heute doch recht – nun sagen wir mal – inhomogen. Ich habe mindestens eine Partie beobachtet, in der die Gegnerin unseres Spielers wohl vor allem deshalb verlor, weil auf h7 ein Springer stand, der so klein war, dass man ihn für den dort naturgemäß zu erwartenden Bauern halten konnte…

Daniel ganz groß

Daniel war hier an Position 3 gesetzt. Auf dem Spielniveau der Besten ist diese Liste schon recht aussagefähig. So platzierten sich die drei Top-Spieler am Ende ganz vorn – aber in umgekehrter Reihenfolge. Daniel gewann zunächst fünfmal sicher, remisierte dann gegen den späteren Zweitplatzierten Frederick Dathe. Der Showdown sah Mert Acikel vom SV Mattnetz leicht favorisiert, und dieser Rolle wurde Mert zunächst auch gerecht. Er öffnete Daniels Königsstellung und hatte dem Vernehmen nach sogar einmal die Chance zum Damengewinn per Springergabel. Diese Gelegenheit blieb unbemerkt, und in der Folge kam Daniel besser ins Spiel. Er nutzte nun selbst die geöffneten Linien am Königsflügel und setzte schließlich matt. Das Mattbild erinnerte übrigens an jenes von Jannik in einer früheren Runde. Wir kommen darauf zurück.
Auf jeden Fall ein schöner Erfolg für Daniel. Er komplettiert damit eine tolle Saison, in der er u.a. eine sehr beachtliche Deutsche Einzelmeisterschaft spielte und mit dem Herderschach-Team deutscher Vizemeister wurde.

Hakob und Minh ganz weit vorn

Die Plätze 8 und 12 entsprechen vielleicht nicht ganz den Erwartungen von Hakob und Minh. Besonders "gewurmt" dürfte sie haben, dass sie von Minhs jüngerem Bruder in den Schatten gestellt wurden…
Woran hat es gelegen? Minh verlor nur die Partie gegen den heute stark aufspielenden Florian Zappe, gönnte sich aber drei Remisen.
Hakob gewann gleich viermal gegen Kameraden aus dem Hause Herderschach. Niederlagen gegen Frederick Dathe und Florian Zappe verhinderten einen besseren Platz.

B-Gruppe: Talente in erster Bewährungsprobe

Bild Bild Bevor wir unsere weiteren Spieler im A-Turnier begutachten, schauen wir mal kurz in der B-Gruppe vorbei. So hielt es heute auch der Trainer, der seinen Kollegen aus vielen anderen Vereinen den Glücksfall voraus hatte, dass alle eigenen Schützlinge auf der gleichen Etage spielten.

Hier gaben Maris und Julian ihr Abrafaxe-Debüt. Julian (Bild links) stellte vor der ersten Runde fest: "Ich spiele heute zum ersten Mal gegen Fremde." Nun gut – Heimweh kam jedenfalls nicht auf. Er startete mit 2 Siegen, darunter gegen einen hochkarätigen DWZ-Gegner. In Runde 3 brachte er sich noch um den verdienten Lohn gegen einen weiteren Spieler mit über 900 DWZ-Punkten. Julian stellte seinen König im Endspiel gegen den Randbauern in die richtige Ecke und schien das Remis schon sicher zu haben, als er dann doch aus unerfindlichen Gründen in Richtung Brettmitte aufbrach. Am Ende steht mit 3½ Punkten ein sehr gutes Ergebnis. Es zeigt, wohin Julians Schachreise gehen sollte. Der große Bruder hat es ja vorgemacht.

Noch einen halben Punkt mehr verbucht Maris (Bild rechts) am Ende des Tages. Er unterlag nur gegen drei Spieler mit deutlich mehr Erfahrung, darunter den späteren Turniersieger. Mindestens zwei Gewinnpartien haben den kritischen Beobachter wirklich überzeugt. In den beiden anderen stand die Schachgöttin hingegen sehr großzügig auf Maris' Seite. Da hatte er eigentlich schon durch zu schnelles Spielen nachteilige Stellungen erhalten. Symptomatisch war die letzte Runde. Die Gegnerin bereitete mit einem starken Läuferopfer einen Damengewinn vor, vergaß dann aber wohl diese Idee wieder und ließ sich statt dessen einzügig mattsetzen. Heute sei dieses schnelle Ziehen Maris noch verziehen und auch der gewiss enormen konditionellen Belastung in diesem Turnier zugeschrieben. Wir wissen jetzt aber auch, dass mit ruhigem Spiel noch viel bessere Partien möglich sind.

A-Gruppe: 6 Herderschach-Spieler dicht beieinander

Bild Bild Zurück in die Königsklasse. Hier hingen die Trauben für unsere weniger erfahrenen Spieler erwartungsgemäß hoch. So freut man sich, wenn die Ernte doch am Ende reichlich ausfällt.
Niemand blieb unter 50%. Das ist übrigens ein Novum in unserer Abrafaxe-Bilanz!
Dicht gedrängt landet das Sextett bei 4 bzw. 3½ Punkten. Wir sahen durchweg gute und (meist) abgeklärte Partien auf dem Level unseres aktuellen Leistungsvermögens. Fast jeder unserer Spieler konnte sich über Achtungserfolge gegen Spieler mit mehreren hundert DWZ-Punkten Vorsprung freuen.
Der Vergleich untereinander offenbart allerdings einige Hierarchie-Verschiebungen, die der Beobachter aufmerksam registriert hat.

Bester Spieler dieser Gruppe war Jannik. Wie oft schon dachten wir, der Durchbruch sei geschafft? Fast immer hat es dann beim nächsten Turnier so gar nicht geklappt. Jetzt zeigt Janniks Leistungskurve schon seit mehreren Monaten nach oben. Ich neige ganz vorsichtig zu der Annahme, dass er nun doch noch den Sprung zum "richtigen Schachspieler" schafft. Als wir auf der Heimfahrt den Siemensstädter Vereinsmeister trafen, sprach Jannik von "unserem Verein". Das nehme ich dann mal wörtlich…
Neben Janniks Foto steht sein schönstes Mattbild des Tages. Daniel gelang übrigens Runden später im Turnierfinale fast eine Kopie davon.

Bild Dicht hinter Jannik rangiert Moritz. Man könnte fast den Kommentar des Vorjahres wiederholen. Über Monate verschwindet Moritz irgendwo in der Versenkung, wird im Dickicht der vielen spielstarken Herderschüler kaum wahrgenommen. Wenn es dann an die offenen Turniere der Berliner Schachjugend und vor allem zu den Abrafaxen geht, findet er seine gesunde Spielfreude wieder und zeigt sein ganzes Können. Kriegen wir das jetzt immer hin?
Heute konnte Moritz (Foto links) schachlich überzeugen, erntete zudem viel Lob für Fair-Play, als er seinem verspätet eingetroffenen Gegner in Verluststellung remis bot, statt diesen absehbar über die Zeit zu heben. Besonders erfreut war der Beobachter über die hochkonzentriert vorgetragene Gewinnpartie in der letzten Runde.

Im Vorjahr noch ratlos über einen verpatzten Tag, spielte Kristoffer heute eines seiner besseren Turniere. Vier schön erarbeiteten Siegen stehen die Niederlagen gegen Hakob und Minh gegenüber. Eine weitere Null wurde ins Tableau geschrieben, als Kristoffer in Gewinnstellung (Qualität und vier Bauern Vorsprung) die Zeit davonlief.
Bei Tom wechselten gute Partien mit weniger gelungenen Auftritten. Mit einem Sieg in der Schlussrunde katapultierte er sich noch in die obere Tabellenhälfte und konnte erleichtert doch ein erfolgreiches Turnier bilanzieren.
Julian und Duc Anh landen bei 3½ Punkten. Was in der Tabelle nicht so toll aussieht, war dennoch eine ordentliche Leistung. Beide hatten das Pech, in der Schlussrunde auf starke Spieler mit unbedingtem Siegeswillen zu treffen. Vor allem Julian hatte vorher mit mehreren Remis gegen deutlich höher eingestufte Spieler Ambitionen auf weiter vorn liegende Plätze begründet.

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Duc Anh in typischer Haltung Keine Angst!
Während der Partie schaut Hakob immer so grimmig.
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Das erste der vielen internen Duelle gewann Daniel gegen Moritz. Schach auch in der Pause: Julian und Maris

Bericht und Fotos: Thomas Binder