Einzel-Schnellturnier 2015 Bild

Großartiger Doppelsieg in der Jugendklasse

Betriebspraktikum und Klassenfahrt haben unsere Startoptionen in der Jugendklasse erheblich dezimiert. Doch die verbliebenen beiden Schachrecken machten das heutige Turnier zu einem weiteren Highlight der Herderschach-Geschichte. Sie dominierten das spielstark besetzte Feld und grüßen verdient von der Tabellenspitze. Platz 1 durch Truc Lam Tran ist erst der dritte Gesamtsieg in einem dieser Turniere für uns nach Julian Beuchert (2008) und Linus Dilewski (2010). Aram Azarvash wird Gesamt-Zweiter und fügt der langen Liste unserer Klassensiege einen weiteren Eintrag hinzu.

Bild Truc (Foto rechts) spielte – auch nach dem sachkundigen Urteil der übrigen Trainer – klar das beste Schach. Hinzu kommt seine sprichwörtliche Ruhe und Abgeklärtheit. Ein Turnier ohne einen einzigen groben Fehler sieht man auf diesem Level noch nicht oft. Zudem spielte er gegen die fünf(!) unmittelbar hinter ihm platzierten Konkurrenten. Deutlicher und verdienter kann man nicht gewinnen.

Bild Bei Aram (Foto links) war gemäß seinem Naturell meist wesentlich mehr auf dem Brett los. Seine phantasievolle Spielweise paart sich mehr und mehr mit schachlicher Routine und Umsicht. So unterlag er nur im direkten Duell gegen Truc, remisierte mit dem späteren Dritten und landete sogar mit Vorsprung auf dem Silberrang.

Von Runde zu Runde

In den beiden ersten Runden legten unsere Spieler den Grundstein ihres Erfolges mit sicheren Siegen. Dass Truc schon dabei mit Ronny Perleberg den späteren Fünften (und Klassensieger Klasse 9) bezwang, nahm man erst viel später wahr. In Runde 3 dann ein bemerkenswertes Remis von Aram gegen den Bronzemedaillengewinner Luis Stiemerling. Aram rettete sich mit 2 gegen 4 Bauern gekonnt ins Patt: Randbauer auf dem einen Flügel und "Zwei gegen Drei" in Zugzwang-Stellung auf dem anderen.

Runde 4 brachte das erste KO-Spiel für Truc. Sein junger Gegner Julius Goldstein hatte bislang sehr überzeugend gespielt und auch den Geheimfavoriten Kaya Guske – Brett 1 des Kollwitz-Teams in der WK-III – bezwungen. Zwar hatte Truc einen Mehrbauern, doch als Randbauer ließ sich dieser nicht verwerten – Remis. Aram blieb nach langem Kampf siegreich, und so trafen sich unsere Spieler in Runde 5 am Spitzenbrett. Hier entschied ein unnötiger Damenverlust die Partie.

In der Vorschlussrunde musste Truc den nächsten Sieganwärter aus dem Weg räumen. Sicher gewann er gegen Luis, und nachdem die andere Spitzenpaarung remis endete, hatte er schon einen ganzen Punkt Vorsprung.

Der Showdown
Pl. Name 1 2 3 4 5 6 7 – 30 Pt.
1. Truc Lam Tran X 1 1 ½ 1 ½ 2 aus 2 6
2. Aram Azarvash 0 X ½     1 4 aus 4
3. Luis Stiemerling 0 ½ X   ½ 1 3 aus 3 5
4. Kaya Guske ½     X ½ 0 4 aus 4 5
5. Ronny Perleberg 0   ½ ½ X   4 aus 4 5
6. Julius Goldstein ½ 0 0 1   X 3 aus 3

An den vorderen Brettern wurde heute richtig gutes Schach gespielt, und diesen Eindruck bekräftigte die Schlussrunde vollauf. Sechs Spieler hatten noch Medaillenhoffnungen und trafen in direkten Duellen aufeinander: Guske – Tran, Azarvash – Goldstein und Stiemerling – Perleberg. Truc stellte fest, dass er gegen alle diese Spieler schon gespielt hatte bzw. nun gerade spielen sollte.
Diese sechs Spieler waren heute insgesamt eine "Klasse für sich". Sie spielten untereinander fast ein vollrundiges Turnier und gewannen gegen den Rest des Feldes alle Partien.

Als erstes kam die Meldung eines Remis nach Stellungswiederholung an Brett 3. Damit war der Weg für Aram zum Klassensieg frei. Er hatte nämlich schon die gegnerische Dame aufgegabelt – nicht als Zufallsfund, sondern durchaus als geplante Kombination. Selbst mit dieser Niederlage blieb sein Gegner noch auf Platz 6, wurde die Spitzengruppe also nicht mehr gesprengt.
Truc hingegen hätte bereits ein Remis zu Platz 1 gereicht. Nach starker Partie und mit einer Mehrfigur lehnte er sogar ein Remisgebot von Kaya ab, willigte wenig später aber doch in die Punkteteilung ein.

Bild Die Junioren auf Berg- und Talfahrt

Bei unseren Junioren war heute etwas der Wurm drin. Gute Partien wechselten mit ärgerlichen Fehlern. Insgesamt war das zu wenig, um die Spitzenplätze angreifen zu können. So musste Lukas konstatieren, dass er "diesen Saal zum ersten Mal ohne Medaille" verlässt. Dennoch ist Platz 7 im diesmal recht großen Feld ein Ergebnis der Kategorie "Durchbeißen, auch wenn es mal nicht so läuft".
Julius spielte eines seiner besseren Turniere und darf mit seiner Bilanz zufrieden sein. Für Moritz gelten heute andere Maßstäbe. Wenige Tage nach dem (sehr erfolgreichen) Abitur tritt Schach verständlicherweise etwas zurück.

Abschiedsturnier für Moritz

Wenn die AG-Leiter einen Schüler nach 8 gemeinsamen Jahren mit dem Abitur ins "richtige" Leben verabschieden, sind das immer irgendwie besondere Momente. Dieser Moment ist jetzt bei Moritz gekommen. Die vielen gemeinsamen schachlichen Stunden gehören zu den rundum angenehmen Erinnerungen in allen AG-Jahren. Wer den jungen Mann kennt, wird diese Einschätzung teilen. Wer ihn nicht kennt, sei nur daran erinnert, dass u.a. der Erfinder des Schach-Sudoku nun das Haus Herderschach verlässt.
Moritz – Alles Gute für die nächsten Jahre und lass uns uns nicht ganz aus den Augen verlieren!

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Sehr einladend und mit reichem Angebot:
Die Cafeteria des Max-Planck-Gymnasiums
Truc holt sich die telefonischen Glückwünsche
des AG-Leiters ab.
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Immer gut informiert… Irgendwie ein typischer LuGu
"Durchbeißen, auch wenn es mal nicht so läuft."
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Moritz und Julius bei Rundenbeginn Siegerehrung der Jugendklasse
Die ersten Drei und der verbleibende Klassensieger

Wo sind wir hier eigentlich?

Bild Seit vielen Jahren ist das Einzel-Schnellturnier die optimale Startgelegenheit für aufstrebende Spieler aus unserer Schach-AG. Für viele liegt sein Reiz darin, dass keine Vereinsspieler am Start sind. Diese Besonderheit führt allerdings bei der Benennung des Wettkampfs zu den ungeschicktesten Verrenkungen.
Es ist aber auch schwierig, eine griffige Bezeichnung für dieses Modell zu finden. Die offizielle Ausschreibung wendet sich an "Schüler(innen) ohne Schachvereinszugehörigkeit" – puh, was für ein Wortungetüm. "Vereinslose" klingt auch irgendwie blöd. Es ist ja nicht so, dass dem Spieler etwas fehlt, sondern er (sie) fehlt dem Verein…
Auch das Wort "Nichtvereinsmitglieder" hat sich wohl nicht durchsetzen lassen. Man kann es zwar ganz gut abkürzen (NVM), aber wer ist schon gern Mitglied in einem Nichtverein?

Ja – die deutsche Sprache findet wohl keinen rundum befriedigenden Ausdruck für diesen eigentlich ganz einfachen Sachverhalt – wie so oft bei der Beschreibung von etwas nicht Vorhandenem. Aber vielleicht ist der sonst so beklagte Vormarsch von Anglizismen und "Denglish" hier doch hilfreich. Bedienen wir uns also bei unseren sprachlich verwandten Nachbarn und sprechen von unattached players.


Bericht und Fotos: Thomas Binder