Einzel-Schnellturnier 2015

Licht und Schatten prägen das Fazit des Turniers unserer jüngeren Spieler. Es ist eben ganz natürlich, dass unter 13 Herderschach-Vertretern nicht jede(r) die Normalform erreicht, dass sich Freude und Enttäuschung die Waage halten. Drei unserer Spieler konnten heute in der Spitzengruppe eines gutklassig spielenden Feldes ein gewichtiges Wort mitreden. Andere sammelten bei ihrem ersten größeren Turnierstart wichtige Erfahrungen und erste Erfolgserlebnisse. Einige hingegen konnten diesmal nicht ihr ganzes Können zur Geltung bringen.
Blickt man bilanzierend auf den Tag zurück, so bleibt der bittere Beigeschmack, dass in vielen Fällen die am Brett gezeigte Leistung nicht ihren Niederschlag in passenden Platzierungen findet.

Ferdi als tragischer Held

Bild Ferdinand Keune (Bild rechts) spielte heute unser bestes Schach und gehörte zu den besten Spielern des Feldes. Er hat inzwischen die Turnierhärte, eine solche Aufgabe mit Bravour zu absolvieren. So kam er ungeschoren bis in die vorletzte Runde. Nur ein halbes Pünktchen – das leidige Thema "Randbauer" – war bis dahin liegen geblieben. Die erste Schlüsselpartie ergab sich gegen den späteren Silbermedaillengewinner Jonas Merz. Jonas hatte bis dahin alle Partien gewonnen, war allerdings mit Glück und Geschick gegen zwei unserer Spieler noch aus Verluststellungen entschlüpft. Ferdi eroberte schnell zwei Figuren, ließ in der Folge mehrfach möglichen Damengewinn per Abzugsschach aus und musste nach einem starken Gegenangriff von Jonas seine Dame für einen Turm geben. Das verbleibende Material sah Ferdi immer noch im Vorteil, und so konnte er die Partie nach einigen weiteren Irrungen und Wirrungen noch gewinnen.

Zu den angedeuteten Turbulenzen trugen auch die Schiedsrichter bei. Für das gesamte Turnier war als Regel verkündet, dass bei einem regelwidrigen Zug eine zweiminütige Gutschrift nach Ermessen des Schiedsrichters erfolgen kann, aber nicht muss. Egal, ob man dies für sinnvoll erachtet oder nicht: In der genannten Partie am Spitzenbrett ereignete sich besagte Situation zweimal, und die beiden Schiedsrichter legten die Regel in der gleichen Partie unterschiedlich aus. Schiedsrichter L. gab Jonas eine Gutschrift, Schiedsrichter B. gab Ferdi – in der Zeitnotphase – keine Gutschrift. Gut, dass sich unser Spieler davon nicht aus der Ruhe bringen ließ.

So kam es zu einem echten Finale zwischen Ferdinand und Simon Liedtke vom Kollwitz-Gymnasium. Beide hatten bisher ein vollauf überzeugendes Turnier gespielt. Jetzt lieferten sie sich eine gute Partie auf Augenhöhe. Ferdi hatte zunächst etwas mehr vom Spiel, brachte einen Mehrbauern ins Turmendspiel. Dann schickte er allerdings seinen vordersten Freibauern etwas zu früh auf die Reise. Diesem fehlte die Absicherung, er ging verloren, und in der Folge brach die ganze Bauernkette ein. Seinen nunmehr bestehenden Vorteil verwertete Simon konzentriert und sicher. Er gewann das Turnier verdient, während Ferdis Abrutschen auf den "undankbaren" 4. Platz doch etwas schmerzte.

Julian und Lucky in der Spitzengruppe

Bild Bild Julian (Foto rechts außen) und Lucky (Foto rechts) spielten mit noch sehr geringer Turniererfahrung ein ganz starkes Turnier. Der Sieger der B-Gruppe des Herder-Turniers kam zu fünf Siegen. Die Niederlage gegen Jonas Merz wäre mit etwas mehr Umsicht im entscheidenden Moment zu vermeiden gewesen. Immerhin darf er sich jetzt Rabiega-Bezwinger nennen, auch wenn es vorerst noch gegen den Sohn des oftmaligen Deutschen Meisters ging.
Lucky startete noch überzeugender mit 3½ aus 4. Das Remis resultierte dabei aus einem etwas glücklichen Patt. In der Schlussphase musste er zwei Niederlagen gegen die Gewinner der Gold- und Silbermedaille hinnehmen, letztere in ausgeglichener Stellung durch Zeitüberschreitung. Dass Platz 10 nicht annähernd seine gezeigte Leistung widerspiegelt, zeigt die höchste Buchholz-Zahl des ganzen Feldes – jedenfalls wenn man der sehr fehlerhaften Abschlusstabelle glauben darf.

Bild Andrei zum letzten Mal dabei

Für Andrei (Foto links) war das heute ein ganz besonderes Turnier. Seine Familie wird Berlin verlassen, und so steht er im kommenden Jahr nicht mehr in unseren Teams. Dieser Verlust schmerzt nach dem erfolgreichen Auftritt heute – auch wenn die letzten Runden das Bild etwas trüben – umso mehr. Wir verabschieden uns von einem Schüler, der mit seinem ganzen Wesen ungeheuer viel Sympathiepunkte sammeln konnte. Seine Schachkarriere ist gerade erst ins Rollen gekommen, und wir hoffen und wünschen, dass er sie am neuen Wohnort fortsetzen kann. Andrei – wenn du mal wieder in der Hauptstadt zu Gast bist, stehen dir die Herderschach-Türen offen.

Zu dritt über 50%

Die Bilanz der übrigen Herderschach-Vertreter stellte viele Fragen und gab nur selten die passende Antwort darauf. Drei Spieler konnten sich immerhin noch über der 50%-Marke halten. Lisa hatte einen schweren Start mit nicht eingeplanten Niederlagen gegen jüngere Spielerinnen. Doch sie kann mit solchen Situationen schon sehr gut umgehen, ließ vier Siege folgen und verlor dann – an den vorderen Brettern angekommen – erst durch Zeitüberschreitung.
Genau synchron dazu war die Punktfolge bei Maxim. Für ihn ist dieses Ergebnis bei seinem ersten externen Schachturnier ein Achtungserfolg.
Maris hingegen hatte sich wohl etwas mehr als 4 Punkte vorgenommen. Er ließ sein Können heute nur in einigen Partien aufblitzen, nahm sich manchmal im entscheidenden Moment nicht genügend Zeit. Maris liest gerade "Das Team" von Heinz Brunthaler. Der Roman über eine Schach-Schüler-Mannschaft ist bei uns so etwas wie Pflichtlektüre. Da gibt es gewiss Anregungen, die Maris auf das eigene Spiel anwenden kann…

Zeit-Missmanagement so oder so

Bild Einige Ergebnisse dieses Tages sind nicht ohne den Blick auf die Schachuhr zu verstehen. Das gilt ganz besonders für Nikolas. Drei seiner vier Verlustpartien ergaben sich aus hoch überlegenen Stellungen durch Zeitüberschreitung. Dabei war die Differenz zur gegnerischen Bedenkzeit so riesengroß, dass die Erkenntnis recht leicht fällt: Im richtigen Moment auf ein flotteres Spieltempo umschalten!
Mangelnde Zeiteinteilung möchte ich auch als Hauptgrund für das Ergebnis von Theodor anführen. Er hat schon oft bewiesen, dass er ein großes schachliches Potential besitzt. Da passt die heutige Platzierung überhaupt nicht ins Bild. Sagen wir mal so: Am zu langsamen Spiel hat es jedenfalls nicht gelegen.

Erste Erfahrungen im Turnierschach…

… sammelten heute Alex, Felix, Frederick und Noah. OK – Felix stand schon an gleicher Stelle im Schnellschach-Team. Gegenüber jenem Turnier hat er heute einen großen Schritt nach vorn gemacht. Alex und Freddi konnten sich gegenüber der Schulmeisterschaft steigern und die ersten Früchte ihres Trainingseifers ernten. Noah, der sich erst in den letzten Wochen in den Blick der AG-Leiter gespielt hat, zeigte einige gute Partien. Da fehlte dann leider noch der entscheidende Schritt, um den vollen Punkt unter Dach und Fach zu bringen.
Diese Diagnose gilt heute für viele Partien unserer Spieler. Wir wissen also, woran es zu arbeiten gilt.
So sei das Schlusswort Felix überlassen: "Wann ist das nächste Schachturnier für mich?"

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Wir konnten viele neue Eröffnungen bestaunen.
Oder so ähnlich…
Von zähem Start noch gut erholt: Lisa
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Viererkette: Julian, Maris, Alex und Ferdi Vorfreude auf das nächste Turnier: Felix

Bericht und Fotos: Thomas Binder