Berliner Meisterschaft 2016 – Vorrunde U12 und U14

Bild Hakob letztlich souverän im Finale

Hakob (Foto links) war klarer Favorit der U12-Vorrunde. Fast 200 DWZ-Punkte trennen ihn von Platz 2 der Setzliste. Sportliches Ziel war natürlich das Erreichen des Finalturniers in den Winterferien. Dort sind auch seine Klassenkameraden Daniel und Minh dabei, die vom Verband einen Freiplatz erhielten.
Mit 4½ Punkten nach 5 Runden – Remis gegen die Nummer 2 – lief auch alles nach Plan. Dann aber kam noch einmal Sand ins Getriebe. Hakob unterlag gegen den großartig aufspielenden Janek Fricke und musste vor der Schlussrunde noch einmal zittern. Doch er warf am Sonntag all seine Routine in die Waagschale, spielte gegen einen starken Gegner geduldig und verwertete schließlich in der längsten Partie der Runde seine kleinen Vorteile sicher. Im Finalturnier wird er nun den noch stärkeren Konkurrenten ein Duell auf Augenhöhe liefern

Lior und Sophie im Mittelfeld

Bild Starkes Turnier von Lior! In seinem ersten U12-Jahr hat er sich gleich in der oberen Hälfte des Feldes etabliert. Leider musste Lior eine Runde aus gesundheitlichen Gründen kampflos abgeben. So sind 4 Punkte aus 6 gespielten Partien ein gutes Ergebnis. Selbst kleine Unachtsamkeiten wurden allerdings von den Gegnern sofort bestraft. Mit seinem phantasievollen Angriffsschach gewann Lior viele schöne Partien.

Auch Sophie musste zum ersten Mal in der U12 antreten. Mit 3 Punkten aus 7 Partien wird sie nicht ganz zufrieden sein. In einigen Partien blieb sie doch weit von ihrem oft genug bewiesenen Können entfernt. Ein glückliches Matt aus Verluststellung in der letzten Runde sorgte dennoch für ein versöhnliches Ende. Und – als Mädchen bekommt Sophie ja immer eine zweite Chance in der separaten Meisterschaft gegen ihre Schachfreundinnen.

Drei Debütanten trauen sich an ihre erste BJEM

Nach sehr guten Ergebnissen in einer Reihe kleinerer Turniere planten die Verantwortlichen der Schachfreunde Siemensstadt den nächsten Schritt für Julian, Aram und Ferdinand. Jetzt sollten sie sich der deutlich anspruchsvolleren Herausforderung einer BJEM-Vorrunde stellen.
Auch wenn die Ergebnisse unterschiedlich ausfielen, kann man dieses Wagnis als geglückt bezeichnen

Bild Julian hatte das Pech, schon in der zweiten Runde ein Freilos zu erhalten. So spielte er lange Zeit an "zu hohen" Brettern und konnte sein Können noch nicht gegen etwa gleichrangige Gegner zeigen. Als sich diese Chance dann in Runde 5 bot, spielte er eine seiner besten Partien überhaupt. Frühzeitig pflanzte er einen weißen Läufer nach d6, wo er zuverlässig die Rochade von Schwarz verhinderte. Selbst den lange Zeit einstehenden Bauern e5 verschmähte Julian: "Ich wollte nicht zulassen, dass Schwarz rochiert." Um diese Konstellation herum führte er einen schönen und schließlich entscheidenden Königsangriff – immer mit der richtigen Balance zwischen Attacke und eigener Absicherung. Das Foto zeigt, dass selbst beim finalen Angriff der Läufer d6 noch die ganze Stellung dominiert.
Dem folgte dann in Runde 6 leider ein Rückfall in schlimmstes Kinderschach. Als nach 50 Zügen der Gegner – einer der immer mit hohem Tempo spielenden Möwensee-Cracks – mattgesetzt hatte, zeigte die Schachuhr bei Julian 2 Minuten mehr als zu Partiebeginn, beim Gegner sogar 7 Minuten. Beide Spieler hatten also nicht einmal die 30 Sekunden Zuschlag pro Zug verbraucht…
In der Schlussrunde spielte Julian eine ordentliche Partie gegen einen starken Gegner, die leider verloren ging. Julian kann dennoch viel Positives aus diesem Turnier mitnehmen. Schon beim Team-Einsatz zwischen den beiden Turnier-Wochenenden zeigte er gewachsene Routine und verhalf seiner Mannschaft zum Sieg.

Bild Aram (Foto rechts) war für viele Beobachter DIE Entdeckung der U14-Vorrunde. Zum Auftakt gewann er gegen einen etablierten Spieler der erweiterten Spitzengruppe und ließ auch in Runde 2 einen Sieg folgen. So traf er in Runde 3 am Spitzenbrett auf den späteren Turniersieger und lieferte Frederick Dathe eine lange Zeit offene Partie. Im weiteren Verlauf gelangen dann gegen starke Gegner "nur" noch zwei Remisen, doch mit einem Platz im hinteren Mittelfeld und einer Erst-DWZ knapp unter 1300 kann er sehr zufrieden sein.

Bild Ein ähnlich erfreuliches Fazit zieht nach 4 Turniertagen auch Ferdinand (Foto links). Er hatte das Pech eines frühen Freiloses, kam aber in Runde 4 zum ersten "richtigen" Sieg. In den Verlustpartien fehlte meist nicht viel zu einem besseren Ergebnis, das wird sich mit wachsender Routine sehr bald aufholen lassen.
Denkwürdig dann Ferdis Partie in der Schlussrunde: Mit schönem Figurenwirbel gewann unser Spieler zwei Türme für zwei Leichtfiguren. Dann ließ er kurzzeitig die Zügel schleifen und lief in eine Springergabel, die einen ganzen Turm kostete. Das passiert ihm gewiss nicht wieder. So hatte die Gegnerin nun Springer, Läufer und einen gefährlichen Freibauern gegen einen Turm. Doch dann bewies Ferdi Zocker-Qualitäten. Kurzerhand opferte er seinen Turm gegen den Freibauern, konnte danach den letzten gegnerischen Bauern abtauschen und ließ der Gegnerin die unangenehme Aufgabe, das Matt mit Springer und Läufer unter Turnierbedingungen vorzuführen. Nach ca. 20 weiteren Zügen stand Ferdis König bedrohlich nahe an der gefährlichen Ecke und man hatte den Eindruck, Nadin würde das Matt souverän beherrschen. Doch sie ließ den König wieder ins Freie und stellte die Gewinnversuche schließlich sogar kurz vor Ablauf der 50-Züge-Distanz ein. Ferdis Spekulation war aufgegangen. Zufall? – Nein, wir hatten gerade am Vortag auf der Rückfahrt darüber gesprochen, dass dies manchmal noch eine Idee zur Rettung sein kann…

Bonmot des letzten Wochenendes

Am Sonnabend gingen um 15 Uhr im U14-Raum die Lichter aus, und der Rest der Runde musste bei bedenklichem Dämmerlicht absolviert werden. Dass Aram nur deshalb seine Dame einstellte, ist allerdings ein unbewiesenes Gerücht.
Ich fragte auf dem Gang Großmeister Kalinitschew "Hast du schon mal so im Dunkeln gespielt?" – Antwort:"Ich habe sogar schon blind gespielt!"

Ergebnisse

AK Platz Name Punkte DWZ-Bilanz
U12 3. Hakob Kostanyan – 18
11. Lior Sklarski 4 + 52
21. Sophie Fayngold 3 + 48
26. Julian Sturm 2 Erst-DWZ 794
U14 16. Aram Azarvash 3 Erst-DWZ 1271
21. Ferdinand Keune Erst-DWZ 1065

In der U12 spielten 29 Kinder, in der U14 waren es 23.


Bericht und Fotos: Thomas Binder