Jugend-Weihnachtsturnier 2015

Zum 13. Mal hatten die Schachfreunde Siemensstadt zu unserem Weihnachtsturnier eingeladen. Obwohl sich der Verein zur Zeit etwas im Umzugsstress befindet, hatte man erneut nahezu perfekte Spielbedingungen geschaffen. Am Anfang verloren wir zwar etwas Zeit durch das sehr gründliche Einlass-Prozedere im altehrwürdigen Siemens-Verwaltungsgebäude, doch in den folgenden Stunden erlebten wir wieder ein großartiges Turnier, bei dem alle 57 Teilnehmer (Rekord eingestellt) mit riesiger Begeisterung bei der Sache waren.
Im Laufe des Nachmittags trafen immer mehr Muttis, Vatis und Geschwister ein. So bevölkerten am Abend wohl fast 100 Personen die Turnierräume und Gänge. Dass wir dabei dennoch ein Schachturnier mit standesgemäßer Turnieratmosphäre über die Bühne brachten, verdient ein besonders dickes Lob an alle Herderschach-Kids und die fleißigen Helfer aus dem gastgebenden Verein.

Der Favorit gewinnt souverän – die erwarteten Verfolger in der Spitzengruppe

Bild Die Wette auf Raphael versprach bei den Buchmachern keine guten Quoten. In den sieben Runden wurde er seiner Favoritenrolle erwartungsgemäß gerecht. Es ist schon sein vierter Turniersieg in Siemensstadt. Nur einer der ganz jungen Herausforderer nahm ihm einen halben Punkt ab. Alle anderen legten sich gegen Raphael zwar besonders konzentriert ins Zeug, konnten auch meist recht lange mithalten, doch am Ende hatte unser Top-Spieler seine Qualitäten im entscheidenden Moment in die Waagschale geworfen.

Bild In der Spitzengruppe blieben große Überraschungen Mangelware. Die etablierten Vereinsspieler bestätigten, dass man auch im Schach mit Erfahrung und regelmäßigem Training gut voran kommt. Silber und Bronze gehen an die beiden Cracks mit dem Vornamen Daniel. Daniel Lewin freute sich über sein bisher bestes Weihnachtsturnier. Daniel Sulayev (Foro rechts) knöpfte dem Sieger bei seinem Debüt einen halben Punkt ab. Das ist ein wichtiger Fingerzeig. Die Meute unserer starken Spieler aus den Klassen 5 und 6 wird es Raphael enorm schwer machen, die beiden noch theoretisch möglichen Turniersiege zu erreichen.

In die Phalanx der erfahrenen Turnierspieler drangen bis Platz 25 nur 3 Teilnehmer ein, die noch keinem Schachverein angehören. Ihr Bester war einmal mehr Jannik. Schade, dass er es nicht schafft, sich aus dieser Kategorie zu verabschieden – aber wir arbeiten dran.

Wie immer begehrt: Die Klassensiege

In den Klassenstufen 5 bis 8 gibt es bei unserem Turnier Sonderpreise. In drei der vier Wertungen war die Vorentscheidung nach 6 Runden gefallen, hatten die späteren Sieger bereits einen ganzen Punkt Vorsprung.
Spannung lag vor allem über Klasse 6: Daniel, Hakob und Minh hatten untereinander je einen Sieg verbucht. So entschied letztlich Daniels Remis gegen Raphael die Klassenwertung zu seinen Gunsten. Hakob saß dem Turniersieger in der Schlussrunde in einem echten Finale gegenüber, unterlag aber nach zähem Kampf. Minh musste in den beiden letzten Runden Niederlagen einstecken und rutschte somit sogar noch aus den Top-Ten.
Bei den Fünftklässlern feierte Lior einen Doppelsieg. Zunächst gewann er das extra für die Jüngsten ausgeschriebene Zusatzspiel, dann war er auch im Turnier Bester seiner Klassenstufe.
Bild Den Titel in Klasse 7 holte sich Lucky mit einer überzeugenden Leistung. Er ist in diesem Jahr dank vieler Turnierstarts gut voran gekommen.
Schließlich gibt es auch in dieser Wertung einen Rekord zu vermelden: Konstantin (Foro rechts) hat bei allen vier Starts die Wertung seiner Klassenstufe gewonnen – und das, obwohl die jetzige 8p eine echte "Schachklasse" mit allein 6 Vereinsspielern in ihren Reihen geworden ist.

Gewimmel im Feld

Im riesengroßen Feld gab es wie immer Freude und Enttäuschung. Jeder Spieler wird für sich entscheiden müssen, ob er mit dem Ergebnis des Tages zufrieden ist. Ein wichtiges Kriterium kann dabei sein, wem der Sprung in unsere Schnellschach-Teams gelungen ist.

Dem Beobachter war es natürlich nicht möglich, sich einen Eindruck von jeder einzelnen Partie zu machen. Im Raum der ersten acht Bretter wurde durchweg vorzeigbares Turnierschach gespielt. An den hinteren Tischen sah man zwar manche eher seltsame Zugfolge, aber eigentlich immer sinnvollen Partieaufbau aus soliden Eröffnungen heraus. Im weiteren Spiel blieben dann natürlich viele taktische Chancen ungenutzt, und sicher fand auch manche Partie den "falschen" Sieger gemäß dem alten Grundsatz "Der vorletzte Fehler gewinnt." Andererseits war der schachlichen Phantasie keine Grenze gesetzt, und so kamen viele interessante Mattbilder auf die Bretter.

Begeisterung bei den drei Zusatzspielen

Gemäß dem Motto "Die Kleinen ärgern die Großen" eröffnet jeder Sieg gegen einen älteren Spieler eine zusätzliche Chance. Würfelt man nämlich dann noch eine EINS, so winkt ein lukrativer Zusatzpreis. Das Würfelglück war aber an diesem Abend meist nicht zu erzwingen, und selbst nach Öffnung auf alle ungeraden Zahlen blieb die Erfolgsquote deutlich unter dem, was man laut Wahrscheinlichkeitsrechnung erwarten durfte. Umso größer war dann die Freude, wenn Caissa und Fortuna – die Göttinnen des Schachspiels und des Glücks – doch einmal gemeinsam lächelten.

Im Schätzspiel ging es darum, wie schwer eigentlich ein Schachturnier ist. Alle Bretter, Figuren, Uhren, Preise und die Ausrüstung der Turnierleitung waren am Abend zuvor über die Waage gewandert und hatten zusammen 107,3 kg auf selbige gebracht. Gut ein halbes Dutzend Tippzettel kamen dieser Zahl recht nahe. Am besten schätzte Minh Tham mit 105 kg. Damit wiederholte er seinen Sieg im Schätzspiel von 2014!

Zu Beginn des Nachmittags gab es noch ein Zusatzspiel für die Teilnehmer aus Klasse 5. In einer komplizierten Stellung auf dem Demobrett sollten sie bestimmen, wie viele Züge der weiße Springer zur schwarzen Dame braucht. Dabei war ihm der kürzeste Weg allerdings mit weißen Bauern "verbauert". Lior fand am schnellsten die richtige Lösung. Selbst der spätere Turniersieger gab freimütig zu, dass er länger gebraucht hätte…

Neugierig geworden? – Hier sind die Bilder…

Weitere Impressionen dieses großartigen Turniertages finden Sie in unserer Bilder-Galerie


Bericht und Fotos: Thomas Binder