Jugend-Herbst-Open 2015

Nur zwei Wochen nach dem Sommer-Open ging es schon wieder an die Bretter. Die verantwortlichen Organisatoren haben offenbar einen direkten Draht zum Wettergott, denn beide Turniere hielten, was die angesagte Jahreszeit versprach.
Wir ließen uns aber vom Regenwetter die gute Schach-Laune nicht verderben und setzten die lange Serie von Erfolgen bei den Jahreszeiten-Turnieren fort.

Im A-Open ging es nur über 4 Runden bei langer Bedenkzeit und DWZ-Auswertung. Das B-Open diente erneut zum Schnuppern der Turnieratmosphäre und zum Sammeln wichtiger Erfahrungen.

Bild Bild Herbst-Open A

Hier brachten wir die breite Phalanx unserer U16-Spieler an den Start. Jeder Einzelne hatte sich das Ziel gesetzt, seine DWZ zu verbessern. Das ist uns fast komplett gelungen.

Den größten Sprung (wohl mehr als 160 Punkte Zuwachs) macht Firat (Foto links). Er gewann 3 Partien, verlor ausgerechnet das interne Duell gegen Truc. Für besonderes Aufsehen sorgte sein konzentriert erspielter Sieg gegen die Nummer 2 der Setzliste, Sander Breitzmann vom SV Empor. Sander hatte übrigens das seltene Erlebnis, in allen 4 Runden auf Herderschach-Spieler zu treffen. Er gestaltete dieses Abenteuer insgesamt knapp positiv.
Für Firat steht als Lohn der Silberpokal. Er hat seine Spielstärke seit geraumer Zeit stetig verbessert. Sicher tragen dazu auch Training und Wettkämpfe im Verein bei.

Knapp hinter Firat folgt Brian auf dem Bronzerang. Er blieb ungeschlagen, spielte vor allem in Runde 3 gegen Sander eine ansprechende Partie.
Truc etablierte sich mit Platz 5 erneut in der Spitzengruppe eines gut besetzten Turniers. Leider ist das jetzige Format des Opens für Spieler ohne DWZ nicht sonderlich attraktiv. Nur 4 Runden – dabei noch einmal spielfrei – da kann man für die Erst-DWZ nur sogenannte Restpartien ansammeln. Hinzu kamen zwei interne Duelle, so dass Truc die einzige "richtige" Partie in der Schlussrunde gegen den souveränen Turniersieger Niclas Hommel absolvierte. Zuvor hatte er gegen seine Teamkameraden auf Platz 2 und 3 immerhin 1½ Punkte gesammelt.

Deutlicher DWZ-Aufschwung auch bei Julian. Unter seinen Erfolgen ist der Gewinn in Runde 1 hervorzuheben, als er dem späteren Vierten die einzige Niederlage beibrachte. Am Morgen des zweiten Tages unterlag er dann am Spitzenbrett gegen Niclas.

Severin und Kristoffer landen knapp unter 50%. Gerade ihnen hätte man ein längeres Turnier gewünscht, in dem sie gegen mehr gleichrangige Gegner ihre Chance bekommen hätten. So bleibt für Severin der Erfolg im direkten Duell dieser beiden Spieler und für Kristoffer ein geduldig herausgespielter Sieg in der letzten Runde – ja, in der letzten Partie des Turniers. In einem Endspiel mit ungleichen Läufern und (anfangs) nur einem Mehrbauern verwertete er Schritt für Schritt die größere Aktivität seines Königs.

Bild Herbst-Open B

Die Seele der Jugend-Open-Szene sind die wuseligen Turniere der U14-Klasse, bei denen sich viele junge Schachtalente ausprobieren und erste Erfahrungen sammeln können. Sie lernen, dass nicht jede Partie und jeder Tag gleich gut laufen, stecken Niederlagen weg und setzen sich mit ungebrochenem Mut zur nächsten Runde wieder ans Schachbrett.

Wir brachten diesmal ein Quintett an den Start. Einige Spieler sind in dieser Turnierklasse schon etabliert, andere erleben ihre ersten Schach-Abenteuer.

Richtig gut lief es diesmal für Theodor (Foto links). Am ersten Tag unterlag er nur dem späteren Gesamt-Dritten, schlug dann die Nummern 1 und 3 der Setzliste. Der zweite Tag brachte zunächst einen Sieg nach (unnötig) turbulentem Verlauf mit einem Bauern-Wettrennen, dass eigentlich schon zu Gunsten des Gegners entschieden war. Dann folgte ein schneller Erfolg und in der Schlussrunde sogar noch ein echtes Finale um den Turniersieg. Da unterlag Theo zwar gegen einen spürbar besseren Spieler, doch Platz 3 in der U14-Wertung ist schon sein zweiter Open-Pokal.

Lucky kam am Samstag nur zu einem Erfolg, der Sonntag war dann mit 100%iger Ausbeute sein Tag. Mit stoischer Ruhe hielt er auch in schlechteren Stellungen stand und verdiente sich doch noch den Punkt.

Bild Erneut ein starker Auftritt von Lisa (Foto rechts)! Zwar waren nur zwei Mädchen am Start, doch den Sieg in dieser Wertungskategorie hatte sich unsere Spielerin vollauf verdient. Schon in Runde 1 kreuzte sie am Spitzenbrett auf und nahm einfach mal dem Top-Gesetzten den ganzen Punkt ab. Später folgte ein Remis gegen die Nummer 2 der Setzliste. Das war die Basis für einen Platz im oberen Tabellendrittel. Erst in der Schlussrunde ging Lisa etwas die Puste aus, das Bangen um Platz 1 in der Mädchenwertung dauerte aber nicht mehr lange.

Bild Ein echter Neuling in der Open-Turnierserie ist Felix (Foto links). Das wussten aber nur seine Betreuer, denn vor Ort fühlte er sich wohl wie ein Fisch im Wasser. 50% sind ein tolles Auftakt-Ergebnis und machen Lust auf (viel) mehr. Dann kommt auch die Routine hinzu, eine vorteilhafte Stellung wirklich zu gewinnen.
In Erinnerung bleibt die enorm anstrengende Partie der 5. Runde. In einem komplizierten Turmendspiel war Felix Herr der Lage, hatte aber seine Zeit bis auf wenige Sekunden verbraucht. Die verbleibende Stellung mit einem Randbauern hätte natürlich remis enden sollen, doch der Gegner ging mit dem König nicht in die rettende Ecke. So holte sich Felix noch eine Dame und setzte "in letzter Sekunde" matt.

Zweites großes Schachturnier in kurzer Zeit für Kai. Zum Glück hat der Berichterstatter nur den Sonntag gesehen… Am Samstag war unserem jüngsten Teilnehmer nicht viel gelungen, doch am Sonntag drehte er fabelhaft auf. Neben einem Remis standen zwei schön erspielte Siege, bei denen man auch spürte, dass Kai schon versucht, ein paar Züge voraus zu denken. Das soll im Schach manchmal ganz nützlich sein.


Bericht und Fotos: Thomas Binder