Jugend-Sommer-Open 2015

Bild Das diesjährige Sommer-Open hielt gegenüber seinen Vorgängern einige Neuerungen bereit. Der Termin am Halloween-Wochenende – zudem in den Ferien – passte kalendarisch nicht ganz, doch sonniges Wetter sorgte für den (fast) sommerlichen Rahmen.
Kurzfristig hatten die Ausrichter die bisherige DWZ-Grenze um 200 Punkte angehoben. Das tat dem Spielniveau des Turniers natürlich gut, änderte aber auch den Charakter eines Einsteiger-Turniers etwas. So brachten einige Teilnehmer bereits reichlich Turniererfahrung mit. Für uns kam diese Änderung zu spät, wir hatten unsere Personalplanungen bereits abgeschlossen. So gaben wir vielen Turnier-Debütanten die Chance, das ganze Flair eines "richtigen" Schachturniers kennenzulernen. Da war alles neu: Schachuhr, Zügeaufschreiben und Feinheiten wie "Wie lang ist noch mal die lange Rochade?"

So sehen wir unsere Ergebnisse auch sehr individuell und freuen uns über 2 Bronze-Pokale und 2 Klassensiege. Rechnet man die Startlisten auf die früher übliche DWZ-Begrenzung herunter, wären die Erfolge noch deutlich eindrucksvoller.
Julian und Ferdi werden in den beiden Turnieren jeweils Dritter. Sie spielten immer in der Spitzengruppe mit und konnten mit den Besten mithalten. Aram landet ganz knapp geschlagen auf einem tollen 4. Platz und übernahm von Ferdi – der ja schon einen Pokal in Händen hielt – die Goldmedaille als bester Spieler unter DWZ 800. Schließlich gewinnt Truc die Wertung der älteren Spieler. Offiziell war dies eine U18, de facto aber eine U16.
Und noch eine Überraschung gab es bei der Siegerehrung: Lisa durfte sich über die Medaille der U12-Mädchenwertung freuen, weil die verdiente Siegerin schon abgereist war. Mit zwei tollen Partien am Sonntag hatte sie sich diese Ehrung schwer erarbeitet.

Sommer-Open A

Bild Bild Starkes Turnier von Ferdinand und Aram! Ferdi (Foto rechts) war in der 1. Runde spielfrei, ließ dann einen Sieg folgen. In der 3. Runde setzte es leider eine ärgerlich schnelle Niederlagen gegen den späteren Zweitplatzierten Jannis Laube aus Potsdam. Schade – wir hätten gern eine umkämpfte Partie gesehen, in der Jannis hätte zeigen können, ob er der Stärkere ist. Am Sonntag spielte sich Ferdi mit zwei Siegen ans Spitzenbrett. Gegen den bis dahin überzeugend mit 100% auftrumpfenden Maxime Bédé gab es schließlich einen langen Kampf und ein gerechtes Remis im Bauernendspiel.
Aram (Foto links) hatte am Samstag dreimal gepunktet. Dann setzte Maxime in der 4. Runde das Stoppzeichen. Doch Aram suchte konzentriert seine Chance und blieb in der Spitzengruppe. Am Ende fehlte nur ein halber Buchholz-Punkt zum Bronzerang.

Auf und Ab ging es bei Truc. Für ihn hätte mehr möglich sein sollen als 4 Punkte. Doch am Ende reichte dies, um die separate Wertung der 6 älteren Spieler knapp für sich zu entscheiden.

Theo erwischte am Sonnabend einen Tag zum Halloween-Gruseln. Der Blick auf die Tabelle dürfte ihm da gar nicht gefallen haben. Doch als sportlicher Kämpfer von Format spielte er am Sonntag locker auf und gewann alle drei Partien.

Moritz und Marvin werden mit ihrem Ergebnis nicht zufrieden sein. Bei Moritz reichten Kraft und Konzentration offenbar nur für zwei Runden. Warum danach gar nichts mehr gelingen wollte, wird er nur selbst wissen. Marvin fand nie so richtig Anschluss an die Spitzengruppe. Wer an seinem Geburtstag ein Schachturnier spielt, hat für diesen Einsatz eigentlich ein besseres Ergebnis verdient.

Und Niki? – Die Tabelle täuscht: Nikolas kann Schach spielen! Wenn da nur nicht diese blöde Schachuhr ticken würde… Es gelang ihm noch nicht, im richtigen Moment auf schnelleres Spiel umzuschalten. So gingen auch gut stehende Partien verloren.

Sommer-Open B

Bild Unsere Hoffnungen, in diesem Turnier vorn mitspielen zu können, ruhten auf Julian und Maris. Sie haben ihre Sache gut gemacht und sich in der Spitzengruppe etabliert. Julian (Foto rechts) verdarb in der 3. Runde eine sehr gute Partie zum Patt, hielt aber Anschluss zu den besten Plätzen. Am Sonntag unterlag er dann im vorentscheidenden Duell gegen den absolut überzeugend aufspielenden Turniersieger Kai-Minh Neumann aus Friedrichsfelde. Dieser Niederlage ließ Julian zwei sehr stark erspielte Siege folgen und sicherte sich verdient den Bronzepokal. Logische Konsequenz wird es nun sein, sich noch anspruchsvolleren Aufgaben zu stellen.
Maris stand seinem Freund kaum nach. Gegen zwei Spitzenspieler wurde zwar verloren, doch die vier Siege sahen durchweg souverän aus.

Schweizer-System-Zickzack

Hinter Julian und Maris klafft in "unserer" Tabelle eine Lücke, die wir uns gern etwas kleiner gewünscht hätten. Doch die vier Spieler mit einer 50%-Ausbeute ließen bei vielen Gelegenheiten ihr Können aufblitzen, andere Partien gingen hingegen noch etwas daneben. Drei Spieler dieses Quartetts spielten übrigens den typischen Schweizer-System-Zickzack, den auch ihr Trainer schon oft genug am eigenen Leibe erfahren hat.
Lucky hatte innerhalb dieser Gruppe die stärksten Gegner. Seine Partieanlage passte dabei eigentlich eher zu den Spitzenbrettern. Dorthin wird der Weg sicher bald führen.
Maxim spielte erstmals auf diesem Turnierniveau mit und darf sich über einen Platz in der oberen Tabellenhälfte freuen. Dicht dahinter folgen Lisa und Kai. Lisa spielte wie immer mit vollem Krafteinsatz. Fast in jeder Runde gehörte ihre Partie zu den längsten. Ihr Sieg am Sonntagmorgen nach fast 80 Minuten Spielzeit und mit einer Riesen-Menschentraube am Brett (Bild auf der Galerieseite) wird in die historischen Herderschach-Momente eingereiht. Die Leistung und Anspannung in der Schlussrunde stand dem kaum nach.
Kai haderte zwar mit dem Schicksal, gleich 4x auf Kameraden aus der eigenen Schule zu treffen, doch gegen die beiden "fremden" Spieler blieb er siegreich. Drei Siege sind im ersten externen Schachturnier ein tolles Ergebnis!

Bild Mit 2½ Punkten rangieren Tilman (Foto links) und Adrian auf benachbarten Plätzen im hinteren Mittelfeld. Das hätte leicht anders sein können, wenn Tilman die überlegen geführte Partie im direkten Duell der letzten Runde mit Matt statt Patt beendet hätte. Sein Turnierdebüt ist auf jeden Fall gelungen. Er hat bereits mehrere Vereinsspieler im Klassement hinter sich gelassen.

Drei unserer Spieler sind leider nicht über genau einen Achtungserfolg hinweg gekommen. Sie spielten ihr erstes großes Schachturnier. Am Anfang war noch alles fremd und neu, doch mit der Zeit lief es immer besser. Beim ersten Turnier lernt man immer besonders viel, und das war auch heute zu spüren. In der Pause erklärte ich Fabian eindringlich, wie wichtig es ist, zunächst alle Figuren ins Spiel zu bringen. Nach der 6. Runde kam er freudestrahlend zu mir: "Jetzt hat das geklappt, was Sie mir gesagt haben." Ja – die Partie sah plötzlich ganz anders aus, und der Punkt wanderte auf Fabians Seite.

Am Rande beobachtet

Bild Dickes Lob an unser gesamtes Team, das gemeinsam ein tolles Wochenende verbrachte und es den Betreuern leicht machte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Großer Dank auch an die zahlreich mitgereisten Mütter. Sie halfen uns, bei so vielen Schachzwergen den Überblick zu bewahren, und waren immer zur Stelle, wenn Rat oder auch Trost gebraucht wurden.
Wir haben uns auch sehr gefreut, wie diesmal der altersübergreifende Zusammenhalt der Herderschach-Kids funktioniert hat.

Ein weiterer Running-Gag der Herderschach-Geschichte setzte sich an diesen beiden Tagen fort. Wenn sich der Turniersaal allmählich leerte, waren eigentlich immer unsere Schüler noch an den längsten Partien beteiligt. In der 5. Runde des U12-Opens liefen z.B. die letzten 4 Partien sämtlich mit unserer Beteiligung.
Und weil nicht alles Gold war, was heute glänzte, sei noch angemerkt, dass mindestens 3 halbe Punkte durch völlig unnötige Patts aus haushoch überlegener Stellung verschenkt wurden.
Konzentration also bitte bis zum letzten Zug der Partie – und bis zum letzten Satz dieses Berichtes. Danke!


Bericht und Fotos: Thomas Binder