Jugend-Winter-Open 2016

Mehr als 80 Teilnehmer plus über 50 beim parallelen Kinder-Open – Schach in den Schulferien boomt! Das große Feld hatte allerdings auch seine Schattenseiten. Leistungs- und Altersgefälle waren recht hoch. Eine Aufteilung in mindestens zwei Gruppen hätte dem Spielniveau und der Ruhe im Turnierraum gut getan und ganz nebenbei viele Kinder vor einem frustrierenden Ergebnis geschützt. Einige Vereine kennen leider bei den internen Nominierungskriterien keinerlei Maß und Verantwortung…

Für uns setzte sich die Erfolgsgeschichte der Jahreszeiten-Turniere fort: Pablo wiederholte Platz 2 aus dem Vorjahr, und Truc bekam den Pokal als bester Spieler ohne DWZ.

Bild Platz 2: Pablo Schlesselmann – 6 Punkte

Ein einziger Blackout kostet Pablo den Turniersieg. In Runde 2 stellte er ganz früh eine Figur ein. Aus dieser Niederlage resultierte dann ein vorübergehendes Abrutschen in der Tabelle, und schließlich war dies wohl verantwortlich für die fehlenden 2½ Buchholz-Punkte am Ende.
Am Schachbrett eilte Pablo nun von Sieg zu Sieg. Vor allem der Montag mit zwei schönen Angriffspartien gegen Felix Reichmann und Marc Gräbnitz – beide gehören für mich zu den "Entdeckungen" dieser vier Tage – war ganz stark.

Am Dienstag gab es dann ein Kuriosum: Vor einem Jahr war Pablo in Runde 7 des gleichen Turniers auf Amina Fock getroffen. Damals unterlag er und büßte den greifbar nahen Turniersieg ein. Jetzt führte das Los wiederum beide in Runde 7 an Brett 1 zusammen. Wieder ging es um den Turniersieg. Diesmal gewann Pablo, nachdem er einen scheinbaren Figurengewinn Aminas sehr schön widerlegt hatte. Doch ein eher unerwarteter Ausgang der Partie an Brett 2 sorgte wegen der oben schon beklagten fehlenden Buchholz-Punkte wiederum für den Silberrang. Ein ordentlicher DWZ-Zuwachs hilft über die Enttäuschung hinweg, dass es wieder nicht ganz geklappt hat.

Platz 14(10): Severin Göbel – 4½ Punkte

Bild Wir wussten vorher, dass Severin das Turnier nach der 6. Runde wegen einer Urlaubsreise beenden muss. Dennoch stellte er sich voll motiviert zum Wettkampf. Schon dies verdient hohe Anerkennung. Severin spielte konzentriert und mit guter Zeiteinteilung. Er steigerte sich im Laufe des Turniers zu sehr guter Form, spielte am letzten Tag sein bestes Schach.
Der Auftakt geriet noch daneben. Gegen die Nummer 3 der Setzliste verlor Severin früh eine Figur. Das Endspiel mit Läufer + 3 Bauern gegen 4 Bauern spielte sein Gegner dann sehr souverän, auch wenn Severins Bauer schon die 7. Reihe erreicht hatte. Es folgten drei relativ leichte Siege – darunter ein hübscher Damenfang – und dann eine ganz starke Partie gegen einen ca. 160 DWZ-Punkte stärkeren – und dabei noch sehr jungen – Spieler. Fast dreieinhalb Stunden dauerte es, bis der Punkt gewonnen war.
Ein Remis gegen den Top-Gesetzten rundete das erfolgreiche Turnier ab. Severin war hin und her gerissen zwischen der Vorfreude auf eine tolle Urlaubsreise und der Lust, auch in Runde 7 noch sein Können zu zeigen. Etwa 100 DWZ-Punkte Zuwachs werden ihm die Entscheidung erleichtert haben.
Die offizielle Tabelle führt Severin auf Rang 14. Als er nach 6 Runden ausstieg, lag er auf Platz 10.

Bild Platz 18: Truc Lam Tran – 4½ Punkte

Wieder ein starker Auftritt von "TLT". Der erste Tag bescherte ihm zwei ganz leichte Siege. Hier traf ihn das "beschleunigte" Schweizer System, über dessen Sinnhaftigkeit man gewiss streiten könnte, wenn nicht der Glaube des Berliner Jugendausschusses daran so unerschütterlich wäre.
In Runde 3 saß Truc dafür an Brett 2 der Titelverteidigerin gegenüber. Nach langem Kampf gab ein Minusbauer den Ausschlag. In der folgenden Partie gegen Felix Reichmann fand unser Spieler keine Ideen, war noch zu sehr von der Vormittagsrunde geschlaucht.
Am Montag konnte Truc dann wiederum zwei Siege feiern. Besonders eindrucksvoll war seine Gewinnpartie gegen Oliver Ellert. Dessen Verein schreibt auf seiner Homepage, Oliver habe sich mit dieser Partie "blamiert". Das sehe ich ganz und gar nicht so. Truc setzte einfach konsequent um, was er im Training gelernt hat. Bei entgegengesetzten Rochaden wird konsequent auf der gegnerischen Königsseite angegriffen. Selten habe ich dieses Konzept so klar durchgeführt gesehen wie in dieser Partie.
Am letzten Tag regierte dann ein wenig die Angst: Truc gab recht früh Remis, als klar war, dass er damit den Pokal als bester DWZ-loser Spieler gewinnen würde. Immerhin war es seine letzte Chance auf einen solchen Wertungssieg. Jetzt hat er seine erste DWZ, und die wird weit über 1200 liegen!

Platz 23: Aram Azarvash – 4½ Punkte

Bild Blickt man auf die Zahlen, müssten wir über Arams Ergebnis enttäuscht sein. Doch er weiß selbst, dass seine Erst-DWZ aus der BJEM-Vorrunde etwas über dem gegenwärtigen Leistungsstand lag. So gesehen, passt das Open-Ergebnis sehr gut in Arams aktuelle Entwicklung. Er hat den Schritt zum "richtigen" Schachspieler geschafft, spielt jetzt auch in langen Partien souverän und mit guter Zeiteinteilung. Die enorme Geduld seiner Trainer und Betreuer beginnt sich auszuzahlen.
Nur selten gab es noch einen Rückfall in alte Zeiten, so bei einem einzügigen Dameneinsteller in der letzten Runde. Doch da waren der Materialvorsprung und die schachliche Überlegenheit schon so groß, dass selbst dieses Missgeschick ohne Folgen blieb.
Begonnen hatte das Turnier mit einem überzeugend erspielten Sieg gegen den Sieger des U12-Sommer-Opens. Dann folgten zwei Niederlagen. Zunächst kostete ein Doppelangriff früh eine Figur. Dann unterlag Aram in einem interessanten Endspiel, in dem gleich zweimal unser aktuelles Trainingsthema "Bauernwettlauf" zur Debatte stand. In der zweiten Turnierhälfte gelang Aram dann (fast) alles. Nur einmal noch musste er den Punkt teilen. Er hatte in dieser Partie zwar eine Qualität gewonnen, doch eine verrammelte Bauernkette mit allen 16 Bauern erlaubte kein Durchkommen.

Bild Platz 50: Sophie Fayngold – 3 Punkte

Sophie zeigt im Moment bei mehrtägigen Turnieren leider nicht durchgängig ihr Können. Da fehlt wohl noch die Kraft, sich auf mehrere lange Partien am Tag zu konzentrieren. Schachlich gehört sie gewiss viel weiter nach vorn, aber im harten Wettkampf ist es schwer, das umzusetzen. So sahen wir Fehler, die im Training und in Mannschaftskämpfen schon lange nicht mehr vorkommen. Dass Sophie dabei wohl sogar noch einen DWZ-Zuwachs verbuchen kann, zeigt, dass sie es meist mit starken Gegnern zu tun bekam, die jede Ungenauigkeit bestraften.
Sicher werden ihre Trainer im Verein die Situation analysieren und sie wieder in die Erfolgsspur zurück bringen. Als Mädchen bekommt sie ja mindestens noch die Chance in der separaten Berliner Meisterschaft. Dann gehörst du wieder zu den Besten, Sophie!


Bericht und Fotos: Thomas Binder