Einzel-Schnellturnier 2016

Beim Einzelturnier zum Ende des Schuljahres starten traditionell Spieler mit noch geringer Turniererfahrung. So können wir immer wieder nachrückenden Talenten eine Wettkampfgelegenheit geben, die sich in den letzten Monaten durch Trainingseifer und jederzeit angenehmes Auftreten diese Chance verdient haben. Das Starterfeld ist dabei von Schülerinnen und Schülern geprägt, denen man die große Begeisterung für das königliche Spiel anmerkt, auch wenn strategisches Denken und schachliche Übersicht noch entwickelt werden müssen. Man sieht eine Vielzahl taktisch geprägter Partien mit außergewöhnlichen Konstellationen und Motiven. Oft wird im Übereifer noch ein klarer Vorteil hingeschenkt, aber am Ende setzen sich ganz sicher diejenigen durch, die in der Gesamtheit aller Turnierqualitäten vorn liegen.

Bild Den Höhepunkt in Sachen ungewöhnlicher Stellungsbilder bildete heute eine Partie, in der Weiß gefühlte 20 Züge lang unbemerkt mit zwei weißfeldrigen Läufern (siehe Foto) spielte – nein, es war keine Bauernumwandlung geschehen – und sich dennoch eine durchaus sehenswerte "ganz normale" Schachpartie entwickelte…

Bild Khalid kämpft um den Turniersieg und wird souveräner Klassensieger

Dass bei Khalid (Foto links) heute etwas gehen würde, war nach Platz 1 in der B-Gruppe unserer Schulmeisterschaft abzusehen. Er spielte sein erstes externes Turnier überhaupt und startete famos mit zwei souveränen Siegen. In Runde 3 folgte ein ebenfalls sicherer Erfolg gegen seinen Klassenkameraden Dennis und nach zwei weiteren Erfolgen war der Klassensieg bereits in trockenen Tüchern. Dabei war der Gewinn in Runde 5 allerdings etwas glücklich. Aus hoch überlegener Stellung versäumte es Khalid, sich bei einigen taktischen Scharmützeln etwas mehr Zeit zu nehmen. Schließlich stand er mit einer Minusfigur am Rande der Niederlage, als die Gegnerin die Bedenkzeit überschritt. Auch in den beiden letzten Partien fehlte noch die Routine, im richtigen Moment gründlicher nachzudenken. So rutschte er zwar vom Siegertreppchen, blieb aber mit Abstand bester Spieler aus Klasse 8.
Khalid zeigt in seinen Partien viele gute Ideen. Leider gehört er erst seit diesem Schuljahr zu unserer AG. Mit Erfahrung aus weiteren Turnieren wird er sicher bald noch viel weiter nach vorn kommen.

Bild Auf und Ab bei unseren übrigen Teilnehmern

Irgendwie typisch verlief das Turnier für unsere vier weiteren Spieler. Allen fehlt es noch ein wenig an anspruchsvoller Turnierpraxis. So zeigten sie in vielen Partien, was sie im Training gelernt haben. Da sah man ordentliche Partieanlagen aus der Eröffnung und viele gute Angriffsideen. Allerdings wurde noch zu oft der Vorteil und mögliche Gewinn durch unnötig einfache Fehler zunichte gemacht. Mehr denn je haben wir an diesem Tag gelernt, was es heißt, sich im richtigen Moment etwas Zeit für das Verständnis der Stellung und der möglichen Pläne – aber auch der drohenden Gefahren – zu nehmen.

Am besten gelang das heute Nikolas und Dennis. Niki (Foto rechts) zeigte aus dieser Gruppe wohl das beste und insgesamt schon recht sichere Schach. Er hatte aber in den meisten Partien einen zweiten Gegner – die Schachuhr. So ging selbst bei den selbstverständlichsten Zügen oft zu viel Zeit verloren, was in mindestens zwei Fällen unnötige Niederlagen eintrug. Dass er sich dennoch als zweitbester Herderschach-Vertreter präsentierte, zeigt, was mit mehr Routine möglich ist. Die schachliche Qualität hätte einen Top-Ten-Platz locker hergegeben.

Starkes Turnier von Dennis! Auch er setzte sich erstmals außerhalb der eigenen Schule ans Turnierschachbrett. Nach zwei sicheren Siegen zum Auftakt stoppte ihn erst Khalid im internen Spitzenspiel. Im weiteren Verlauf sahen wir dann einen Schweizer-System-Zickzack, immer in Reichweite der erweiterten Spitzengruppe. Auch Dennis kann aus dem heutigen Turnier viel für weitere Starts mitnehmen.

Felix startete recht fahrig und wurde in Runde 3 sogar mit dem Freilos "bestraft". Dann kam er aber immer besser in Tritt, stand ebenfalls am Rande der Top-Ten, als eine ärgerliche Niederlage in der Schlussrunde das Happy-End verhinderte. Seine offene Partieanlage ist eben besonders anfällig dafür, nach einem einzigen Versehen schnell zusammenzubrechen. Immerhin konnte sich Felix gerade noch in der vorderen Tabellenhälfte halten.

Einzig Gay Filip bleibt unter 50% und damit in der zweiten Hälfte des Tableaus. Die Ursache ist schnell ausgemacht: Gleich zweimal setzte Gay aus hoch überlegener Stellung patt. Das passiert ihm gewiss nicht wieder, und so wird er sich schon bald wieder in der Form des Mannschaftsturniers vom Januar an gleicher Stelle präsentieren.

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Golden strahlt der Pokal unseres Klassensiegers. Starkes Turnierdebüt für Dennis
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So ernst blickt Felix eigentlich nur selten. Anstrengende Denkarbeit bei Gay
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Mit der Schach-App wird es in der S-Bahn nicht langweilig. Verdienter Stolz bei der Siegerehrung

Bericht und Fotos: Thomas Binder