Einzel-Schnellturnier 2016

Am Donnerstag erfüllten sich für unsere 14 Starter leider nicht alle Träume. Die vier Mädchen überzeugten vollauf und stellten mit Lisa sogar eine Klassensiegerin. Den Jungen gelang es hingegen nicht, in allen sieben Runden ihr ganzes Können aufs Brett zu bringen. Jeder von ihnen zeigte die eine oder andere sehr gute Partie. Dann folgten aber wieder unerklärliche Aussetzer und Partien weitab vom eigenen Leistungsvermögen. Ein solch anspruchsvolles Turnier ist eben nur mit höchster Konzentration über den gesamten Zeitraum von gut vier Stunden erfolgreich zu bestehen. Am besten gelang das heute Kai. Dass er nach dem Abrafaxe-Turnier erneut unser Top-Spieler war, kann kein Zufall sein…

Bild Herders Mädchen mit Spielfreude und Selbstvertrauen

Das war ein super-überzeugender Auftritt in Sachen Mädchenschach aus dem Hause Herder. Angeführt von Lisa, die schon bei zahlreichen vergleichbaren Turnieren dabei war, steigerten sich die drei jüngeren Spielerinnen mit noch ganz wenig Wettkampferfahrung enorm. Von der prima Stimmung in diesem Quartett ließen sich Joana, Alexandra und Sophie mitreißen. Man freute sich über jeden Erfolg gemeinsam und fieberte in den letzten Runden vor allem Lisas Klassensieg entgegen. Das hat heute auch dem in Sachen Mädchenschach wenig erfahrenen Trainer riesigen Spaß gemacht!

Bild Lisa holt sich den Klassensieg

Ziemlich früh konzentrierten wir unsere Hoffnungen auf den Klassensieg in Klasse 7. Es gab ein packendes Duell gegen die vorjährige Vizemeisterin im Gesamtturnier. Sieben Runden lang lieferten sich beide Spielerinnen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Lisa (Foto rechts) war in Runde 2 nach langem Kampf der Gesamtsiegerin von 2015 unterlegen. In Runde 5 folgte ein – sehr glückliches – Remis gegen eine weitere Spielerin der Spitzengruppe. Damit lag Lisa einen halben Punkt zurück in Lauerstellung. Mit zwei hoch konzentrierten und souverän gewonnenen Partien tat sie das Ihre für den Klassensieg und konnte am Ende jubeln, weil die Rivalin in der Schlussrunde an Brett 2 unterlag. Heute ist Lisa erneut ein sehr überzeugendes Turnier gelungen. Selbstvertrauen und Konzentration haben gestimmt. Die vielen anspruchsvollen Partien, denen sich Lisa in der eigenen AG stellt, haben ihrer Spielstärke weiter gut getan. Verdienter Lohn: Neben dem Klassensieg gibt es die Bronzemedaille in der Kategorie "Jugend" (Klasse 7 bis 9) und Platz 4 im gesamten Mädchenturnier.

Joana, Alexandra und Sophie mit Spielfreude zu schönen Erfolgen

Die Freude über Lisas Erfolg vervierfachte sich, weil auch unsere übrigen Vertreterinnen ein tolles Turnier spielten. Sie brachten kaum Wettkampferfahrung mit, zeigten aber, dass sie im ersten Herderschach-Jahr schon eine Menge gelernt haben. Anfangs noch etwas zögernd, steigerten sie sich im Laufe des Tages zusehends und reihten zum Schluss Erfolg an Erfolg. Dabei war Joana nicht nur unsere zweitbeste Spielerin, sondern überraschend auch die Remiskönigin. Damit stellt sie bei dieser Turnierserie einen Herder-Rekord ein. Nach der Auftaktniederlage in ihrer allerersten externen Turnierpartie blieb Joana ungeschlagen. Dass sogar noch mehr möglich war, zeigt z.B. das sehr kreative Patt in Runde 6, welches deutlich schwieriger war als ein schnödes Allerwelts-Mattbild…
Alexandra – sie stand im Januar an gleicher Stelle schon im Schnellschach-Team – haderte zunächst mit der Schachuhr. Die beiden ersten Partien gingen unnötig durch Zeitüberschreitung verloren. Als sie dann mit der Bedenkzeit besser zurecht kam, gab es in der Tabelle (fast) kein Halten mehr.
Ganz große Steigerung auch für Sophie. Selbst die B-Gruppe des Herder-Schulturniers ist eine harte Prüfung. Durch diese mit Bravour (und 2 Punkten) gegangen zu sein, machte sie so stark, dass sie heute völlig problemlos in ihrem ersten externen Turnier bestehen konnte. Mit einem ähnlich starken Endspurt wie ihre Klassenkameradinnen kam sie auf 3½ Punkte und einen Platz im Mittelfeld der Tabelle.

Unseren Maxi-Jungen fehlt noch die Konstanz

Mit gleich 10 Spielern gingen wir in das Rennen der Altersklasse "Maxi" (Klassen 5 und 6). Da bestand durchaus die Hoffnung, dass gleich mehrere Spieler lange im Spitzenfeld mithalten würden. Doch leider zerstob dieser Traum recht früh. Irgendwie unerklärlich wurden viele gute Chancen vertan. Ansehnliche Partien, die dem aktuellen Leistungsstand aus dem Training und früheren Turnieren gerecht wurden, wechselten mit üblen Aussetzern und mehr oder wenig leichtfertig vergebenen großen Stellungs- oder Materialvorteilen. Selbst innerhalb einer einzelnen Partie gelang es oft nicht, die Konzentration lange genug auf höchstem Level zu halten. Dass alle zehn eingesetzten Spieler deutlich mehr können, haben sie in einzelnen Partien gezeigt. An der Fähigkeit, ein solch schweres Turnier – sieben Schnellschachpartien praktisch ohne Pausen – konzentriert an der Grenze des eigenen Spielniveaus durchzuhalten, müssen wir noch arbeiten. Das gelingt vermutlich am besten, wenn wir uns auch im neuen Schuljahr solchen Herausforderungen stellen und die heutiegen Erfahrungen mitnehmen.

Besonders schmerzlich ist die Erkenntnis, was heute mit etwas mehr Konzentration möglich gewesen wäre. Der souveräne Turniersieger verdankt die Goldmedaille – neben zweifellos vorhandenem eigenen Talent – den Aussetzern zweier unserer Spieler im direkten Duell. Fabian hatte gegen ihn das Endspiel Dame + Turm gegen Turm bei zwei belanglosen Minusbauern. Statt selbst konsequent auf Matt zu spielen, machte er die gegnerischen Bauern erst stark und verlor noch. Kai hatte eine Runde später zwar eine bedenkliche Stellung, hätte jedoch zwingend Dauerschach geben können. Nach gefühlt fünfmaliger Stellungswiederholung ohne Reklamation durch einen der Spieler entschloss er sich zu einer anderen Fortsetzung, die zwar zwei Bauern gewann, den gegnerischen Freibauern auf der 6. Reihe aber nicht mehr stoppen konnte – doppelt schade!

Bild Bild Kai wieder ganz vorn dabei

Auch wenn wir gerade über das ausgelassene Remis gegen den Turniersieger geklagt haben, spielte Kai (Foto ganz rechts) erneut ein sehr gutes Turnier. Mit 5 Punkten und Platz 6 in der Gesamtwertung erfüllte er noch am ehesten unsere Erwartungen. Sein erstes Herderschach-Jahr hat eine Reihe schöner Erfolge eingetragen. Da kann man ganz sicher sein, dass es im neuen Schuljahr weiter steil nach oben geht.

Neunmal im breiten Mittelfeld

Wenn die Leistungen über den Tag so heftig schwanken, dann sind Plätze im Mittelfeld die logische Konsequenz. Sicher wird jeder Spieler selbst darüber nachdenken, woran es heute gelegen hat, dass zu viele Partien den falschen Sieger fanden. Am fehlenden schachlichen Können lag es ganz sicher nicht (nur). Von den unnötigen Fehlern war schon weiter oben die Rede. Hinzu kam in einigen Fällen, dass man sich nach einer ärgerlichen Niederlage – sei es durch Zeitüberschreitung oder einen verspielten klaren Vorteil – nicht schnell genug wieder auf die nächste Aufgabe fokussierte. Auch solche Qualitäten sind eben im Turnierschach gefragt.
Einerseits vielleicht überraschend, nach den angedeuteten Ursachen aber vielleicht auch folgerichtig, war unser zweitbester Spieler heute Rasmus (Foto innen rechts). Sein erster Turnierstart gehörte zu den wenigen positiven Überraschungen des Tages. Den zähen Beginn (1 aus 3) steckte "Ras" gut weg und ließ dann eine Siegesserie folgen – unterbrochen nur von einem kräftesparenden "Großmeisterremis" im richtigen Moment…

Mit je 4 Punkten haben Fabian, Maris, Maxim und Thore gezeigt, dass sie zur besseren Hälfte des Feldes gehörten und dass im nächsten Schuljahr ein neuer Angriff auf die Spitzenplätze möglich sein wird. Auch im weiteren Feld gab es über die rein zahlenmäßigen Resultate hinaus noch manchen Hoffnungsschimmer. Felix zeigte eine gute Partieanlage, konnte aber nicht in jeder Runde die Früchte ernten. Elnur ist erst seit kurzer Zeit dabei und spielte sein erstes Turnier. Da sind 3 Siege doch ein guter Start.

PS: Wenn jemand den Eindruck hat, dass ich im vorstehenden Text den einen oder anderen Gedanken gleich mehrfach formuliert habe, so ist dies durchaus Absicht. Es gibt nämlich Dinge, die man nicht oft genug wiederholen kann…


Bericht und Fotos: Thomas Binder – Weitere Porträtfotos in der Bilder-Galerie