Berliner Meisterschaft 2017 – Vorrunden

Minh schafft den Sprung ins Finale

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Die Qualifikationsturniere zur BJEM U14 haben ihren ganz eigenen Charakter. Die Berliner Top-Spieler haben sich bei zahlreichen Turnieren auf höchstem Niveau bewährt. Sie sind so abgeklärt, dass sie zielstrebig die drei zu vergebenden Endrundenplätze ansteuern. So setzten sich in dieser Vorrunde die Top-3 der Startliste souverän durch. Blickt man aus der Distanz auf den Turnierverlauf, hatte das übrige Starterfeld nie eine realistische Chance, in diese Phalanx einzubrechen. Alle drei Spitzenspieler blieben ungeschlagen, remisierten in den direkten Duellen.
Minh gehört zu diesem erfolgreichen Trio und ist nun verdientermaßen im U14-Finale dabei. Für ihn war es eine sehr intensive Schachwoche. Er spielte zunächst bei einem großen Open mit, erreichte dort nach 5 Runden eine DWZ-Performance von über 2100! Dann schwenkte er zur BJEM-Vorrunde um, schaffte die Umstellung auf das gänzlich anders geartete Turnier und kam nie in Gefahr.

Hakob und Lior knapp am Finale vorbei

Zu den Leidtragenden der oben angesprochenen Konstellation gehört Hakob. Als Nummer 4 der Setzliste hätte er schon über sich hinaus wachsen müssen, um auf den Endrundenzug aufzuspringen. Seine beiden Gegner aus der Top-Gruppe hatten aber etwas dagegen, spielten genau hier auf Sieg und machten Hakobs Final-Hoffnungen schon nach spätestens 6 Runden zunichte. Mit nur einem halben Punkt Rückstand darf er dennoch ein erfolgreiches Turnier bilanzieren und auf einen anderen Verlauf der zweiten Vorrunde hoffen.

Ähnlich wie Hakob erging es Lior im U12-Turnier. Auch er landet recht knapp hinter den Qualifikationsplätzen und kann sich über viele gelungene Partien freuen. In der zweiten Vorrunde wird Lior noch deutlich bessere Chancen haben.

Aram und Ferdinand mit leichter Steigerung zum Vorjahr

Für Aram und Ferdinand standen Mittelfeldplätze im Fokus. Letztlich konnten sich beide gegenüber dem Vorjahr um einen halben Punkt steigern. Aram landet bei 50% und fast genau auf dem erwarteten Setzlistenplatz. Bei Ferdinand fehlt im Moment etwas das Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu… Oder um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: "verlor ich … auf dümmste, unnötigste Weise". In diese Kategorie gehört z.B. ein zweizügiges Matt, bei dem Ferdi den zweiten vor dem ersten Zug machte – und dann wurde es leider kein Matt mehr. Gegen Ende des Turniers blühte er auf, kam in Runde 6 zu einem klaren Sieg und in Runde 7 in einer sehr langen und hoch interessanten Partie (Endspiel mit Springer und Bauer gegen 4 verbundene Bauern) zu einem Kampfremis der besten Sorte.

Einige weitere Fotos zur BJEM-Vorrunde und dem parallel ausgetragenen Sommer-Open finden Sie in der Galerie.

Bild Bild Zweite Vorrunde: Lior hat's geschafft

Eine ärgerliche Terminüberschneidung führte dazu, dass unsere Schule bei der zweiten Vorrunde nur mit wenigen Spielern vertreten sein konnte. Dennoch gibt es von erfreulichen Ergebnissen zu berichten.

Lior (Foto rechts) spielte ein absolut überzeugendes Turnier und qualifizierte sich ungefährdet als Zweiter für die Endrunde der U12 in den Winterferien.
Klassenkameradin Sophie (Foto links) hielt im Feld der Jungen prächtig mit. Sie kommt auf 50% und überspringt in der DWZ-Liste die 1000er-Marke!
Nicht so gut lief es für Hakob. In seinem ersten U14-Jahr hat er den Sprung ins Finale noch verpasst.

 

Vorrunde der Altersklasse U18

Die Erfahrungen der Vorjahre veranlassten die Verantwortlichen der Schachjugend, auch in den oberen Altersklassen auf Achter-Rundenturniere umzuschwenken und diesen eine Qualifikation vorzuschalten. Terminplanung und Spielmodus sind dabei sicher noch etwas optimierbar…

Bild In der U18 sind sieben der acht Finalisten gesetzt. Um den letzten freien Platz sollten vier Spieler ein Mini-Turnier austragen. Leider trat einer der Bewerber nicht an, und gerade dadurch ergab sich für Severin ein zeitlich sehr unbefriedigender Verlauf. Er hatte bereits im Voraus dem Verlegungswunsch seines Zweitrundengegners von Samstag Nachmittag auf Sonntag Nachmittag zugestimmt. Als dann der Gegner aus Runde 1 nicht auftauchte, hieß es an diesem Tag "Zweieinhalb Stunden Fahrzeit für einen kampflosen Punkt." Am Sonntag standen dann zwei anstrengende Partien auf dem Plan – mehr als 6 Stunden Netto-Spielzeit mit knapp einstündiger Pause zwischen den Runden. Schließlich war Severin auch der einzige Spieler des Trios, der seine beiden Partien am gleichen Tag austragen musste.

Dafür bekam der Beobachter allerdings gutes Schach zu sehen. Am Vormittag traf unser Spieler mit Weiß auf den Top-Favoriten der Vorrunde Tobias Goldenbaum (DWZ 1670 und fast 300 bzw. 400 Punkte Vorsprung zu den beiden Rivalen). Es entwickelte sich eine hoch taktische Partie mit ständig wechselnder Materialverteilung und über lange Zeit einem gefährlichen gedeckten Freibauern von Schwarz auf f3. Dafür hatte der Nachziehende am anderen Flügel eine Figur für zwei Bauern geopfert, bekam dann eine Qualität dazu, besaß also Turm und zwei Bauern für zwei Leichtfiguren. Mit einem netten Springermanöver holte sich Severin die "Qualle" zurück, kurz bevor Tobias mit beiden Türmen über die offene h-Linie die Entscheidung hätte suchen können. Die Stellung mit Figur für zwei Bauern war immer noch sehr zweischneidig, ehe der Favorit einen Doppelangriff mit Turmgewinn zuließ. Nach großem Kampf letztlich zwar ein ärgerlicher Blackout, aber ein nicht unverdienter Sieg für Severin.

Nach kurzer Pause traf unser Spieler dann auf Dan Topaj. Dessen Wunsch nach Spielverlegung bescherte uns sogar noch ein echtes Finale. Beide Spieler tauschten sich schnell in ein Leichtfigurenendspiel. Dort hatte Dan die etwas besseren Ideen. Er suchte und fand Schwächen in der gegnerischen Stellung und zeigte wohl auch insgesamt den größeren Siegeswillen. Ja – manchmal ist es einfacher, auf Gewinn zu spielen als auf Remis.
Obwohl Severin die Endrunde also knapp verpasst hat, bleibt es ein schönes Ergebnis mit interessanten Partien und deutlichem DWZ-Zuwachs.


Bericht und Fotos: Thomas Binder