Abrafaxe-Turnier 2017

Bild Bild Während die Herderschach-Cracks sich nach den anstrengenden Turnieren der letzten Wochen eine Auszeit gönnten, nahm die zweite Reihe voller Vorfreude das größte und schönste Kinderschachturnier weit und breit in Angriff. Wie immer war es in der Mildred-Harnack-Oberschule durch das Organisationsteam von Borussia Friedrichsfelde und seine Helfer perfekt organisiert. Angesichts der sehr großzügigen Pausenzeiten in dieser Schule hatte man allerdings auch viel Zeit für die Vorbereitung – oder verstehe ich da etwas falsch?

Zum Stichwort Vorfreude: Seit Jahr und Tag lasse ich mir das vorab überwiesene Startgeld von den Kids "in einem verschlossen Umschlag" zurückgeben. Ungezählte klassische Briefumschläge sind da über die Jahre zusammengekommen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Doch zum ersten Mal hat mich nun ein Schüler mit einem selbst gebastelten und liebevoll beschrifteten Umschlag überrascht. Der Klebestreifen outet ihn als Spross einer Musiker-Familie. (Das Foto zeigt den Umschlag nach dem Öffnen, vorher war er natürlich noch viel perfekter verarbeitet.) Wer sich solche Mühe macht, der erlebt die Abrafaxe-Vorfreude schon Wochen im Voraus – danke Fabian!

In den sieben anstrengenden Turnierrunden gingen heute nicht alle Träume in Erfüllung. Wir hatten aber wieder ein starkes Team mit echtem Herderschach-Spirit am Start. Wenn es dann bei dem Einen oder Anderen nicht so gut läuft, springt jemand in die Bresche und macht das Turnier doch noch zu einem Erfolg – so auch diesmal. Auf dem Rückweg waren jedenfalls alle wieder bei bester Laune, und das Geduldsspielzeug aus der wie immer reich gefüllten Preistasche animierte sogar zu einer neuen Spielidee.

Bild Maris in Top-Form

Vier Punkte, Platz 18 – das klingt nicht soooo spektakulär. Doch Maris gelang heute ein wirklich überzeugender Auftritt bei seinem Debüt in der superstarken A-Gruppe. Er ist ja selbst noch gar kein Vereinsspieler, hat dementsprechend keine DWZ und spielt nur recht wenige Turniere – die dann aber meist richtig gut. Heute gewann er vier seiner sieben Partien, dabei hatte der "schwächste" Gegner eine DWZ von fast 1200. Gleich drei 1300er wurden geschlagen. Mit einer Ausnahme – früher Dameneinsteller in der vorletzten Runde – spielte Maris hochkonzentriert und ideenreich. Seine Leistung gewinnt auch dadurch an Wert, dass sich die starken Gegner nach besten Kräften gewehrt haben. Maris blieb aber jeweils bis zum Schluss aufmerksam. Besonders erinnere ich mich da an die letzte Partie, als er bei starkem eigenem Angriff wie ein Seiltänzer immer die Gefahren für die eigene Grundreihe im Auge behielt.
Ich habe mal "nur zum Spaß" eine DWZ-Performance des heutigen Turniers errechnet. Sie landet über 1430 Punkten – wir wissen also, wohin die Reise geht.
Bei der Durchsicht der Fotos habe ich leider von Maris nur eine Aufnahme mit sehr ernster Miene gefunden. Das ist aber vielleicht gut so, denn so konzentriert möchten wir ihn immer sehen.

Bild Julian mit toller Aufholjagd

Julian kam ganz schwer in Tritt. In Runde 1 traf er auf den Spieler von Brett 2 des frisch gekürten Deutschen Meisters der WK-V. Auch in Runde 2 folgte noch eine Niederlage. Hatte man nun auf eine lösbare Aufgabe gehofft, sah man sich sehr getäsucht. Der nächste Gegner – bei 0 aus 2 – war der Vorjahressieger mit einer DWZ über 1600. Julian hielt lange auf Augenhöhe mit, verlor erst durch einen Einsteller im Turmendspiel.

Unser Spieler erholte sich von dieser langen Rochade (0-0-0) ganz schnell. Er ließ vier Siege folgen und kam noch in die obere Tabellenhälfte. Die ersten Gewinnpartien waren vielleicht nicht so schwer, doch spätestens in der Schlussrunde lauerte ein schachliches Schwergewicht. Der Gegner hatte in der Vergangenheit schon in der BJEM-Endrunde gestanden und dabei mindestens einen höchst prominenten Herderschach-Spieler in seine Trophäen-Sammlung aufgenommen. Doch gegen Julians energischen Endspurt war er machtlos.
Auch Julian habe ich beim angestrengten Nachdenken vor die Linse bekommen – gut so!

Vier Herderschach-Kids im Mittelfeld der A-Gruppe

Unsere vier übrigen Spieler blicken mit gemischten Gefühlen auf das heutige Turnier zurück. Aram und Ferdi konnten sich bei ihrem letzten U14-Start nicht so weit vorn platzieren, wie es ihrem Können entsprechen würde. Es gab den einen oder anderen unerklärlichen Patzer neben vielen Partien, in denen das wahre Leistungsvermögen aufblitzte. Der stärkste Gegner bestand allerdings heute aus Zahnrädern, Federn und allerlei weiterer komplizierter Mechanik. Auf der Schachuhr lief immer wieder die Zeit davon, da reichte dann auch klarer Materialvorteil nicht zum Sieg. In der letzten Runde schaffte es Ferdi immerhin im allerletzten Moment, den Gegner mattzusetzen. Als dessen Kopf enttäuscht auf das Brett sank, fiel Ferdis Uhrenblättchen…

Thore und Kai hatten das Pech, um wenige Wochen aus der Altersbegrenzung für die B-Gruppe zu fallen. So mussten sie erstmals im A-Turnier ihr Können beweisen. Das gelang heute nur phasenweise. Vor allem bei Thore kamen einige Probleme mit der knappen Bedenkzeit hinzu. Beide dürfen aber noch zweimal in dieser Gruppe antreten – und wenn wir dann in jedem Jahr so anderthalb bis zwei Punkte zulegen, sind wir ganz vorn dabei.

Bild Bild Bild 4 – 3½ – 3: Ordentliche Ergebnisse in der B-Gruppe

Von Fabians Vorfreude war ja oben schon anschaulich die Rede. Mit dieser Einstellung lässt sich dann auch gegen starke Konkurrenz ein gutes Turnier spielen. Vier Punkte, darunter ein starker Endspurt, sind ein tolles Ergebnis und bringen wieder einen verdienten Platz in der oberen Tabellenhälfte. (Fabian auf dem Foto ganz rechts)

Einen halben Punkt dahinter landet Fedir (Foto rechts). Nach einem Mega-Start mit zwei Siegen wurden die Aufgaben natürlich schwerer. Aber Fedir stellt sich schon im ersten richtigen Schachjahr den anspruchsvollen Turnieren. Wenn er das durchhält und sich von Event zu Event verbessert, wird es gewiss noch ganz weit nach oben gehen.

Dass bei Taha (Foto links) "nur" 3 Punkte stehen, muss man heute differenziert betrachten. Es ging ihm gesundheitlich nicht so gut, zeitweise mussten wir sogar über einen vorzeitigen Ausstieg nachdenken. Doch Taha bewies seine Kämpfernatur, biss sich durch und kam gerade in dieser Phase noch zu zwei Siegen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder