Jugend-Herbst-Open 2016

Bild Die Terminüberschneidung mit der Langen Nacht der Mathematik hatte zur Folge, dass wir nur mit einem Herderschach-Vertreter beim Herbst-Open an den Start gehen konnten. Felix genoss somit das Privileg einer 1:1-Betreuung und bekam nach jeder Partie intensives Feedback zu seinem Spiel. Wenn er die Lerneffekte daraus mitnimmt, hat der Turnierstart sein wichtigstes Ziel erreicht.
Im Tableau stehen für unseren Spieler am Ende 50% der erreichbaren Punkte. Damit bleibt er knapp unter seinen Erwartungen, und man wird sich jede Partie einzeln anschauen müssen, um ein fundiertes Fazit zu ziehen.

Bild Bild Gespielt wurde übrigens in einer Kreativitäts-Grundschule. Die dort ausgestellten Schülerarbeiten zeugen in der Tat vom phantasievollen Umgang mit Materialien aller Art. Allerdings färbte diese Haltung wohl manchmal zu sehr auf die schachliche Partieanlage ab. Was auf den nebenstehenden Kunstprojekten richtig gut aussieht, ist – auf das Schachbrett übertragen – nicht wirklich ratsam. Doch allzu oft wurden ähnlich ungeordnete Stellungen auf den 64 Feldern vorgefunden. Grob gesagt, hätte wohl mindestens jenseits der vorderen 5 Bretter jede Partie anders ausgehen können…

1. Runde

Gegen einen der älteren Spieler verlor Felix durch einen "ungünstigen Abtausch" eine Figur. In der Folge bot sich noch eine schöne Chance zu materiellem Ausgleich, die leider ungenutzt blieb. Der Gegner gewann am Samstag alle drei Partien, brach am Sonntag aber völlig ein.
Lehre: Auch die richtig guten Gegner machen kleine Fehler – allerdings nur wenige, und die muss man nutzen.

2. Runde

Hier war Felix seinem Gegner schachlich klar überlegen und gewann verdient. Doch einige Unkonzentriertheiten ärgerten den Beobachter. So wurde ganze fünf Züge lang eine angegriffene Figur von beiden Spielern völlig missachtet. Später hätte etwas mehr Abgeklärtheit den Weg zum Matt deutlich verkürzt.
Lehre: Immer konzentriert bleiben, Zeit nehmen! – Auch und gerade in Gewinnstellung

3. Runde

Auch hier war Felix der bessere Spieler und gewann verdient. Vielleicht war es sogar seine beste Partie im Turnierverlauf. Bei materiellem Gleichstand drangen Dame, Läufer und Springer in die gegnerische Stellung ein, scheuchten den König ins Freie und setzten ihn schnell matt.
Lehre: Der Trainer hat immer Recht – und wenn man seine Ratschläge umsetzt, gewinnt man eine gute Partie.

4. Runde

Felix ist an Brett 3 angekommen. Gegen die Nummer 1 der Setzliste und späteren U14-Sieger geht eine recht einseitige Partie verloren. Wenn man das schnelle und oberflächliche Spiel des Gegners hätte bestrafen wollen, hätte man schon in der Eröffnung genauer spielen müssen. Dann hätte sich vielleicht ein gleichwertiges Duell ergeben – hätte…
Lehre: Wenn man überhastet angreift, bevor der König in Sicherheit ist, geht das gegen starke Gegner garantiert schief.

5. Runde

Das war die ärgerlichste – aber hoffentlich auch lehrreichste – Partie der beiden Tage. Letztlich kostet sie einen Podestplatz in der U14-Wertung.
Felix begann konzentriert und spielte stark. Ein Turmgewinn bei stark gefährdeter gegnerischer Königsstellung war der Lohn. Doch dann versäumte er den ganz einfachen Gewinn über Damentausch und Figurengewinn. Stattdessen folgten einige unglückliche "kreative" Schachgebote und letztlich doppelter Figurenverlust. Die Niederlage war bereits unvermeidlich, als sich der Gegner mit einem lehrreichen Fehler revanchierte. So kam Felix mit einer Mehrqualität ins Endspiel und hätte nun nur noch den gegnerischen Freibauern unschädlich machen müssen. Solange dieser auf dem Brett blieb, musste eben der eigene König ständig ein waches Auge darauf haben – und das wurde dann leider kurzzeitig vergessen.
Lehre: In klar vorteilhafter Stellung ist es oft eine gute Idee, die Dinge zu vereinfachen und dem Gegner jede Gewinnchancen zu nehmen.

6. Runde

Plötzlich unter die 50%-Marke gerutscht, bekommt Felix zum Schluss eine dankbare Aufgabe, brennt ein Angriffsfeuerwerk bester Güte ab und gewinnt schnell.
Lehre: Felix gehört in diesem Open zu den besseren Spielern. Mit etwas mehr Konzentration und abgeklärter Stellungsbewertung hätte sich das auch klarer in der Tabelle ausgedrückt.


Bericht und Fotos: Thomas Binder