Jugend-Sommer-Open 2016

Genau ein Viertel des Starterfeldes beim "Sommer"-Open mitten im Herbst kam aus dem Hause Herderschach. Zahlreiche U12- und U14-Spieler wollten weitere Turniererfahrung sammeln und interessante Partien spielen. Auch wenn nicht alles nach Wunsch verlief, hielt unsere eindrucksvolle Erfolgsserie bei den Jahreszeiten-Turnieren. Maris und Kai verdienten sich einen der begehrten Pokale.

Starker Auftritt – Pokale für Kai und Maris

Bild Bild Nach dem ersten Turniertag grüßten Maris und Kai von der Tabellenspitze. Maris gelangen drei konzentrierte und lange Partien. Zu den Highlights der ersten Runden gehörte die Partie gegen seinen Freund Julian, als beide kompromisslos auf Sieg spielten und den Zuschauern eine mitreißende Partie boten.
Kai agierte wie gewohnt schon sehr abgeklärt. Seine Partien sehen einfach sicher und solide aus. Wer großes Spektakel erwartet, ist bei ihm an der falschen Adresse. Aber das ist natürlich genau der richtige Weg, erfolgreich Schach zu spielen. Heute setzte er sich auf diese Weise zweimal durch – dazwischen lag quasi ein Freilos: Sieg durch Handy-Klingeln nach nur 5 Zügen.

Der zweite Tag begann für beide Spieler mit dem direkten Aufeinandertreffen am 2. Brett. Maris (Foto rechts) spielte erneut konzentriert und ließ Kai, für den es die einzige Niederlage blieb, keine Chance. Danach traf er auf die beiden Top-Spieler des Turniers. Beide gehörten zum kleinen Feld der in einer eigenen Wertung spielenden älteren Teilnehmer. Über die zusätzliche Aufnahme von Spielern oberhalb der U14 in diese Open-Serie kann man sicher streiten. Eine gewisse Verzerrung des Rennens um die eigentlich primären Pokale in den mittleren Altersklassen ist kaum zu vermeiden. Diesmal ging es für Maris zum Glück noch glimpflich ab. Trotz zweier Niederlagen blieb er bester U14-Spieler und holte sich mit der höchsten Buchholz-Zahl des ganzen Feldes verdient den Siegerpokal.
Kurioserweise rangiert Kai (Foto ganz rechts) mit 4½ Punkten noch einen Platz vor ihm und wird trotzdem in der U12 "nur" Zweiter.
Unsere beiden Cracks spielten ihr bislang bestes Schach. Der Weg führt klar nach oben und sollte in absehbarer Zeit auch noch anspruchsvollere Turniere ins Blickfeld bringen.

Felix und Julian über der 50%-Hürde

Bild Bild Auf die Frage: "Was erwartest du von Felix in diesem Turnier?" hatte der Trainer am Tag zuvor geantwortet: "Da wage ich keine Prognose – Felix ist 'ne Wundertüte". Aus dieser Tüte sprudelten vor allem am Samstag viele gute Ideen. In Runde 1 gewann Felix relativ leicht mit einem recht kuriosen Mattbild (siehe Foto). In Runde 2 folgte eine lange und richtig starke Partie. In der dritten Runde gab es dann eine Niederlage im internen Duell gegen Maris, weil Felix hier ein entscheidendes Detail der spanischen Abtauschvariante noch nicht kannte.
Der zweite Tag begann mit einer Schrecksekunde. Felix hatte sich bei der Anreise vertan und schaffte es gerade noch rechtzeitig ans Brett. Die Partie ging dann leider verloren. Es folgte ein in vielerlei Hinsicht lehrreiches Remis zum Thema "ungleiche Läufer" und schließlich noch eine sichere Gewinnpartie. Insgesamt darf Felix mit seinem Ergebnis zufrieden sein.
Julian hatte am ersten Tag etwas Pech. Das "ewige Duell" gegen Maris war wegweisend – und zwischen den Beiden ist nun mal jedes Ergebnis möglich. Am zweiten Tag arbeitete sich Julian mit einem überzeugenden Auftritt noch weit nach vorn.

Nikolas und Fabian auf dem Weg nach oben
Schmitt – Ott
Bild
Fabian hat eine Figur weniger, aber
nach 1.0-0-0+! ist die Partie zu seinen
Gunsten entschieden. Die stärkste
lange Rochade, seit Edward Lasker
1912 per 0-0-0 matt setzte.

Für Nikolas und Fabian glich der Turnierverlauf einer Achterbahnfahrt. Die letzte Strecke führt dabei aber klar bergauf.
Neben dem 50%-Ergebnis haben sie gemeinsam, dass sie ungeheuer intensiv und kampfstark spielten. Ihre Partien gehörten fast immer zu den längsten. Von Niki kennt man das ja schon. Zeitnotschlachten gehören bei ihm einfach dazu. Nach durchwachsenem Start gab ihm genau eine solche Partie noch den entscheidenden Impuls für zwei Siege zum Abschluss.
Fabi spielte wie immer sehr kreativ. Er hat tolle Ideen. Wenn sich zu seiner ansteckenden Begeisterung noch mehr Routine gesellt, kann es künftig ganz weit nach vorn für ihn gehen. In Erinnerung bleibt aus seinen drei Gewinnpartien vor allem die stärkste lange Rochade seit Edward Lasker 1912 – siehe nebenstehende Stellung.

Bild Theo hadert mit dem Schicksal

Für Theodor begann das Sommeropen extrem unglücklich. Aus hoch überlegener Stellung verlor er seine Auftaktpartie durch einen regelwidrigen Zug.
Der Schiedsrichterin ist kein Vorwurf zu machen. Sie brachte völlig korrekt die FIDE-Schnellschachregeln zur Anwendung. Vermutlich würde allerdings bei konsequenter Auslegung jede dritte Partie des Opens auf diese unbefriedigende Weise entschieden werden.
So verkündete der Turnierleiter zu Beginn der zweiten Runde, dass nunmehr nach den z.B. im Berliner Schulschach üblichen Regeln mit abgestufter Bestrafung (Verwarnung, Zeitgutschrift, Partieverlust) auf regelwidrige Züge reagiert wird.
Das ist bei diesem Turnier sicher sinnvoll. Aber es hätte natürlich vor der ersten Runde geklärt sein müssen.
So war Theo letztlich der einzige Leidtragende einer ärgerlichen Organisationspanne. Die Enttäuschung darüber war ihm deutlich anzumerken, und er konnte sie über das ganze Turnier leider nicht restlos abstreifen.

Wie immer: Herderschach spielt die längsten Partien

Bild Lisa und Maxim waren mit Doppel-Nullen gestartet. In Runde 3 trafen sie direkt aufeinander und lieferten sich die längste Partie der Runde. Nach einem Bauernwettlauf – für Maxim schon der zweite an diesem Tag – blieb eine Chance ungenutzt und schließlich endete die Partie mit einem leistungsgerechten Remis. Das Foto zeigt beide im ansonsten bereits leeren Turnierraum und natürlich mit vielen mitfiebernden Teamkameraden. Ein Bild, wie man es in den letzten 15 Jahren bei fast jedem Turnier knipsen konnte…
Bild Am Ende des zweiten Tages waren beide über ihre Ergebnisse nicht so ganz glücklich. Lisa traf das ärgerliche Los, gleich 4x gegen eigene Teamkameraden zu spielen. Da verbringt man das ganze Wochenende bei einem Schachturnier und hat am Ende nur 2 Partien gegen "neue" Gegner gespielt. Kann man das irgendwie vermeiden? Ideen sind gefragt.
Auch Maxim saß gleich dreimal bei internen Duellen am Brett. Da auch noch ein Gegner ausfiel, blieben auch bei ihm nur zwei "fremde" Gegner übrig. Für eine realistische Standortbestimmung ist das zu wenig.

Rasmus und die Ausrede des Tages

Bei seinem ersten Open kommt "Ras" auf 2 Punkte. Die vier mittleren Runden lassen noch Platz für Verbesserung. Von ihm stammt aber das Zitat, mit dem wir diesen Bericht beschließen wollen:
Rasmus (Foto links) präsentierte dem Trainer ein leeres Partieformular und die Erklärung: "Neben mir saß ein Linkshänder, da hatte ich keinen Platz zum Schreiben."


Bericht und Fotos: Thomas Binder