Einzel-Schnellturnier 2017

Wer hätte gedacht, dass sich unsere eindrucksvolle Erfolgsserie bei den breitensportlich orientierten Turnieren noch toppen lässt? Die Generation 2017 hat jedenfalls gezeigt, dass man es immer noch ein wenig besser machen kann als die Vorgänger.
Nach einem in Breite und Spitze einfach überzeugenden Turnier steht als Fazit das komplette "erweiterte" Podium mit Platz 1 bis 4, dazu zwei weitere Spieler in den Top-Ten. Besonders bemerkenswert ist, dass alle diese Spieler das schachliche Einmaleins "von der Pike auf" in unserer AG erlernt haben. Das macht dann auch die beiden AG-Leiter ein klein wenig stolz…
Bild Unsere vier Spieler an der Tabellenspitze zeigten durchweg konzentrierte und durchdachte Partien. Da konnte aus dem übrigen Feld nur ein einziger Spieler mithalten: Edvin Svenungsson vom Heinrich-Hertz-Gymnasium startete mit fünf Siegen und machte uns bis zuletzt die Podestplätze streitig. Seine Buchholz-Zahl von 37,5 ist für ein siebenrundiges Turnier sensationell – 38,5 wäre das theoretische Maximum gewesen.

Bild Elnur hat's gerissen

Am Freitag vor dem Turnier hatte ich Gelegenheit, nach der AG kurz noch in Ruhe mit Elnur zu sprechen. Es ging um die Vorfreude auf das Schnellturnier und darum, worauf es eben an diesem Tage ankommen werde. Das Gespräch gipfelte in dem einen Satz "Du kannst in diesem Turnier was reißen!"
Selten sind aufmunternde und zugleich mahnende Trainerworte so gut bei einem Schüler angekommen. Elnur beherzigte in den sieben Runde alle Hinweise, zeigte sein bestes Schach und belohnte sich mit einem Erfolg, der selbst meine Erwartungen vom Freitag noch übertraf. Dabei bewies er wieder einmal, dass er ein echter Wettkampftyp ist, der sich steigern kann, wenn es darauf ankommt, und der immer mit der gerade notwendigen Portion an Optimismus und Angriffslust in die Partie geht. Soweit ich gesehen habe, spielte Elnur ohne grobe Fehler, nutzte die Schwächen der Gegner konsequent aus und beherrschte auch die Zeiteinteilung perfekt. Für die Vorentscheidung sorgte Elnur in Runde 6, als er das Duell der beiden ungeschlagenen Spitzenreiter gegen Edvin recht schnell gewann. Erst in der letzten Runde gab er nach einer Partie mit mehrfach wechselndem Vorteil einen halben Punkt ab.
Nach dieser beeindruckenden Leistung wird sich Elnur nun sicher noch anspruchsvolleren Turnieren stellen. Wer das Turnier ohne Vereinsspieler so dominiert, sollte wohl die längste Zeit "vereinslos" gewesen sein…

Maris, Niki und Felix komplettieren das Podium

Bild Die ersten vier Plätze der Jugend-Klasse gehen an unsere Spieler. Da kommt man aus dem Schwärmen über starke Leistungen gar nicht heraus. Maris hatte beim Abrafaxe-Turnier mit einer DWZ-Performance über 1400 für Aufsehen gesorgt und gehörte somit auch heute zu den Favoriten. Dieser Rolle wurde er vollauf gerecht. Er spielte in sechs Runden starkes Schach, setzte sich gegen starke Gegner durch, wovon eine Buchholz-Wertung von über 30 Punkten zeugt. Der Sieg im direkten Duell mit Edvin bescherte schließlich die Silbermedaille. Maris hätte heute Turniersieger werden können, wäre da nicht diese eine Partie gewesen…
Es war die Partie gegen seinen Klassenkameraden Felix – und solche Partien haben eben ihre eigenen Gesetze, fast so wie Derbys im Fußball. Felix war in dieser Runde deutlich fokussierter, Maris fand nicht zu seiner normalen Spielstärke und musste schnell die Segel streichen. Dennoch sollte die Gesamtsicht auf beide Turniere Anlass sein, ebenfalls über anspruchsvolleres Turnierschach und den Weg zum Schachverein nachzudenken.

Niki krönt sein bislang bestes Schachjahr (u.a. schon Klassensieger bei unserem Weihnachtsturnier) mit einem starken Schnellturnier. Er spielte sicheres Schach und bekam auch die Bedenkzeit besser in Griff als in früheren Jahren. Mit einem Remis in der Schlussrunde sicherte er sich die Goldmedaille als bester Spieler der achten Klassen.

Bild Es mag kurios klingen, aber die über weite Strecken beste Partie des Tages sah ich heute vom Tabellenvierten. Der Auftritt von Felix (Foto rechts) gegen Edvin in Runde 5 atmete etwas von richtig gutem Schach. Mit dem Rückenwind des Sieges im internen Duell zauberte Felix ganz starkes Kombinationsschach auf die 64 Felder. Etwas mehr Routine hätte dann auch den verdienten Sieg gebracht. So verlor unser Spieler leider in Zeitnot noch den Faden und die Chance auf den Turniersieg. Danach kämpfte er sich mit einem weiteren Sieg und einem aus schwieriger Stellung und in Zeitnot erkämpften Remis zum Schluss noch an den Rand der Medaillenränge.

Maxim und Lucky ganz weit vorn

Top-Ten-Plätze waren selbst für uns in früheren Jahren keine Selbstverständlichkeit. Heute gehen sie im Jubel über Medaillen und Pokale fast unter. Dabei zeigten Maxim und Lucky Leistungen, die bei anderen Turnieren für die große Schlagzeile genügt hätten. Maxim (Foto links) startete mit zwei Niederlagen, bewies dann enorme mentale Qualitäten. Aus dem Tal der Tränen befreite er sich sehenswert und reihte Sieg an Sieg. Dabei musste er fast in allen Partien nicht nur gegen den Gegner und dessen Figuren ankämpfen, sondern auch gegen die knappe Bedenkzeit. Gleich zweimal gelang es ihm, auch unter den schwierigen Bedingungen heftigster Zeitnot cool zu bleiben und den Gegner in letzter Sekunde mattzusetzen. Das war in jeder Hinsicht eine schöne Steigerung gegenüber seinen früheren Turnierstarts. So muss es jetzt weitergehen.
Lucky zeigte wieder einmal sein besonnenes und unspektakuläres Schach. Das ist in jedem Turnier für eine vordere Platzierung gut, leider aber nicht für den Kampf um den Turniersieg. Ich bin sicher, irgendwann platzt der Knoten, und dann steht Lucky ganz oben.

Licht und Schatten bei Felix und Kilian

Bild Das enorme Tempo unserer übrigen Spieler konnten Felix und Kilian heute nicht ganz mitgehen. Felix hat bei solchen Turnieren ja schon einige Erfahrung. Noch zu selten gelingt es ihm, in allen Partien sein Können aufs Brett zu bringen. Zu oft noch wechseln Partien "aus einem Guss" mit schwächeren Momenten. Heute lassen ihn vier Siege auf einem Platz deutlich in der oberen Tabellenhälfte einlaufen. Dank einer Steigerung in der Schlussphase hat er die Vorgabe "nicht unter 50%" erfüllt. Wenn mal an einem Tag alles perfekt läuft und dann noch ein bisschen Rückenwind dazu kommt, steht Felix auf dem Treppchen. Das Können dazu hat er oft genug in einzelnen Partien bewiesen.
Für Kilian (Foto links) war es ein schöner Erfolg, dass wir ihn am Ende des ersten Herderschach-Jahres zu diesem Turnier nominieren konnten. Dass man am Anfang etwas Lehrgeld bezahlt, haben (wir) alle selbst erfahren. Zwei Siege und ein (unnötiges) Patt sind die Basis für schnelle Steigerungen in den nächsten Jahren.

Herders 7e – die stärkste Schach-Klasse Deutschlands?

Man wird es nicht beweisen können, aber dieser Eindruck drängt sich auf: Die 7e des Herder-Gymnasiums dürfte in ihrer Altersklasse die stärkste Schach-Klasse weit und breit sein. Im heutigen Turnier gehen die Plätze 1, 2, 4 und 9 an die 7e – und dann haben wir in der gleichen Klasse ja noch vier Spieler aus dem Team, das vor wenigen Wochen Deutscher Meister der WK-IV wurde. Die Jungs haben also ihrem scheidenden Klassenlehrer ein wunderbares Abschiedsgeschenk gemacht!
PS: Sollte ein Leser eine schachlich stärker besetzte Klasse kennen, treten wir diesen inoffiziellen Ehrentitel gern ab.

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Niki und Elnur am Spitzenbrett der letzten Runde Lucky wie immer mit sehr solider Leistung
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Felix schaut aufs Nachbarbrett.
Da gibt es aber auch nur die Grundstellung.
Die Skepsis bei Maris ist unbegründet,
auch diese Partie wurde gewonnen.
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Etwas schief und auch vom Design vielleicht nicht der letzte Hit,
für den Sieger aber ungemein wertvoll!
Auf den Medaillen ist diesmal die Gedächtniskirche zu sehen.
Schön, dass diese Motivserie Jahr für Jahr fortgesetzt wird.

Bericht und Fotos: Thomas Binder