Berliner Meisterschaft 2018 – 1. Vorrunde

Die 1. Vorrunde der jüngeren Altersklassen wird im September und Oktober in zwei verschiedenen Schulen ausgetragen. Acht Schüler aus dem Hause Herderschach sind am Start. Vor allem für Hakob und Coco geht es darum, sich für die Finalturniere zu qualifizieren. Die übrigen Spieler wollen Erfahrungen sammeln, viele gute Partien spielen und ihre DWZ steigern bzw. erstmals eine solche Wertzahl erspielen.

Erstes Wochenende

Bild Bild Für Hakob und Coco lief es in den ersten vier Runden weitgehend planmäßig. Sie liegen mit je 2½ Punkten in der Spitzengruppe ihrer Altersklasse und haben noch alle Chancen auf die direkte Endrundenqualifikation. Sophie rangiert nach zwei Siegen im Mittelfeld. Ein dritter Punkt war möglich, doch in der Partie gegen ihren Klassenkameraden Kai fehlte die notwendige Konsequenz, den klaren Vorteil umzusetzen.

Gespannt sind wir vor allem auf das Abschneiden unserer Spieler, die sich erstmals (bzw. fast erstmals) der Herausforderung eines solch schweren Turniers stellen. Da gab es erwartungsgemäß einen sehr schweren Start, doch schon im Laufe des ersten Wochenendes war ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen.

Julian (Foto rechts) spielte zum Auftakt gegen einen der Mitfavoriten ganz stark und erreichte ein Remis-Endspiel. Erst in dieser Partiephase kosteten zwei lehrreiche Ungenauigkeiten den verdienten halben Punkt. In Runde 2 folgte ein Sieg gegen seinen Klassenkameraden Maris. Solche Partien sehen wir bei externen Turnieren ungern. Einerseits wollen wir uns natürlich mit "fremden" Gegnern messen. Andererseits wird man den Eindruck nicht los, dass viele Schüler es nicht schaffen, in diesen Partien mit dem gebotenen Ernst zur Sache zu gehen. Nach einer Niederlage in Runde 3 machte Julian dann in Runde 4 sein Meisterstück mit einem Sieg gegen eine DWZ-1300er.
Genau das gelang in der gleichen Runde auch Kai (Foto rechts außen). Nach zähem Start wurde er gleich am Nachmittag des ersten Tages mit einem Freilos "bestraft", dann folgte der recht glückliche Sieg gegen Sophie. Kai spielte gut, ließ eine sehr erfolgsträchtige Fortsetzung aus und geriet auf die Verliererstraße. Ein glückliches Grundreihenmatt führte dann später aber doch noch zum bereits zuvor verdienten Sieg. Beflügelt von diesem Erfolg gab es dann eine richtig gute Gewinnpartie gegen einen starken Gegner, so dass Kai eine recht gute Erst-DWZ winken sollte.
Elnur und Fedir können nach dem ersten Wochenende ebenfalls schon auf eine Gewinnpartie verweisen. Fedir holte zudem einen halben Punkt aus schwieriger Stellung, weil er sich schön in das Remis gegen einen Randbauern rettete. Elnurs Sieg in Runde 3 war verdient. Er gewann frühzeitig eine Qualität, kam dann etwas auf Abwege und stand in einem materiell ausgeglichenen Endspiel gar auf Matt. Doch der Gegner war beim "Mattsetzen" etwas zu hastig…
Einen Punkt sehen wir auch für Maris in der Tabelle. Nach drei Niederlagen gab es in Runde 4 das Freilos als Mutmacher für die kommenden Aufgaben.

Übrigens sind wir erstmals in einer Waldorf-Schule zu Gast. Verkehrsgünstig gelegen und mit großzügigem Raumangebot bietet uns dieses Haus eine ideale Turnierumgebung. Dem Fotografen, der immer auch auf der Jagd nach Motiven außerhalb seines Kerngeschäfts ist, öffnen sich dabei neue Ein- und Ansichten.

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WOW – Tafelkunst, zu schade zum Abwischen… …und für ein Klassenzimmer eine eher ungewohnte Dekoration
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Die Angabe zur Herkunft des Ex-Präsidenten lässt an längst vergessene Verschwörungstheorien denken. Diese Beschriftung stammt wohl aus der Zeit, als Beamer noch "Bildwerfer" hießen.

Runden 5 und 6

Bild Bild Die wichtigste Nachricht zuerst: Für Hakob und Coco gibt es weiterhin sehr gute Endrundenchancen. Mit 4½ bzw. 4 Punkten können sie dieses Ziel in der letzten Runde noch aus eigener Kraft erreichen. Allerdings wird es vor allem für unsere U12-Spielerin schwierig, rückt sie doch ans 1. Brett des Turniers.
In der Vormittagsrunde gelang Hakob eine Aufsehen erregende Partie. In der ersten Diagrammstellung (ganz links) hat Schwarz eine Dame und zwei Figuren mehr. Doch Hakob ist mit Weiß am Zuge und setzt mit 1.Th8+ Kf7 2.g8D+ Ke7 3.De8# matt. Das Schlussbild mit vier Damen bei halbwegs vollem Brett verdient ein zweites Diagramm.

Bild Unseren übrigen Spielern wollte heute nicht viel gelingen. Mehrheitlich gab es ärgerliche Niederlagen. Kai bewies einmal mehr, dass er in der oberen Tabellenhälfte mithalten kann, doch heute fehlte ihm das glückliche Händchen vom ersten Wochenende.

Für das Highlight aus unserer Sicht sorgten Elnur und Julian am Nachmittag – nein schon am frühen Abend. Sie bestätigten in beeindruckender Weise das Klischee, wonach Herder-Schüler immer an den längsten Partien einer Runde beteiligt sind. Uns wurde heute schon eine Verdoppelung des Startgeldes angedroht, schließlich haben wir ja mehr davon…
Als alle anderen Schulen und Vereine bereits aus Weißensee abgereist waren, lieferten sich die beiden Klassenkameraden noch ein mitreißendes Duell. Weit über eine Stunde hatten sie die ungeteilte Aufmerksamkeit für sich. Schachlicher Leckerbissen der Partie war nebenstehende Stellung (rechts). Hier schlug Elnur nicht etwa den Turm f8, sondern spielte ganz cool e7-e8D. Der Leser erkennt sicher, dass Julian diese Dame nicht schlagen kann, und die spannende Stellung ist leicht vorteilhaft für Weiß. Im weiteren Verlauf machte allerdings Schwarz viel Wirbel mit seinen Türmen und dem Läufer gegen Elnurs offene Königsstellung und gewann schließlich noch.

Runde 7

"Alles oder Nichts" hieß es heute für Hakob – und er entschied sich für Alles. Mit einer starken Partie schaffte er den Sprung auf den Endrundenzug. Coco kam in der U12 zu einem weiteren Remis gegen den um knapp 200 DWZ-Punkte stärkeren Primus des Turniers. Sie hat nur eine Partie verloren und geht aus diesem erfolgreichen Turnier gestärkt und optimistisch in die zweite Vorrunde im November.

Unter unseren weiteren U14-Startern gelang heute nur Maris und Davit ein Sieg. Davit gewann das interne Duell gegen Elnur. Maris spielte eine seiner besseren Partien und belohnte sich mit dem zweiten Punkt für den Einsatz in einem schweren Turnier. Julian und Kai konnten am zweiten Wochenende nicht ganz an die Leistungen der ersten Runden anknüpfen. Mit je drei Punkten liegen sie im Soll, vollständige Klarheit über das Fazit wird erst die DWZ-Auswertung bringen. Auch Sophie wollte nach dem Aufrücken in die U14 noch nicht viel gelingen.
Insgesamt war es für die noch weniger erfahrenen Spieler eine wertvolle Herausforderung. Sie mussten in einem kräftezehrenden Turnier an ihre Grenzen gehen. Unabhängig vom Ergebnis werden sie von den Erfahrungen dieser Tage bei den nächsten Starts profitieren.

Blickt man mit etwas Abstand auf die Ergebnisse und die unbestechliche DWZ-Auswertung, kann man mit unserem Abschneiden gar nicht so unzufrieden sein. Hakob wird nach einem phänomenalen zweiten Wochenende Turniersieger der U12-Vorrunde und ist im Winter bei der Endrunde dabei. Coco, Davit und Sophie haben ihre DWZ praktisch unverändert gehalten. Julian legt mehr als 50 Punkte drauf, das ist der dritthöchste Zuwachs in der U14. Elnur und Kai haben sich eine Erst-DWZ erspielt, die bei Elnur knapp unter 800 liegen und bei Kai sogar die 1100 übertreffen wird.


Bericht und Fotos: Thomas Binder