Unser Team bei der Deutschen Meisterschaft

Erneut erlebten wir in Bad Homburg eine perfekt organisierte und reibungslos ablaufende Meisterschaft. Das Team der Schachjugend Herborn um Simon Martin Claus sowie die Mitarbeiter der Jugendherberge schaffen Jahr für Jahr ein unvergleichliches Erlebnis für die Schach-Kids aus der ganzen Republik.

Unvergesslich ist das lange Meisterschaftswochenende auch für die Spieler und Betreuer unserer Mannschaft. Alles hat gepasst. Eine prima Truppe zeigte ihr Leistungsvermögen, kämpfte konzentriert um jeden Punkt und belohnte sich mit einer verdienten Bronzemedaille.

Ganz starker Auftritt im DSM-Open

Bild Bild Sophie und Kai verdienten sich die Reise nach Bad Homburg durch vorbildliche Einsatzbereitschaft in Team- und Einzelwettkämpfen (nicht nur) dieser Saison. Sie nahmen sehr gut die Rolle an, "nur" im offenen Turnier zu spielen. Dieses DSM-Open wurde auch von vielen anderen Mannschaften ernst genommen und mit starken Spielern beschickt.
So ergaben sich für unsere beiden Vertreter immer wieder anspruchsvolle Partien. Beide spielten durchweg in der Spitzengruppe mit. Am Ende reichte es für Sophie mit 7 Punkten aus 9 Runden bei nur einer Niederlage zu Silber. Kai liegt einen halben Punkt zurück auf Platz 4.
Wenn wir das "Ersatzspielerturnier" beschicken, dann haben wir auch dort einen hohen Anspruch. In dieser Reihe setzten Sophie und Kai ein weiteres Highlight.
Sophie bestätigt damit die guten Ergebnisse verschiedener Turnierstarts der letzten Monate. Kai zeigte sich deutlich gereift und geht mit den Erfahrungen dieser Tage gestärkt in die nächsten Wettkämpfe.

Bild Die Turnier-Mannschaft – Fazit in nüchternen Zahlen

Die Zahlen lügen nicht. Sie zeigen, dass uns ein ganz starkes Turnier gelungen ist – und woran es noch gefehlt hat.
Wir waren an Position 3 gesetzt und wir haben diese Platzierung schließlich verteidigt. In all den Jahren war und ist dies der erste Gradmesser, eine Deutsche Meisterschaft zu beurteilen. In 11 von 13 Fällen ist es uns in der Tat gelungen, vor oder genau auf dem Setzlistenplatz zu landen.

Blickt man genauer auf die Ergebnisse werden die Zahlen noch interessanter. Die Startrangliste zeigt, dass drei Mannschaften von vornherein in einer Favoritenrolle waren. Vor uns liegen dort nur die Spieler aus Gelnhausen und Magdeburg. Am Ende des Turniers liegen diese drei Mannschaften auf den Medaillenplätzen – Zahlen lügen nicht…
ABER: Sieht man nur auf die direkten Vergleiche, haben wir diesen Head-to-Head-Dreikampf sogar für uns entschieden. Wir fügten dem Meister die einzige Niederlage bei und remisierten gegen die "Grimmels".

Die Ergebnisse von 2018 zeigen aber auch, dass die Mannschaften der "zweiten Reihe" diesmal stärker waren als in früheren Jahren. Sie sind näher gerückt, konnten den Favoriten manchen Punkt abnehmen und noch öfter an Überraschungen schnuppern. Dem Turnier hat das gut getan.

Ein würdiger Meister

Hier muss ganz einfach ein kleiner Einschub stehen: Das Magdeburger Siemens-Gymnasium ist ein würdiger Deutscher Meister. Ich hatte dieses Team schon im Vorfeld auf den Favoritenschild gehoben, weil es wesentlich ausgeglichener besetzt ist als Gelnhausen. Dieser Rolle wurden die Zeuner-Schützlinge auch nach einem aus ihrer Sicht schwarzen Samstag-Vormittag gerecht. Wir begleiten diese sympathische Truppe seit 3 Jahren und gratulieren herzlich zum erstmaligen Titelgewinn.

Bild Unser Traum geht nicht in Erfüllung

Egal, ob Magdeburg letztlich der verdiente Sieger ist – wir hatten es in der Hand. Mit dem Sieg in der fünften Runde übernahmen wir die alleinige Tabellenführung. Wir verteidigten sie bis zur vorletzten Runde. Dann forderte das harte Turnier von unserer sehr jungen Mannschaft seinen Tribut.

Denn das ist die nächste Zahl, die nicht lügt. Wir sind im Durchschnitt an jedem Brett um ein Jahr jünger als die Konkurrenten. Das spielt in dieser Altersklasse noch eine enorme Rolle. Hinzu kommt der mega-brutale Zeitplan dieser Meisterschaft: Schnellschach auf höchstem Niveau praktisch ohne Pausen. An den Vormittagen wurden je drei bzw. zwei Partien gespielt. Die "Pause" zwischen Ende einer Partie und Beginn der nächsten betrug planmäßig 30 Minuten. "Gefühlt" war sie oft sogar noch kürzer.
Diese Belastung über drei lange Tage – da wird Schach zum Konditionssport. Dabei spielen Erfahrung und Wettkampfhärte ihre Rolle und gaben nicht unerwartet den Ausschlag für die um ein Jahr älteren Mannschaften.

Bild Ein starkes Team verdient sich eine Medaille

Nur kurze Zeit gab es vielleicht etwas Enttäuschung über den verpassten ganz großen Wurf. Schon bald überwog die Freude über eine weitere DSSM-Medaille.
Neun Runden lang sahen wir von allen vier Spielern phantastische Partien, konzentrierte Leistungen und tolle Ideen. Auch die im Vorfeld befürchteten Probleme mit der knappen Bedenkzeit hatten wir gut im Griff. Jede(r) hatte seine bzw. ihre Sternstunden und seinen oder ihren Moment, an dem es nicht ganz so perfekt lief. Dennoch war dies in der Geschichte unserer DSSM-Abenteuer eine der ausgeglichensten Mannschaften.

Bild Nam unterlag nur dem "Überspieler" des ganzen Feldes (Elo knapp 2200). Doch auch ihm gelang in der zweiten Turnierhälfte kein Sieg mehr. Auch an unserem erfahrensten Spieler ging also die hohe Belastung dieser Tage nicht spurlos vorbei. Dabei spielte er eigentlich in Bestform, nahm sich im richtigen Moment die Zeit für einen langfristigen Plan und spielte ein strategisch überaus fundiertes Schach.

Joachim erfüllte die Aufgabe am schweren zweiten Brett mit einem Ergebnis über 50% bravourös. Er ist noch keine 11 Jahre alt, da sind die Kräfte für ein solches Turnier einfach noch nicht da. Auf der Rückfahrt hatte er kaum im ICE Platz genommen, da war er auch schon eingeschlafen. Voller Einsatz fürs Team bei besonnener Gestaltung der eigenen Partien – so sieht der perfekte Mannschaftsspieler aus.

Coco war unsere Punktmaschine. Herr Steinkrauß definierte die Zeiteinheit "1 Coco". Das ist die kurze Spanne, die sie benötigt, eine scheinbar ausgeglichene in eine überlegen gewonnene Stellung zu verwandeln. Dass es am Ende nicht zu einer ungeschlagenen Bilanz reichte, liegt vor allem daran, dass unsere Spielerin in der Schlussrunde alles versuchte, auch diese Partie zu gewinnen. Wenn das dann nicht klappt, geht die Partie eben noch verloren.

Unser Kapitän spielte schon seine dritte DSSM. Vor zwei Jahren war Lior an gleicher Stelle zuverlässiger Ergänzungsspieler. Vor einem Jahr rückte er aus logistischen Gründen in die WK-III auf. Nun kehrte er als "Senior" in die WK-IV-Mannschaft zurück und führte sein Team in bewundernswerter Weise als Kapitän. Er bewahrte immer den Überblick über den Verlauf des Wettkampfes. So konnte er bei Remisgeboten jeweils eine klare Ansage machen. Vor allem der wichtige Sieg zum Abschluss des ersten Tages basiert auf diesen Führungsqualitäten. Auch auf dem Brett lief es für Lior zwei Tage lang rund. Am Sonntag unterlief ihm eine einzige Unkonzentriertheit, was zu einer bitteren Niederlage führte. Dennoch stehen auch für Lior mehr als 50% Punktausbeute in der Tabelle.


Bericht und Fotos: Thomas Binder