Abrafaxe-Turnier 2018

Bild Bild Was soll man machen, wenn man Jahr für Jahr erlebt, wie ein engagiertes Team, das mittlerweile auch auf Helfer aus Vereinen über Borussia Friedrichsfelde hinaus zurückgreifen kann, ein wunderschönes Schacherlebnis für weit über 300 Kinder organisiert? Man kann sich mit Lob und Dank nur wiederholen und auf die Berichte der Vorjahre verweisen. Auch die 22. Ausgabe des Traditionsturniers erfüllte alle Erwartungen. Dass der Zeitplan aus den Fugen geriet und die B-Gruppe schon fertig war, als die "Großen" noch zwei Runden zu spielen hatten, war niemandem vorzuwerfen. Wir hatten logistisch gut geplant und konnten dies dank der Begleitung durch mehrere Muttis problemlos abfedern.

Für das Organisationsteam stellte die Hitzewelle der letzten Woche (jeden Tag mindestens 33°C) sicher eine zusätzliche Hürde dar. Allein das Auf- und Abbauen von fast 200 Brettern hat wohl reichlich Schweiß gekostet. Diese Bedingungen schlugen sich allerdings auch hier und da auf das Denkvermögen der Spieler nieder. Selten zuvor habe ich ein (eigentlich ja hochklassig besetztes) Turnier erlebt, wo Doppelschritte des Bauern von der dritten auf die fünfte Reihe fast schon zum running gag wurden.

Für uns gingen nach einer kurzfristigen krankheitsbedingten Absage zehn hungrige Schachkids an die Bretter. Die Vorgabe des Trainers "niemand bleibt unter 50%" wurde leider knapp gerissen. Das lag in den meisten Fällen aber am Schweizer-Sytem-Zick-Zack und hätte sich in einer weiteren Runde gewiss korrigieren lassen. Der Blick auf die gespielten Partien relativiert das zahlenmäßige Ergebnis in den meisten Fällen.

Dabei stahlen die Jüngsten der "alten Garde" diesmal die Show. Unsere beiden B-Gruppen-Spieler zeigten ein famoses Abrafaxe-Debüt und krönten (vorläufig) eine schon bisher tolle Saison.

Die B-Gruppe zeigt, wie's geht

Bild Bild Megastarker Auftritt von Jakob (Bild rechts) und Uladzimir (Bild links) bei ihrem bislang anspruchsvollsten Turnier. Vor allem Jakob steigerte sich nach etwas "müdem" Beginn in einen wahren Spielrausch, erreichte 5 Siege und kratzte sogar an den Top-Ten. Er hat in seinem zweiten Schachjahr alle vorgeschlagenen Wettkampfherausforderungen angenommen und sich dabei von Turnier zu Turnier gesteigert. Seine Partien strahlen bereits Sicherheit und erkennbare Pläne aus. Bis heute ist das genau die Entwicklung, wie wir sie uns von einem Schüler wünschen, der das Schachspiel in unserer Arbeitsgemeinschaft "von der Pike auf" erlernt hat. Noch zum Ende dieses Schuljahrs kann die Fortsetzung folgen…

Genau die gleichen Worte fallen mir zu "Ula" ein – sowohl zum heutigen Tag als auch zum ganzen Schuljahr. Er reiht die vier heutigen Siege an Spitzenergebnisse in den Jahreszeiten-Opens. Schon in Runde 2 besiegte er eines der talentiertesten Schach-Mädchen seiner Altersklasse. Dann folgten leider drei Niederlagen gegen starke Konkurrenz. Hier ging es mir manchmal noch etwas zu schnell auf die Verliererstraße. Doch Uladzimir steckte das problemlos weg und schob sich zum Ende des Tages wieder an die Spitzengruppe heran.

Im breiten Mittelfeld der A-Gruppe

Bild Bild Über den Tag vermittelten unsere älteren Spieler ein sehr homogenes Bild. Sie durchlebten die üblichen Höhen und Tiefen jedes Turniers im Schweizer System und drängten sich fast immer im Mittelfeld. Für den Beobachter hatte dies duchaus seinen Charme, musste er doch in manchen Runden nur einen der drei Turnierräume im Auge behalten. Gegen einen Abstecher an die Spitzenbretter hätte ich indes auch nichts einzuwenden gehabt.

Immerhin legten Maris (Bild rechts außen) und Elnur (Bild rechts) einen starken Endspurt hin und konnten mit je vier Punkten die Vorgabe knapp übertreffen. Auch Kai platzierte sich gerade noch in der oberen Tabellenhälfte des riesigen Feldes.
Für die aus unserer Sicht etwas unglückliche Dramaturgie des Tages spricht der Blick auf die Schlussrunde. Neben den Siegen, mit denen Maris und Elnur ihre Bilanz noch aufpolierten, gab es eben in dieser Runde 6 (in Worten: sechs) Niederlagen, meist gegen übermächtig scheinende Gegner. Das kostet dann schnell mal 10 Plätze und warf Spieler wie Maxim, Felix, Fabian und Egor nach stellenweise durchaus ansprechenden Leistungen noch ein Stück zurück. Der Trainer hat natürlich auf die Qualität der Partien geschaut und weiß, dass wir hier in einigen Fällen unter Wert geschlagen wurden und dass es diese Spieler schon bei nächster Gelegenheit wieder besser machen werden.

Ein besonders unglückliches Turnier erlebte Davit. Teil 1 war dabei selbstverschuldet: Nach dem standesgemäßen Auftaktsieg gegen einen Vereinskameraden verpasste er die zweite Runde, weil er auf dem Schulhof frische Luft tankte und die Kommunikation in seinem Team zu spät anschlug. Vielleicht bolzte er ja mit Maris' Gegner, denn dieser erschien ebenfalls nicht am Brett.
Dann war Davit zeitweise sogar unser bester Spieler im Interims-Tabellenbild – bis Teil 2 des Unglücks ihn diesmal unverschuldet ereilte. Davits Niederlage in Runde 6 war versehentlich als Sieg notiert worden. Solche Pannen sind bei einem solch riesigen Turnier nie ganz zu vermeiden. Natürlich wurde – wie in dieser Situation üblich – das Ergebnis korrigiert, die bereits veröffentlichte Paarung aber belassen. So musste unser Spieler in Runde 7 gegen einen der Top-Gesetzten antreten und hatte danach keine Gelegenheit mehr, sich wieder nach vorn zu spielen. Duplizität der Ereignisse: Maris war mitten im Turnier genau das gleiche Missgeschick widerfahren. Er gewann aber mit seiner vielleicht besten Partie des Tages auch am eigentlich "zu hohen" Brett und drehte dann erst richtig auf…

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Kai Tonke Felix Engelhard Fabian Schmitt
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Egor Popov Maxim Mironovschi Davit Zohrabyan

Bericht und Fotos: Thomas Binder