Jugend-Herbst-Open 2017

Bild Die never ending story unserer Erfolge bei den Jahreszeiten-Opens wurde um weitere schöne Kapitel fortgeschrieben. Drei Pokale fanden am Abend des Sonntags den Weg zu unseren Spielern. Viele weitere gute Ergebnisse stehen in den Bilanzen, und wenn es hier und da mal nicht nach Wunsch lief, fand sich in unserem riesigen Team garantiert jemand, der in die Bresche sprang.

Wir freuen uns über den Sieg im A-Open, Gold und Bronze in den Altersklassen des Großen B-Opens und weitere Top-Ten-Plätze. Ärgerlich war die hohe Zahl von internen Paarungen, doch wenn man allein ein Viertel des Teilnehmerfeldes stellt, lassen sich diese wohl nicht vermeiden.

Severin gewinnt das A-Open

Der Schwerpunkt im gut besetzten A-Open liegt auf anspruchsvollen Partien und der Chance zur DWZ-Verbesserung. Wir bekamen gutes Schach und vor allem sehr lange Partien geboten.Bei nur 15 Teilnehmern erlaubten die vier Runden auch ein halbwegs klares Platzierungsbild.
Severin (Foto links) war in der Startrangliste an Position 4 gesetzt, was am ersten Tag zwei recht leichte Gegner bescherte. Schon da hatte man aber den Eindruck, dass er voll motiviert und fokussiert den Turniersieg anstrebt. Da es an den vorderen Brettern eine hohe Remisquote gab, lag er schon nach zwei Runden allein an der Spitze. Das Meisterstück folgte dann am Sonntag mit dem souveränen Sieg gegen die nominelle Nummer 1. Ein routiniert erspieltes Remis in der Schlussrunde machte den Gesamtsieg perfekt. Gilt Severin sonst in Verein und Schule vor allem als starker Mannschaftsspieler, folgte jetzt kurz vor Ende der Schulschach-Zeit sein bislang größter Einzel-Erfolg – 5 Jahre nach Platz 2 beim Sommer-Open 2012.
Ein starkes Turnier gelang auch Aram – leider ohne die erhoffte Krönung. Am ersten Tag spielte er gegen zwei höher gesetzte Gegner jeweils remis, gewann dann in Runde 3 leicht. In der Schlussrunde hätte ein Sieg Platz 2 bedeutet. Dies schien greifbar nahe, als Aram mit Mehrqualität und guten Chancen auf Gewinn stand. Doch er verlor irgendwann den Faden und unterlag schließlich in einer interessanten Partie einem immer stärker werdenden Gegner. Platz 9 fällt am Ende in die Kategorie "unter Wert geschlagen", wird aber durch einen achtbaren DWZ-Gewinn noch relativiert.

Bild Zwei Pokale im Großen B-Open

Bild Ganz stark war auch unser Auftritt im B-Open. Allen voran stürmte diesmal Thore (Foto rechts). Bei früheren Turnieren hatte er schon oft sein Können gezeigt, war dann aber regelmäßig von der ersten Niederlage aus dem Tritt gebracht worden. Diesmal zeigte er sich auch in diesem Aspekt gereift und verbessert. Die Niederlage kam – und sie kam höchst unglücklich. Thore hatte gegen den späteren Turniersieger (6 aus 6) schon einen Turm gewonnen und zeigte klar, dass er der bessere Schachspieler ist. Der Gegner suchte seine letzte Chance in einem Zug, der gleich zwei Mattdrohungen aufstellte. Thore hätte nun seinen Mehrturm zur Verteidigung gegen beide Drohungen einsetzen können und müssen. Statt dessen fand er eine "aktivere" Lösung, die aber leider nur eine der beiden Mattgefahren abwehrte.
Doch Thore erholte sich rechtzeitig von diesem Rückschlag, ließ einen überzeugenden Sieg folgen und fand sich plötzlich in einem "Endspiel um Platz 2" gegen Uladzimir wieder. Dieses brachte einen langen Kampf auf Augenhöhe, in dem sich mit Thore der erfahrenere Spieler verdient durchsetzte. Er belohnt sich für ein phantastisches Wochenende mit Gesamtplatz 2 und dem Goldpokal seiner Altersklasse. Der Blick in die Herderschach-Geschichte zeigt, wohin solch überzeugende Turniererfolge bei uns gewöhnlich führen…

Der dritte Pokal dieses Wochenendes geht an Uladzimir (Foto links). Zieht man Sommer- und Herbst-Open zusammen, ist er für mich die große Entdeckung unter den Open-Debütanten. Er spielte in beiden Turnieren immer in der Spitzengruppe gegen starke Konkurrenz. Nachdem Uladzimir im "Sommer" noch Platz 3 der U12 ganz knapp verpasste, gelangen ihm diesmal der Sprung aufs Treppchen der jüngeren Altersklasse und ein Top-Ten-Platz in der Gesamtwertung. Mit seinem ruhigen, überlegten Auftreten und vielen guten Spielideen bringt er alles mit, was ein erfolgreicher Schachspieler braucht.

Bild Bild Zwei weitere Top-Ten-Plätze

"Top-Ten" heißt es auch für die Klassenkameraden Maris und Maxim nach höchst unterschiedlichem Turnierverlauf. Maris (Foto rechts) hatte sich vorgenommen, um den Turniersieg mitzuspielen. Das ging auch gut, bis mal wieder ein eigener Team-Gefährte das Stoppzeichen setzte. Die Serie von Verlustpartien in den letzten Monaten in genau dieser Konstellation war natürlich auch dem Trainer nicht entgangen. So folgte ein intensives Gespräch als Denkanstoß, was schon bei der nächsten Gelegenheit zum Erfolg führte…
In der letzten Runde hieß es dann "Alles oder Nichts" im Kampf um einen Podestplatz. Leider öffnete Maris mit mehreren Bauerngewinnen ausgerechnet die Linien, die der Gegner mit starkem Spiel zum Königsangriff nutzen konnte.

Sehr unterschiedlich verliefen die beiden Turniertage für Maxim (Foto rechts außen). Nach dem letztlich glücklichen Gewinn in einer turbulenten Auftaktpartie folgten zwei bittere Niederlagen. Am Sonntag zeigte sich unser Spieler dann wie ausgewechselt, fügte Sieg an Sieg und kam noch in die erweiterte Spitzengruppe. Er bestätigt damit den Aufwärtstrend vom Einzel-Schnellturnier und erreicht sein bislang bestes Ergebnis.

Gedränge im Mittelfeld

Weitere fünf Spieler des Hauses Herderschach drängeln sich mit 2 bis 3 Punkten im Mittelfeld. Die Wahrnehmung dieser Plätze wird im Einzelfall höchst unterschiedlich sein. Bei Egor wechselten Licht und Schatten in kurzer Folge. Lange spielte er in der Spitzengruppe mit. Doch vor allem in der letzten Runde brachte er sich um die verdienten Früchte in Form eines vorderen Platzes. Er muss noch besser lernen, einen Vorteil konzentriert festzuhalten und zu verwerten.

Karan erwies sich wie schon beim Sommer-Open als echter Wettkampftyp. Bei seinen ersten beiden Open-Starts stehen jeweils 50% zu Buche. Er ist ein Kämpfer, der sich auch von Niederlagen nicht entmutigen lässt und darauf brennt, es in der nächsten Runde besser zu machen.
Robert war zum ersten Mal bei einem zweitägigen Turnier am Start. Sein Ergebnis macht Mut für die Zukunft, ebenso wie die zwei Punkte von Jakob. Jungs – das sind eure ersten Turniere auf diesem Niveau, ihr seid in einem starken Team und wir haben noch ganz viel Zeit.

Fehlt noch der Blick auf die Bilanz von Elnur, zu der man nur sagen kann: "Solche Tage gibt es…". Elnur gehörte für mich hier zum Favoritenkreis und bestätigte das mit einem guten ersten Tag, als ihn nur Egor im internen Duell besiegen konnte. In Runde 4 folgte die Partie gegen einen Mitfavoriten. Elnur spielte eine konzentrierte Partie und war klar auf der Siegerstraße. In Zeitnot gelang ihm dann das Umschalten des Spieltempos nicht und so gab es eine ärgerliche Niederlage durch Zeitüberschreitung. Danach war die Luft raus und es folgten zwei weitere Niederlagen nach indiskutablen Partien. Das kann man nicht mit normalen Maßstäben messen – und deshalb setzen wir auch weiter auf Elnurs Spielfreude und Kampfstärke.


Bericht und Fotos: Thomas Binder