Jugend-Sommer-Open 2017

Bild Aller guten Dinge sind … Acht

Es war der achte Gesamtsieg für das Haus Herderschach in einem Jahreszeiten-Open seit 2012!
Für diesen Erfolg sorgte ein unglaublich stark aufspielender Taha. Gestärkt vom Sommer-Training in seinem Heimatland ging er optimistisch ins Turnier. Die beiden ersten Siege fielen noch recht leicht. Dann warteten die ganz großen Herausforderungen. Nacheinander besiegte Taha den Vierten, Dritten, Zweiten und Fünften der Gesamtwertung, fügte allen jeweils die einzige Niederlage zu.
6 aus 6, dabei alle direkten Konkurrenten geschlagen. So überlegen sieht man selten einen Turniersieger.
Der Beobachter hatte an Tahas Spiel seine reine Freude. Er spielte einfach gutes Schach, rechnete genau und weit und fand kreative Angriffsideen. Dabei spürte man auch äußerlich, dass Taha jederzeit alles im Griff hatte. Er strahlte eine überzeugende Souveränität aus und konnte auch mit starker Gegenwehr umgehen. Beredtes Beispiel für diese Qualität war die Schlussrunde. In einem echten Finale um Platz 1 wurde Taha mit dem auf diesem Niveau gewiss höchst seltenen Königsgambit konfrontiert. Doch auch Eröffnungsbilder, die er garantiert noch nie gesehen hatte, stellten heute kein Problem dar.

Bild Pokal für Egor – Fabian und Uladzimir ganz dicht dran

Bei allem Schwärmen über die Leistung unseres Turniersiegers geht die Freude über viele weitere gute Ergebnisse nicht unter. Egor gelang nach längerer Turnierpause ein starkes Comeback. Am ersten Tag half zumindest in einer Runde noch die Schachgöttin mit einem Grundreihenmatt aus riesigem Materialrückstand. Der Sonntag mit drei guten Partien innerhalb der Spitzengruppe lief noch ein wenig besser. Zwei Siege und ein Remis gegen starke Gegner bedeuten am Ende Platz 6 in der Gesamtabrechnung und den Bronzerang in der U14-Wertung. Auf dem Foto präsentieren Taha und Egor stolz ihre Pokale.

Fast wäre die Pokal-Sammlung noch größer ausgefallen. Fabian und Uladzimir belegten in ihren Altersklassen jeweils Platz 4. Fabian brillierte am ersten Tag mit drei Siegen. In Runde 4 folgte dann nach langem Kampf eine Niederlage. Vielleicht kostete gerade diese lange Partie seinen Gegner die Kraft, die ihm eine Runde später gegen Taha fehlte? Nach einer weiteren Niederlage gewann Fabian in der Schlussrunde sicher. Mit der dritthöchsten Buchholz-Zahl aller Teilnehmer kommt er in die Top-Ten und bilanziert sein bisher erfolgreichstes Turnier.
Uladzimir überzeugte bei seinem ersten Turnier dieser Güte ebenfalls. Er unterlag zum Auftakt in einem internen Duell, ließ dann Sieg auf Sieg folgen und wurde erst in der Schlussrunde an Brett 2 gestoppt. So gut hat selten einer unserer Spieler sein erstes Jahreszeiten-Open abgeschlossen.

Bild Das ganz starke 7f-Trio – Taha, Fabian und Thore sind Klassenkameraden – komplettierte am Abend des ersten Tages Thore mit 2½ Punkten. Am Sonntagvormittag wurde dann in der Spitzengruppe "die Luft etwas dünn". Diese billige Metapher war allerdings selten so unpassend wie hier, denn die Luft in den Turnierräumen war angesichts fehlender Möglichkeit, die Fenster zu öffnen, eben alles andere als dünn…
Sei's drum: Thore berappelte sich zur Schlussrunde und kam so noch auf ein Ergebnis oberhalb der 50% und einen Platz im oberen Drittel der Tabelle.

Jene Partie – das interne Duell mit Maxim – hatte noch weiteren Symbolwert. Seit fast 15 Jahren ist es gute Tradition, dass die Schüler unserer AG in allen Turnieren und fast allen Runden an den längsten Partien beteiligt sind. Ringsherum wurde schon abgeräumt und alle Partien waren längst beendet, als sich Thore und Maxim fast noch in der Eröffnung befanden (siehe Foto). Irgendwie stand sogar schon ein Ergebnis im Computer und eine Etage tiefer begann die Siegerehrung. Der Sieger war schon aufgerufen, als wir den Turnierleiter gerade noch stoppen konnten, schließlich lief noch eine Partie…

Vielleicht ist ja gerade das beharrliche Drängen auf konzentrierte und gründlich überlegte Spielweise ein Erfolgsgeheimnis unserer Arbeit. Bei acht Open-Siegen kann das so falsch nicht sein…

Unter den positiv überraschenden Spielern unseres Hauses ist unbedingt Karan zu nennen. Mit zwei überzeugenden Siegen in den letzten Runden schaffte er noch die 50%‑Hürde bei seinem ersten externen Turnier überhaupt. Von den drei Niederlagen ereilten ihn deren zwei in internen Duellen gegen eigene Teamkameraden.

Wertvolle Erfahrungen für alle unsere Spieler

Wer bei einem seiner ersten Turniere knapp unterhalb einer ausgeglichenen Bilanz landet, muss nicht unzufrieden sein. 2½ bzw. 2 Punkte stehen nach 6 Runden für Maxim, Jakob und Selina in der Tabelle. Der Blick auf frühere Ergebnislisten indes zeigt, dass dies durchaus die Basis für noch erfolgreichere Turniere in den nächsten Jahren sein kann.


Bericht und Fotos: Thomas Binder