Kinder-Winter-Open 2018

Das in dieser Form neu ins Leben gerufene Kinder-Winter-Open am ersten Ferien-Wochenende fand riesigen Anklang. 87 Kinder bis zum Alter von 12 Jahren gingen an den Start. Darunter waren viele Turnierneulinge und selbst Schachzwerge, die nicht einmal die Hälfte der Altersgrenze erreichten. Das perfekt eingespielte Team der Organisatoren bewältigte diese Mega-Aufgabe – parallel zum fast ebenso großen Jugend-Winter-Open und den BJEM-Endrunden – hervorragend.

Aus dem Hause Herderschach starteten vier Schachtalente und konnten nach zwei spannenden Tagen stolz auf ihre Ergebnisse blicken.
Pauschal kann man jedem aus diesem Quartett einen deutlichen Leistungssprung bescheinigen. Die Partieanlage hat sich bei allen spürbar verbessert. Auch bei Übersicht und Konzentration sind große Fortschritte zu verzeichnen. Das schlägt sich noch nicht in jeder Partie im Ergebnis nieder, wird aber bald noch reifere Früchte tragen.

Bild Uladzimir ganz vorn dabei

Unser "Held des Wochenendes" war Uladzimir (Foto rechts). Er spielte immer in der Spitzengruppe mit, agierte in allen fünf Gewinnpartien ganz souverän. Viele gut umgesetzte Ideen waren zu sehen. Auch als man ihn mit dem "Schäfermatt" überrumpeln wollte, blieb er aufmerksam und cool.
Bei beiden Verlustpartien musste man anerkennen, dass die Gegner eben noch etwas stärker spielten. In der letzten Runde saß unser Spieler am Spitzenbrett und kämpfte sogar noch um den Turniersieg. Er lehnte ein frühes Remisgebot ab, hielt lange auf Augenhöhe mit, ohne selbst echte Gewinnchancen zu haben. Erst eine Bauerngabel zum Figurenverlust sorgte spät für eine Vorentscheidung. Schließlich gewann also mit Pascal Stenzel von Chemie Weißensee der deutlich stärkste Spieler verdient das Turnier.
Ein kleiner Beigeschmack bleibt dennoch: Pascal hatte schon das Herbstopen (ebenfalls mit 100%) gewonnen. Es gibt eigentlich im Berliner Kinderschach die ungeschriebene Regel, dass ein Open-Sieger nicht noch einmal in dieser Turnierserie antritt. Bei Tahas Sieg im Sommer-Open wurde dies anlässlich der Siegerehrung nochmals laut verkündet – und damit für Taha quasi verbindlich gemacht. Gilt diese Ansage nur, wenn Herder-Schüler ein Turnier gewinnen?

Die Freude über ein für Uladzimir prächtig gelungenes Turnier wird dadurch natürlich nicht getrübt. Statt einem Platz auf dem Treppchen bleibt ihm im Riesenfeld mit Rang 7 ein Top-Ten-Platz und (wieder einmal) Platz 4 in der U12-Wertung. Immerhin kann der Landesjugendwart nach der dritten Siegerehrung seinen Namen nun unfallfrei aussprechen. Der Satz "Den Namen wird man sich merken müssen!" bewahrheitet sich also erneut.

Fedir und Jakob klar über 50%, Selina nur knapp darunter

Bild Bild Bild Fedir (Foto links außen) hatte sich gewiss etwas mehr vorgenommen. Er bringt ja schon die Erfahrung aus BJEM-Vorrunden mit und hatte es hier überraschend schwer, auf die kürzere Bedenkzeit umzuschalten. Schlüsselerlebnis war schon die erste Partie. Aus schwieriger Stellung erarbeitete sich Fedir noch klaren Vorteil. Doch dann lief die Uhr ab, als er nur noch den letzten Zug zum Mattsetzen ausführen musste. So richtig hat sich Fedir von diesem Rückschlag nicht mehr erholt. Ein Remis gegen einen der Jüngsten und eine weitere Niederlage ließen den Sprung in die Nähe der Spitzenplätze nicht mehr zu. Mit einem Sieg in der letzten Runde erreichte Fedir noch einen Platz im oberen Viertel des Feldes – darauf kann man doch aufbauen!

Starker Aufwärtstrend bei Jakob (Foto links)! Die Punkte (erstmals über der 50%-Marke) lassen dies schon erahnen. Die Qualität der Partien zeigte es noch viel deutlicher. Hier und da merkte man zwar, dass so viele Partien in kurzer Folge auch ganz schön anstrengend sein können, doch auch damit kommen wir mit jedem Turnierstart besser klar.

Selina (Foto rechts) legte los "wie die Feuerwehr" (Zitat BSV-Präsident Carsten Schmidt). Sie gewann die ersten drei Partien. Dann wollte ihr leider nichts mehr gelingen. Woran hat es gelegen? Wir müssen noch lernen, einmal erarbeitete Vorteile sicher festzuhalten und zum Sieg zu verwerten und auch nach einer Niederlage schneller wieder die Energie für die nächste Partie zu finden. Dann lässt sich eine solche Abwärts-Spirale ganz bestimmt umkehren. Die nächsten Gelegenheiten dazu werden noch in diesem Schuljahr folgen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder