Einzel-Schnellturnier 2018

Bild Mit einer weiteren eindrucksvollen Medaillensammlung kehren wir vom letzten Tag der Schnellschach-Woche zurück. Stolz und glücklich blicken unsere jüngeren Spieler auf einen rundum gelungenen Turnierstart.
Als sich die Trainer auf dem Rückweg die Frage nach der Ursache dieser tollen Bilanz stellten, fiel der Blick nicht zufällig auf die Abschlusstabelle unserer gerade beendeten internen Meisterschaft. Alle Kinder, die heute am Start waren, haben sich dort in der unteren Tabellenhälfte platziert. Doch sie haben die Gelegenheit genutzt, sich mit unseren Top-Spielern zu messen. Diese Erfahrung im harten Wettkampf zahlte sich aus.
Wir sahen (fast immer) gut angelegte Partien mit planvollem Spiel. Das war ein qualitativer Gewinn selbst gegenüber früheren Herderschach-Generationen.
Diese Leistungssteigerung war auch nötig, um im insgesamt stärker gewordenen Feld zu bestehen. Mehrere Schulen setzten – wie schon am Dienstag – Spieler und Spielerinnen ein, die sich bereits bei Deutschen Schulschachmeisterschaften bewähren konnten.

Die Betreuer hatten heute wenig auszusetzen. Wo mahnende Worte nötig waren, fielen sie (meist) auf fruchtbaren Boden. Unvergessen bleibt Runde 5, als sich beide AG-Leiter mit dem Berliner Schulschachreferenten in die gastfreundliche Cafeteria des Max-Planck-Gymnasiums zurückgezogen hatten und Spieler auf Spieler mit glücklichem Siegerlachen auftauchte.

Girls first – und zwar mega-verdientBild

Unsere Mädchen haben schon in früheren Jahren immer wieder überzeugt. An den Medaillenplätzen der Gesamtwertung waren sie bisher aber immer knapp vorbei geschrammt.
Auch dieser weiße Fleck ist nun getilgt: Mit einer enormen Steigerung holt sich Selina (Bild rechts) Bronze gegen die deutlich ältere Konkurrenz und zudem den ungefährdeten Sieg in der Doppel-Klassenstufe 5/6.
Dabei begann der Tag für sie mit einer deutlichen Auftaktniederlage und einem unnötigen Patt in Runde 3 wenig verheißungsvoll. Doch schon nach zwei weiteren Siegen war Selina am Spitzenbrett angekommen. Der souveräne Sieg gegen Phuong Anh Vu (3 aus 4 bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft – und das innerhalb eines weit vorn platzierten Teams) war für unsere Spielerin der Schritt in eine völlig neue Leistungsklasse und mit einem Remis gegen die überlegene Turniersiegerin von der Marienschule wurden Pokal und Medaille abgesichert.
Alle Zweifel nach einigen leichten Rückschlägen in den Open-Turnieren und der Schulmeisterschaft sind weggewischt. Diese Erfahrungen haben Selina stärker gemacht als je zuvor. Im neuen Schuljahr warten weitere anspruchsvolle Aufgaben.

Bild Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Jungen

Egor und Uladzimir gehörten nach einer Reihe guter Turnierergebnisse – man sehe auf die Jahreszeiten-Opens – heute zu den Favoriten. Zunächst erfüllte vor allem Egor diese Vorgabe. Sieg folgte auf Sieg, und die Partien wurden durchweg konzentriert angelegt und sicher gewonnen. In Runde 6 war er auch gegen den späteren Turniersieger bereits auf der Siegerstraße. Doch für einen Moment ließ er dann wohl die Konzentration schleifen. Egor stellte selbst eine Mattdrohung auf, übersah aber, dass die Mattdrohung des Gegners zuerst zum Zuge kommen würde. Schade – der Traum vom Gesamtsieg war nicht mehr aus eigener Kraft zu erfüllen.

Inzwischen hatte Uladzimir (Bild links) nach einer frühen Niederlage aufgedreht, viele starke Partien gespielt und zu Egor aufgeschlossen. Leider verwehrte ihm das Auslosungsprogramm dann das direkte Duell gegen den Spitzenreiter. Ärgerlich war es schon, dass in der Schlussrunde an Brett 1 zwei Spieler des Heinrich-Hertz-Gymnasiums aufeinander trafen, an Brett 2 unsere beiden Schüler. Die Beteiligten machten das beste daraus. In beiden Partien wurde mit offenem Visier gekämpft.
Die Besonderheit interner Duelle gegen einen Gegner, den man genau kennt, war aber auch heute nicht zu verbergen. In der Partie zwischen Uladzimir und Egor wechselte der Vorteil mehrfach hin und her. Schließlich hatte "Ula" das bessere Ende für sich und kommt verdient auf Platz 2 der Gesamtwertung und Rang 1 in Klasse 6. Egor platziert sich in beiden Ranglisten unmittelbar dahinter. Auch er also mit doppeltem Podestplatz, wobei eine der Medaillen verständlicherweise an den nächsten Nachrücker vergeben wurde.

Christ gleich beim ersten Turnier erfolgreich Bild

Unser einziger Fünftklässler durfte das Haus Herderschach erstmals außerhalb der eigenen Mauern vertreten. Schon oft haben talentierte Schachzwerge solche Gelegenheiten genutzt, bei der AG-Leitung nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Das ist heute auch Christ (Bild rechts) gelungen, und so war dies sicher nicht sein letzter Turnierstart. Nach zähem Beginn (1 aus 3) eilte er von Sieg zu Sieg, kam in der vorderen Brettreihe an und fühlte sich auch dort wohl wie ein Fisch im Wasser. Vier weitere Siege in Folge waren fast eine – Achtung: Insiderwitz – weihnachtliche Bescherung. Ein Top-Ten-Platz im Gesamtfeld und (dank der Nachrücker-Regelung) sogar die Silbermedaille in Klasse 5 belohnen ihn für dieses starke Turnier.

Top-20 für alle weiteren Spieler

Die vier weiteren Spieler unseres Teams erfüllten und übertrafen die Erwartungen. Geballt rangieren sie im vorderen Mittelfeld auf Plätzen zwischen 13 und 19. Niemand blieb unter 50% – auch das hat Seltenheitswert. Dabei war es für alle einer der bislang anspruchsvollsten Turnierstarts. Marc, Robert und Mikhail hatten sich schon bei einigen früheren Gelegenheiten gezeigt und konnten sich heute folgerichtig deutlich steigern. Für Luca war es sogar ein ganz neues Abenteuer.

Dabei verlief der Tag für dieses Quartett recht unterschiedlich. Es gab viele gute Partien zu sehen, aber natürlich auch die eine oder andere bittere Erfahrung, weil die Gegner schon ein wenig stärker spielten. Luca und Robert brauchten etwas Anlaufzeit, ließen in der zweiten Turnierhälfte nur noch Siege folgen. Mikhail war nach Niederlagen bitter enttäuscht, kam aber immer wieder gerade rechtzeitig in die Spur, sich erneut zum Kampf zu stellen und es besser zu machen. Marc ließ durch ein unnötiges Patt – äh, die sind allermeistens unnötig – einen halben Punkt liegen, pendelte immer um die 50%-Marke und sicherte sich dieses Ziel schon vor der letzten Runde. Dass sein Bruder heute die interne Hierarchie auf den Kopf gestellt hat, wird ihn beim nächsten Mal wohl zusätzlich beflügeln.

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Solch glückliche Gesichter gab es heute ganz oft:
Luca und Robert
Starkes Turnier, wenn auch ohne perfekte Krönung für Egor
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Konzentriert geht Marc zu Werke. Lieber nebeneinander als gegeneinander:
Robert, Luca und Mikhail
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Vier Schachzwerge – vier Medaillen – zwei Pokale Selina verbrachte die beiden letzten Runden am Spitzenbrett.

Bericht und Fotos: Thomas Binder