Unser WK-II-Team bei der DSSM 2019

Bild Erstmals konnten wir eine Deutsche Meisterschaft in der eigenen Heimatstadt bestreiten. Das Team um Olaf Sill organisierte in der Jugendherberge am Ostkreuz die Titelkämpfe gleich in drei Altersklassen.

Noch in anderer Hinsicht betraten wir Neuland. Beide AG-Leiter waren auswärts im Einsatz – einerseits mit dem WK-IV-Team in Bad Homburg, andererseits mit einer Mathematiker-Auswahl beim Pythagoras Quest in Schweden. So musste sich die Mannschaft schachlich weitgehend selbst organisieren – angesichts des Alters und der enormen Wettkampferfahrung sicher kein Risiko. Unterstützt wurden die Schüler von ca. einem halben Dutzend Lehrerinnen und Lehrern unserer Schule, die im Schichtrhythmus die formale Vertretung übernahmen. Herzlichen Dank dafür, und vielleicht konnten wir ja hier und da auch ein wenig Interesse und Begeisterung für das Schachspiel wecken?

WK-II – die Königsklasse des Schulschachs

Auch ohne die für die kommenden Jahre beschlossene Erweiterung um einen Jahrgang ist die Wettkampfklasse II bereits enorm hochkarätig besetzt. Zugpferd der diesjährigen Veranstaltung war mit Luis Engel aus Hamburg ein Schon-Fast-Großmeister mit DWZ und Elo-Zahl über 2500. Doch auch die Breite war beeindruckend: Unter den 72 Stammspielern wiesen 15 eine DWZ über 2000 auf, weitere 17 lagen noch über 1800.

Herderschach – die erste Adresse im Deutschen Schulschach

Schule WK-II WK-III WK-IV WK-M
Herder-Gymnasium Berlin 4.   1.  
Georg-Cantor-Gymnasium Halle 2.   4. 4.
Bismarck-Gymnasium Karlsruhe 3.   5.  
Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin   6.   2.

Wir hatten uns also 2019 mit zwei Mannschaften für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Das gelingt nur ganz wenigen Schulen. In einem Land wie Berlin mit seiner hohen Schulschach-Leistungsdichte ist es besonders schwer.
OK – das hier ist eine willkürliche Statistik. Aber sie gefällt mir einfach. Nur vier Schulen ist es gelungen, bei den diesjährigen DSSM-Turnieren mit mindestens zwei Teams in die Top-Six zu kommen. Zwei dieser Schulen kommen aus Berlin, und mit dem Gewinn einer Goldmedaille können wir uns vielleicht mit Recht ganz an die Spitze setzen.

Weitere acht Schulen (darunter zwei weitere aus Berlin) qualifizierten sich in mehreren Altersklassen für die Finalturniere, konnten sich aber nicht geschlossen vorn platzieren.

Bild Platz 4 als ganz starkes Ergebnis

Es ist wohl das erste Mal, dass wir mit einem DSSM-Auftritt restlos zufrieden sein können, obwohl die Setzlisten-Erwartung verpasst wurde. Die beiden Top-Teams aus Hamburg und Halle waren um Längen enteilt, die nachfolgenden Mannschaften hingegen praktisch auf Augenhöhe. Als dann ab dem zweiten Tag ein Stammspieler wegen Krankheit ausfiel, waren wir plötzlich nur noch die Nummer 7 der Setzliste. Zudem gehörten wir zu den jüngsten Teams im Feld. Drei Spieler hätten noch in der WK-III spielen können. Selbst die beiden Älteren haben nun noch zwei WK-II-Jahre vor sich. Bei Aram wird allerdings das Abitur noch vorher ein Stoppzeichen setzen.

Dass unsere Spieler sich sogar noch mehr vorgenommen hatten, ist aller Ehren wert. Doch auf diesen 4. Platz kann man wirklich stolz sein.

Höhe- und Wendepunkte

Der Auftakt mit einem Unentschieden gegen Heilbronn verlief vielleicht nicht ganz nach Wunsch. Doch die Badener waren die Überraschungsmannschaft des Turniers. Sie lagen nach vier Runden allein auf Platz 2 und hatten das Pech, danach gegen alle drei Medaillengewinner antreten zu müssen.
Unsere Mannschaft fing sich schnell wieder und beendete den ersten Tag mit zwei Siegen. Richtungweisend war dabei der Sieg gegen den zweiten Hamburger Vertreter. Nach "abenteuerlichem" (Zitat Daniel) Verlauf setzten wir uns durch und beendeten den ersten Tag in der Spitzengruppe.
Jubiläum am Rande: Es war dies das 100. DSSM-Meisterschaftsspiel einer Herderschach-Mannschaft.

Der Freitag begann mit einer sehr schlechten Nachricht: Kevin war erkrankt und würde für den Rest des Turniers ausfallen. Damit war Arams Stunde gekommen. Als Ersatzspieler nur gegen "schwächere" Teams eingeplant, war er nun plötzlich in jeder weiteren Runde gefordert. Gleich gegen Halle gelang ihm sein Meisterstück: Sieg gegen einen 1800er!

Bild Der Kampf gegen den späteren Vizemeister ging dennoch verloren, und wie zum Hohn wartete nun mit dem Herzog-Ernst-Gymnasium Uelzen ein weiterer übermächtiger Gegner. "Übermächtig", obwohl nur im Mittelfeld gesetzt? Uelzens DWZ-Durchschnitt wurde durch einen ungewerteten Spieler am letzten Brett in den Keller gezogen, vorn saßen aber drei 2100er bzw. 2000er. An Brett 2 und 3 hatten die Niedersachsen jeweils ca. 200 Punkte Vorsprung.
Aram brachte uns sehr schnell in Führung, Daniel hielt remis und Minh machte den Mannschaftssieg perfekt.

Am Samstag gab es dann die einzige kleine Enttäuschung im Turnierverlauf. Im Berliner Derby unterlagen wir dem Otto-Nagel-Gymnasium knapp. Der Berliner Vizemeister spielte ebenfalls ein starkes Turnier und landete mit Platz 6 klar über den Erwartungen.

Wenn die knappe Niederlage im Derby etwas Gutes hatte, dann wohl, dass man in der letzten Runde dem designierten Meister aus dem Weg gehen konnte. So gelang unserem Quartett noch ein weiterer deutlicher Erfolg und letztlich der Platz unmittelbar hinter dem Medaillenpodest.

Fünf starke Spieler – ein starkes Team

Alle fünf Spieler haben unsere Erwartungen erfüllt. Eine inoffizielle DWZ-Berechnung belegt, dass sie im Rahmen ihres aktuellen Leistungsniveaus gespielt haben. Daniel ragt dabei noch ein wenig heraus, spielte als einziger klar über der DWZ-Erwartung – und das in Höhen, wo die Luft schon sehr dünn wird. Daniel blieb ungeschlagen! Nur Luis Engel holte am ersten Brett mehr Punkte.

Mannschaftskapitän Minh kommt an Brett 2 ebenso auf eine knapp positive Bilanz (4 aus 7) wie Hakob (3½ aus 6).
Kevin stand bei 50%, als er das Turnier beenden musste. Zurück zu alter Stärke geht es wohl nur über mehr Wettkampfpraxis.
Aram sprang ins kalte Wasser, als er gebraucht wurde. Seine Nominierung als Ersatzmann erwies sich als Glücksgriff in der Turnier-Vorbereitung. Ja – es ist vielleicht manchmal schwer, den Sprung in unsere enorm starken Schulmannschaften zu schaffen. Aber die Tür ist nie abgeschlossen, und wenn sie aufschlägt, muss man hindurch gehen!


Bericht: Thomas Binder – Fotos: Lehrer und Lehrerinnen des Herder-Gymnasiums