Herderschach-Weihnachtsturnier 2018

Bild Zusatzspiele – Zahlenspiele

Unsere traditionellen Zusatzspiele hatten wieder viel mit kleinen und großen Zahlen zu tun. Um kleine Zahlen ging es beim Würfeln, wenn man einen älteren Spieler im Schachturnier bezwungen hatte. Vor allem Joachim konnte sich heute gleich mehrfach am Gabentisch bedienen. Manch andere(r) haderte mit dem Würfel, doch wer mir vorher sagte, "Ich habe sowieso immer Pech." konnte sich dann umso mehr über einen glücklichen Wurf freuen – nicht wahr, Mikhail?

Bild Zur Eröffnung waren wieder die Turnierdebütanten gefordert. Sie sollten errechnen, wie lang denn wohl die Schlange wird, wenn man alle heute eingesetzten Schachfiguren aneinander reiht. Etwas großzügig nahmen wir dabei einen Durchmesser von je 2 cm an. Sofort begannen die Gehirne der 21 Weihnachtsturnier-Neulinge zu ticken. Sehr schnell flüsterte mir Egor (kein Debütant und damit nicht im Spiel) seine Lösung zu. Das war schon recht gut, aber irgendwo hatte er genau eine Figur geopfert.
Nach langem und gründlichem Nachdenken brillierte dann mit Zengguan Li (Foto rechts) ein Fünftklässler. Er hatte herausgefunden, dass es genau 16,64 m sind.

Kleine Zusatzfrage: Passt diese Figurenreihe entlang der längsten Wand in unseren Turnierraum?

Bild Beim Schätzspiel war gefragt, wie groß denn wohl der "Anzugsvorteil" im Schach wirklich ist. Wir hatten dazu die aktuelle Mega-Database mit 7 643 659 Partien von Kinderturnieren bis zur Weltmeisterschaft über mehr als 500 Jahre ausgewertet. Diese Datenbank enthält:

Damit holt Weiß 4 097 081 Punkte oder 53,6%. Der Vorteil scheint also geringer zu sein als oft behauptet!
Viele Schätzungen kamen dem korrekten Wert recht nahe. Hatte beim Rechnen noch einer der Jüngsten gesiegt, gewann diesmal ein Schüler aus dem aktuellen Abi-Jahrgang. Truc Lam Tran lag mit seiner Schätzung nur um gut 40 000 Punkte daneben.

Vor der Siegerehrung noch ein Blick zurück

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle Träume reifen konnten. Vor allem unsere Einsteiger finden bei ihrem ersten Turnier eine manchmal etwas schmerzhafte Standortbestimmung. Da hilft es, wenn man ihnen die Herderschach-Geschichte vor Augen führt. Auch unsere absoluten Top-Spieler haben buchstäblich "klein" angefangen. Selbst der letzte (in Worten: letzte) Platz ist bei uns keine Sackgasse. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, und so könnte man wohl eher von einer Einbahnstraße sprechen, die in diesem Fall nur nach oben führen kann. Ja – um bei den völlig verkehrten Bildern zu bleiben – nicht jeder hat die Kurve gekriegt, aber zwei Spieler haben nach dem jeweils letzten(!) Platz im Weihnachtsturnier in den Folgejahren sogar noch den Sprung in die Herderschach-Turnier-Teams geschafft.

Bei allem hohen Anspruch also: Dabei bleiben! Freude und Begeisterung zeigen! Dann kommt auch der Erfolg!

Erwartete und unerwartete Klassensieger

Chronistenpflicht ist noch der Blick auf die Wertung in den Klassenstufen 5 bis 8:

In Klasse 8 gab es das schon mehrfach angedeutete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lior und Sophie. Ein Buchholz-Punkt sorgte dafür, dass Lior (Bild rechts außen) schließlich der Dame nicht den Vortritt ließ. Die übrigen Anwärter waren heute zu unbeständig, um in diesen Kampf einzugreifen. So zog schließlich Thore mit starkem Endspurt noch an ihnen vorbei.

Bild Bild Der Sieg in Klasse 7 geht natürlich an Nam. Ebenso sicherer Zweiter ist Grigorii. Und auch hier wird es um Platz 3 knapp. Letztlich beweist Mikhail, dass er selbstbewusst mitspielen kann. Er bleibt knapp vor den Konkurrenten mit schon deutlich größerer Wettkampferfahrung.

Gleich zwei Kids können sich in Klasse 6 freuen. Natürlich ist Coco in der Wertung ganz vorn. Da es aber keine Doppelpreise gibt, wird sie auf dem Siegerfoto von Joachim vertreten. Aus dem Kampf mit Christ und Vincent geht schließlich Duc Minh als drittbester Sechstklässler hervor. Wenn man auf die aktuellen Erfolgsbilanzen dieser fünf Spieler schaut, kann man wohl von einem neuen Kapitel in der Reihung unserer legendären Schachklassen träumen.

Sehr gespannt war man auf das Ergebnis innerhalb Klasse 5. Einige unserer jüngsten Einsteiger zeigen doch im Training schon viele gute Ideen. In der Endabrechnung liegt diesmal Maxim klar vorn. Wenn man mitten im Turnier zwischen Fabian und Thore sitzt (siehe Foto), ist das doch schon mal ein gutes Zeichen. Einen halben Punkt zurück folgt Jan und als Klassen-Dritter zeigt Zengguan, dass er nicht nur gut rechnen kann.

Wie von Zauberhand ist also der Kreis vom Eröffnungsspiel zur Siegerehrung geschlossen. Der Blick auf die strahlenden Sieger und einen Teil des Preis-Buffets beendet einen tollen Schach-Nachmittag.

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Bericht und Fotos: Thomas Binder