Jugend-Sommer-Open 2018

Bild Der Superlative ist kein Ende wenn wir unsere Erfolgsgeschichte bei den Jahreszeiten-Opens fortschreiben. Zum neunten Mal gewinnt ein Herderschach-Spieler die Gesamtwertung – zum ersten Mal besetzen wir das komplette Podium. Hinzu kommen ein starker fünfter Platz und eine Bronzemedaille in der jüngeren Altersklasse.

Spannender Kampf um den Turniersieg

Über die zwei Tage erlebten wir einen spannenden Kampf um den Gesamtsieg, in dem unsere Schüler die Hauptrollen spielten. Einerseits Spannung pur – andererseits aus Trainersicht das selten entspannte Gefühl, schon vor der letzten Runde Platz 1 und 2 sicher zu wissen.
Am Samstag ließen Thore und Andi keinen Zweifel daran, dass sie hier die Favoriten sein werden. Alle drei Runden wurden sicher gewonnen. So gingen sie als einzige Spieler mit blütenweißer Weste in die nächtliche Pause. Schön, dass sich beide auch durch die ungewohnte Turnieratmosphäre nicht aus der Ruhe bringen ließen. Die Idee, "Großes" und "Kleines" Open in einem gemeinsamen Raum auszutragen, erwies sich nämlich als problematisch. Im Kleinen Open waren zahlreiche Kinder dabei, die nach unseren Maßstäben – selbst mit Rücksicht auf ihr Alter – nicht turnierfähig sind. Der daraus entstehende Lautstärkepegel ist für das durchaus ansprechende Spielniveau der älteren Gruppe nicht hinnehmbar.

Der Sonntagmorgen brachte dann natürlich den direkten Vergleich der Klassenkameraden, welcher nach langem Kampf remis endete.
Dann ein schönes Bild in Runde 5: An Brett 1 bis 4 gewannen Herderschach-Spieler! Im Windschatten von Thore und Andi spielten sich dabei Fabian und Uladzimir wieder nach vorn, die am ersten Tag je eine Partie verloren hatten. Thore gewann an Brett 2 ein Herderschach-internes Duell. Andi machte sein Meisterstück mit einem sehr überzeugenden Sieg gegen den einzigen Spieler, der hier unser Tempo mitgehen konnte, den jungen Dmitry Koryakin von den Schachpinguinen.

Vor der letzten Runde lagen wir auf Platz 1 bis 4. Die unvermeidlichen internen Duelle (Uladzimir – Andi, Thore – Fabian) stellten bereits sicher, dass uns Gold und Silber nicht mehr zu nehmen waren. Die Entscheidungen fielen dann auf denkwürdige Art:

Bild Bild Andi hatte es mit einer überragenden Buchholz-Wertung in der Hand, aus eigener Kraft Turniersieger zu werden. Seine bisherigen Partien ließen auch keinen Zweifel aufkommen, dass dies gelingen würde. Doch ein einziger Fehlzug durchkreuzte diese Rechnung: Uladzimir konnte gegen Ende der Eröffnung Dame und König aufspießen und setzte sich dann sicher und relativ schnell durch.

Am Nachbarbrett wurde erwartungsgemäß sehr lange gekämpft. Die Partie stand ausgeglichen, als Thore nach weit über einer Stunde remis bot. Fabian rechnete die Tabelle durch und lehnte ab: Remis oder Niederlage hätten nur zwischen Platz 4 und 5 unterschieden, doch mit einem Sieg konnte er selbst noch das ganze Turnier gewinnen!
Auch weiterhin war die Stellung ausgeglichen, Thores Zeitvorrat schrumpfte und schrumpfte… Erst jetzt unterliefen Fabian einige kleine Ungenauigkeiten, die Thore nach und nach zu klarem Vorteil ausbaute. Dann schien Thore einige Züge lang den Faden zu verlieren. Der rettende Gedanke, seinen Freibauern auf der a-Linie laufen zu lassen, kam gerade noch rechtzeitig.
Die letzte Minute auf der Schachuhr war bereits angebrochen, als die Bauernumwandlung schachlich Klarheit schuf. Thore hätte nun Fabians letzten Bauern schlagen können und damit den Turniersieg sicher gehabt. Stattdessen nahm er sich noch einmal Zeit, ein nicht gerade offensichtliches Mattbild zu konstruieren. Die Fotos zeigen Schlussstellung und Schachuhr. Dramatik pur! – So geht Turnierschach!

Bild Für Thore (Foto links) ist der Sieg im Jugend-Sommer-Open 2018 der bislang größte Erfolg. Wer ihn seit gut drei Jahren schachlich begleitet hat, der weiß: Dieser Sieg war jetzt einfach mal dran! Oft hatte in der Vergangenheit eine einzige schwächere Partie genügt, ihn aus der Erfolgsspur zu werfen. Diesmal spielte er über beide Tage das kompletteste Schach des ganzen Feldes und gab sich keine Blöße. Jetzt gilt es, selbstbewusst nach neuen Zielen Ausschau zu halten. Wir begleiten dies gerne weiter!

Das fabelhafte Abschneiden unserer großen Delegation wird durch die Medaillenränge von Uladzimir und Andi komplettiert, Fabian steht ihnen auf Platz 5 (hinter U12-Sieger Koryakin) nicht nach. Bei Andi geht es schließlich um genau einen schwachen Moment. Uladzimir unterlag nur gegen die Siegerin der Mädchen-Wertung, steckte das aber problemlos weg, blieb immer optimistisch und angriffslustig. Gegen die gleiche Gegnerin gewann Fabian etwas glücklich, als er im Endspiel mit zwei Minusbauern eine Falle stellte, die auf Bauerndurchbruch per en-passant-Schlag beruhte. So unterlag er nur gegen zwei unserer Medaillengewinner.

Drei Spieler mit ganz starkem Debüt

Bild Nicht ganz zu Unrecht rühmen wir uns seit Jahren, unsere Spieler eher zurückhaltend und nach genauer Abwägung in den Turnieren einzusetzen. Niemand soll bei seinen ersten Starts eine Enttäuschung erleben müssen. So ist es uns wichtig, bei erstmaligen Einladungen auf einem höheren Wettkampfniveau die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist wieder sehr schön gelungen: Drei Spieler debütierten auf Einladung der AG-Leitung in der Open-Szene. Mit 50% und mehr haben sie einen starken Einstand gegeben und sind beim nächsten Mal sicher mit gleicher Begeisterung dabei. Marc und Luca kamen jeweils zu drei Siegen und waren froh, das Brüder-Duell vermeiden zu können. Dicht beieinander liegen sie im Mittelfeld nur um einen Buchholz-Punkt getrennt – standesgemäß zu Gunsten des älteren Zwillings…
Noch um einen halben Punkt besser lief es für Christ (Foto rechts)! Mit 3½ Punkten aus sechs Partien holte er sich sogar den Bronze-Pokal der U12-Wertung. Da sollte ein Upgrade in die stärkere Herderschach-Trainingsgruppe die logische Folge sein.

Gutes Schach auch auf den weiteren Plätzen

Innerhalb des großen Herderschach-Teams wird der eine oder andere mit seinem Ergebnis nicht ganz zufrieden sein. Vor allem der Sonntag gab hier und da einiges zu knabbern. Schachliches Können wurde durch Unkonzentriertheiten oder mangelnde Konsequenz im Angriff noch nicht immer in Punkte umgesetzt.
Recht unglücklich lief es für Jakob. Nach starkem ersten Tag folgte ein kampfloser Punkt, weil der Gegner zu Runde 4 nicht antrat. Dann fand sich Jakob an Brett 2 gegen den späteren Turniersieger wieder und schließlich ging es gegen den einzigen Teilnehmer, der die Altersklasse U14 überschritt – eine Öffnungsklausel, über die man doch mal wieder nachdenken könnte…
Egor fand irgendwie gar nicht zu seiner Normalform, und Selina wollte ähnlich wie beim Winteropen nach gutem Start ab der ersten Verlustpartie nichts mehr gelingen. Dabei gaben die Partien eigentlich viel mehr her, als schließlich auf der Punkttabelle zu Buche steht.
Daniel war auf Empfehlung seines Vereins am Start. Letztlich kann er sich über zwei gewonnene Partien freuen. Er wird die zum Teil deutlichen Niederlagen hoffentlich gut verdauen und sich bald wieder einer leistungsgerechten Herausforderung stellen.


Bericht und Fotos: Thomas Binder