Jugend-Winter-Open 2019

Bild Das Jugend-Winter-Open hat sich als anspruchsvolles DWZ-Turnier für Spieler aller Altersklassen etabliert. Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlichen Erfahrungs- und Leistungsstandes messen am Rande der BJEM-Finals ihre Kräfte. Die ausgeglichene Spitzengruppe mit einem Dutzend Spielern über DWZ 1400 und mehr als zwei Dutzend über 1200 sorgte für ein spannendes Turnier mit sehenswerten Partien.

Etwas unglücklich erscheint mir noch immer das hier seit Jahren bevorzugte "beschleunigte" Schweizer System. Man will Partien mit großem Leistungsgefälle vermeiden, verschiebt diese aber eigentlich nur von der ersten in die dritte und vierte Runde. So wurde z.B. Alec nach einer Niederlage in Runde 2 gegen einen der Top-Spieler dann gleich dreimal mit unterklassigen Gegnern gefüttert…
Bei der Bedenkzeit ging man an die unterste Grenze des nach DWZ-Wertungsordnung zulässigen Bereichs: 60 Minuten für 30 Züge + 30 Minuten ohne jedes Inkrement. Dieser Kompromiss aus DWZ-Fähigkeit und verträglichem Zeitplan fordert den Spielern viel ab, sind sie doch ab dem ersten Zug in gefühlter Zeitnot.

Aber nun genug der wohlmeinenden Kritik: Vorhang auf für die Spieler, die uns viel Freude machten! Acht Herderschach-Cracks aus drei Vereinen gingen an den Start.

Sophie und Alec in der Spitzengruppe

Bild

Dücker – Böhmer
Bild
17.Sd5-f6+ entscheidet die Partie sofort.
Sophie und Alec belegen mit 5½ Punkten die Plätze vier und fünf in diesem Riesenfeld.
Sophie (Foto oben links) bestätigte erneut die guten Eindrücke der letzten Monate. Sie spielt mutig, greift selbstbewusst und ideenreich an. Das kann zwar mal schief gehen, führt aber viel öfter zum verdienten Erfolg.

Alec (Foto links) verlor nur eine Partie und gab ein Remis ab, bei dem er sich im Nachhinein gar über vergebene Siegchancen ärgerte.
Auch er setzte die gute Serie aus der U18-Vorrunde und den Mannschaftskämpfen für seinen Verein fort. Da passte es wunderschön ins Bild, dass er das erfolgreiche Turnier mit einer hübschen Kombination beendete. In nebenstehender Stellung aus der letzten Runde führte Alec mit 17.Sd5-f6+ die Entscheidung herbei. Schwarz verliert Haus und Hof und noch mehr.

Bild Ganz starkes Debüt von Thore

Zumindest für Herder-Schüler gilt die Regel, dass man nach Gewinn eines der kürzeren Jahreszeiten-Opens in höherwertige Turniere aufsteigen muss. Thore – Sieger des Sommer-Opens 2018 – hat lange mit sich gerungen, ob er diese Herausforderung annehmen will. Nach vier anstrengenden Wettkampftagen steht nur noch Freude über den Ausgang dieses Wagnisses.

Thore (Foto rechts) gewann zum Auftakt und blieb insgesamt ungeschlagen! Sein zweiter Sieg war dann kampflos, weil die Gegnerin "plötzlich einen wichtigen Termin" hatte. Hätte man das 10 Minuten vorher gewusst, hätte man sie noch aus der Auslosung für diese Runde nehmen können.
In der Abschlusstabelle stehen für Thore dann also noch 5 Unentschieden, darunter gegen einen DWZ-1500er und gegen den aktuellen Deutschen U8-Meister. Dass es keinen weiteren Sieg gab, lag beim ersten Turnier auf diesem Niveau noch an etwas fehlendem Selbstvertrauen und vor allem an der knappen Bedenkzeit. Gerade Thore wird mit größerem Zeitvorrat noch viel erfolgreicher werden. Hier fehlten z.B. in der letzten Runde mit Springer und Bauer gegen den blanken König noch die letzten Sekunden zum Mattsetzen.

Der Trainer hatte eine Erst-DWZ als Ziel ausgegeben, die möglichst vierstellig ausfallen sollte. Diese Vorgabe hat Thore weit verfehlt – aber aus der richtigen Richtung. Mit einer Einstiegs-Wertzahl von fast 1350 gelang ihm ein phantastisches Debüt, vermutlich die höchste Erst-DWZ eines Herderschach-Spielers seit Tim Rettig vor gut 15 Jahren…

Achtbare Ergebnisse auch für unsere übrigen Spieler

Lior hatte sich wohl etwas mehr vorgenommen. An drei Tagen lief es auch wunschgemäß, doch am Montag wollte ihm einfach gar nichts gelingen.
Einen Aufwärtstrend gegenüber der etwas verkorksten BJEM-Vorrunde erkennen wir hingegen bei Grigorii, der sich sogar noch einen Platz vor Lior einreiht.
Sophies Vereinskameraden vom SC Weisse Dame (Fedir, Karan und Parag) konnten sich noch nicht in der oberen Tabellenhälfte etablieren. Sie finden sich aber von Turnier zu Turnier besser in der Open-Szene zurecht und werden bei den nächsten Gelegenheiten gewiss weiter nach vorn rücken.


Bericht und Fotos: Thomas Binder