Bild Unser Team in der WK-IV 2024

Nebenstehendes Foto hat Symbolkraft: An gleicher Stelle fotografierten wir schon 2006 und 2019 erfolgreiche Herderschach-Teams. Die aktuelle Mannschaft hat es verdient, sich mit ihnen in eine Reihe zu stellen. Unsere 7. DSSM-Medaille steht am Ende einer erlebnisreichen Fahrt über vier Tage nach Bad Homburg.
Wie immer sorgten dort die moderne Jugendherberge und das umsichtig agierende Orga-Team der Schachjugend Herborn für Turnierbedingungen und ein Freizeitprogramm, die keine Wünsche offenließen.

Wir haben unser sportliches Ziel erreicht. Platz 3 entspricht der Setzliste. Ganz vorn rangiert völlig verdient das hoch überlegene Team vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Dahinter hatte laut Startrangliste fast ein Dutzend weiterer Mannschaften realistische Medaillenhoffnungen. In diesem dichten Feld haben wir unsere Position souverän behauptet. Wir haben nur ein Spiel verloren, dem Meister ein Unentschieden abgenommen.
Dabei hatten wir stärkste Konkurrenz, haben die deutlich höchste Buchholz-Zahl aller Teilnehmer und spielten gegen keinen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte.
Meisterstück war das 2:2 gegen die nach den Erwartungswerten deutlich überlegene Mannschaft aus der (Zitat einer Spielerin "Das weiß man doch") Schillerstadt Marbach. Hier retteten uns die beiden Siege im Oberhaus, wie sich überhaupt in (fast) jeder Runde jemand fand, der oder die mit einer individuellen Steigerung den Unterschied ausmachte.

Geheimnis dieses Erfolges ist es, dass alle sechs Spieler ihren Einsatz komplett in den Dienst der Mannschaft stellten, immer nur das Mannschaftsergebnis im Blick hatten. Gerade die Devise aus der Vorbesprechung "Es kommt auf die Mannschaftspunkte an, Brettpunkte sind unwichtig." wurde beherzt umgesetzt.

Bei der Nominierung unserer diesjährigen WK-IV-Mannschaft standen die drei Top-Positionen frühzeitig fest. Mit der Besetzung der übrigen Plätze haben wir darauf gesetzt, ein menschlich harmonierendes Team mit schachlicher Perspektive aufzubauen.
Hier hat sich die lange Erfahrung der AG-Leiter einmal mehr bezahlt gemacht. Die Plätze 6 und 10 im Ersatzspielerturnier (30 Teilnehmer) sind Beleg dafür, dass wir auch in dieser WK-IV-Generation eine Leistungsdichte aufweisen, die nur wenige Schulen in Deutschland toppen können.

Sechs Spieler mit Stärken und Schwächen – ein starkes Team

Justin muss noch lernen, seine Leistung richtig einzuordnen. Bei seinen Erfolgen und zahlreichen Turnierstarts klingt "3½ aus 9" ernüchternd. Aber das hier war Brett 1 einer Deutschen Meisterschaft mit mehr als zwei Jahre älteren Gegnern. Justin hat dem Brettsieger an Brett 1 den einzigen halben Punkt abgenommen und er hat den DWZ-besten Spieler des ganzen Turniers geschlagen – was will man mehr?
Seine Remisen sicherten jeweils den Mannschaftssieg ab. Verbesserungswürdig bleibt vor allem die Zeiteinteilung bei den ungewohnten 30 Minuten ohne Inkrement.

Leonhard hat in den Tagen von Bad Homburg auf zweierlei Art voll überzeugt. Seine schachliche Leistung ist mit 6½ aus 9 (nur eine Verlustpartie) hervorragend. Noch wichtiger war er aber als umsichtiger Mannschaftskapitän. In dieser Funktion reiht er sich schon jetzt in die Phalanx legendärer Herderschach-Kapitäne wir Fabian Laude oder Jonas Brenck.

Helena stand am ersten Abend bei "4 aus 4". Da verkündete sie "Ich habe jetzt eigentlich genug verloren." OK – da war wohl das Tandemturnier mitgezählt… Die Serie hielt sogar noch länger, und am Ende steht mit 7½ aus 9 eines der besten individuellen Ergebnisse, die jemals innerhalb eines Herderschach-DSSM-Teams erzielt wurden.

Mariia hatte in der Anfangsphase des Turniers mit der ungewohnten Bedenkzeit zu kämpfen. Mehrere Partien gingen durch Zeitüberschreitung aus Gewinnstellung verloren oder wurden remis. Das war bitter, das hätte manch andere(n) förmlich umgehauen. Mit Mariia konnten wir ruhig über die Situation sprechen. Wegen der großen Verantwortung im Mannschaftskampf wollte sie auf keinen Fall einen Fehler machen, wollte unbedingt den besten Zug finden. Im Laufe des Turniers gelang das schon besser und wurde durch die erste Gewinnpartie gekrönt, als es in der Schlussrunde ausgerechnet Mariia war, auf deren Sieg es ankam – man hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können.

Timur und Bjarne haben erst in unserer AG mit dem ernsthaften Schachspiel begonnen. Eifrige Trainingsteilnahme und mutiges Antreten zu allen Wettkampfangeboten führten zu einer beständigen Leistungssteigerung und ersten Erfolgen in der Berliner Open-Szene. Dass schon jetzt ein Start bei der Deutschen Meisterschaft als erster Höhepunkt folgte, ist phänomenal. Beide Spieler fügten sich leistungsmäßig (zusammen 2½ aus 4) in unsere Mannschaft ein. 7 aus 11 im Ersatzspielerturnier sprechen auch eine klare Sprache.
Timur und Bjarne werden von dieser Teilnahme enorm profitieren und freuen sich auf den bevorstehenden Übergang ins Vereinsschach mit entsprechend anspruchsvolleren Herausforderungen.

Unsere 20. DSSM-Teilnahme gehört zu den Highlights der Herderschach-Geschichte. Hinter den sechs Spielern stand ein ebenso harmonisches Betreuerteam mit Frau Maeß, Herrn Binder und Herderschach-Legende Aram Azarvash.
Ein zusätzlicher junger Betreuer im DSSM-Team: Auf dieses Konzept setzten wir auch bei der zeitgleichen WK-III-Meisterschaft in Aurich. Es kam hervorragend an und dürfte eine Blaupause für die Zukunft sein.


Bericht und Foto: Thomas Binder